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INTERVIEW TEIL 2
„Arnautovic glaubt er sei Gott“
Er war Teamkapitän und ist immer noch Rekordtorschütze: Toni Polster über seine Nachfolger und die Chancen der österreichischen Nationalelf, sich in der deutschen Gruppe für die WM in Brasilien zu qualifizieren. Interview Henning Klefisch.


 

Toni PolsterBei zwei WM-Turnieren war er Kapitän des Team Austria: Toni Polster. Foto Pixathlon

 


RUND: Deutschland kämpft in der WM-Qualifikation mit deinem Heimatland in einer Gruppe um das Ticket für Brasilien. Wie schätzt du das Niveau der österreichischen Nationalmannschaft ein?
Toni Polster: Es ist natürlich so, dass es in Österreich kaum finanzielle Mittel gibt. Von daher wird vielfach auf die Jugend gesetzt. Wir haben verstanden, dass wir ein Ausbildungsland sind. Deshalb haben wir bescheidenere Ziele. Ich würde mich wirklich freuen, wenn sich einer der beiden Vereine für die Champions League qualifizieren würde. Dass dies verdammt schwer werden wird, darüber muss man überhaupt nicht reden. Unsere höchsten Träume ist die Gruppenphase in der Europa League. Das ist realistisch. Ob die beiden österreichischen Mannschaften in die Champions League hingehören, habe ich eher Zweifel.

RUND: Was hältst du vom Bremer Marko Arnautovic?
Toni Polster: Du weißt doch auch, dass am Saisonende als Offensiver zehn Tore und zehn Vorlagen zählen. Darunter brauchst du dich nicht in die Kabine mehr trauen. Ein Basler war auch extravagant, aber er hat 20 Tore gemacht und 14 aufgelegt. Da sagst du als Mitspieler auch: Mach mal ein paar Liegestütze nach einem Fehler und alles ist gut. Bei Marko ist dies jedoch nicht der Fall. Dann darfst du nicht so polarisieren. Alaba glaubt an Gott und Arnautovic denkt, er ist Gott. Wenn Marko nicht konstanter wird und die genannte Bilanz aufweist, wird es über kurz oder lang nicht gutgehen.

RUND: Was sind die Gründe für diese gewaltigen Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich?
Toni Polster: Wir reden von einem Land, das zehnmal so viele Einwohner hat wie wir. In jeder größeren Stadt gibt es einen Topverein. Viele Menschen sind im Fußball sehr stark engagiert. Hier bei uns in Österreich sind die Sponsoringmittel eher gering. Mit den Typen ist es doch immer das Gleiche. Jetzt, wo wir nicht mehr Fußball spielen, sind wir alle Typen geworden. Es ist immer das Schicksal der aktiven Profis.

RUND: Wird es für die Qualifikation zur WM 2014 in Brasilien reichen?
Toni Polster: Das Ziel ist greifbar nahe. In Deutschland rechnen wir nicht unbedingt mit einem Punkt. Wenn wir Irland zuhause schlagen und gegen Schweden einen Punkt holen, dann ist einiges möglich. Mit der Qualifikation wird es dennoch schwierig, ich bin skeptisch.

RUND: Du warst als Spieler bei der WM 1990 in Italien und bei der WM 1998 in Frankreich dabei. Was ist das für ein Erlebnis gewesen?
Toni Polster: Ich war auch Kapitän meiner Nationalmannschaft. Das hat mich ohne jeden Zweifel mit sehr viel Stolz erfüllen können. Zumal wir schon seit 1998 nicht mehr bei einer Weltmeisterschaft dabei gewesen sind. Für solch ein kleines Land wie Österreich ist es sicherlich schwierig, sich für solch ein Turnier qualifizieren zu können.

RUND: Du hast bei Vereinen in Spanien, Italien und Deutschland gespielt. Was bedeutet für dich Heimat?
Toni Polster: Heimat bedeutet das für mich, wo meine Eltern heute wohnen. Das ist das, was ich extrem unter Heimat verbinde, wenn meine Eltern werden und ich muss um sie kümmern muss.

RUND: Wie wichtig ist der Anteil der Familie an deinem Erfolg im Profifußball gewesen?
Toni Polster: Meine Mutter wollte schon, dass ich meine Ausbildung als Industriekaufmann abschließe. Ich wollte schon als Kind unbedingt Fußballprofi werden. Dies war mein erklärtes Ziel. Dabei haben mich meine Eltern und Freunde komplett unterstützt.

RUND: Welche Werte wurden dir von Zuhause vorgelebt?
Toni Polster: Wenn ich nicht zufällig als Fußballer unten auf dem Platz stehen würde, würde ich selbstverständlich auch unten bei den Fans stehen. Ich halte mich für nichts Besseres. Sonst wird es auf Dauer auch anstrengend. Ich habe A gesagt, dann muss ich auch B sagen. Ich habe vor jedem Menschen Respekt.

RUND: Du bist katholisch geprägt. Wie wichtig ist dir der Glaube?
Toni Polster: Mir persönlich ist der Glaube schon wichtig. Ich glaube, dass es etwas gibt, was auf uns aufpasst und was uns auch leitet.

RUND: Wird es ein Comeback von dir als Sänger mit den Fabulösen Thekenschlampen geben, etwa für soziale Zwecke?
Toni Polster: Nein. So etwas gibt es nicht. Dazwischen sind drei Alben entstanden. Leider gibt es nicht viele Leute, die unterscheiden können zwischen dem ehemaligen Sänger und der Tatsache, dass ich als Fußballtrainer wahrgenommen werden möchte. Das war damals nicht abzusehen, dass dies so erfolgreich werden konnte.

 

Klicken Sie hier, um Teil 1 des Interviews mit Toni Polster zu lesen. „Als Spieler hab ich es leichter regeln können“


Toni Polster
100 Jahre österreichischer Fußballverband: Toni Polster und Herbert "Schneckerl" Prohaska haben sich fein gemacht. Foto Pixathlon



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