Kolumne

Samira Samii: Iran beweist Herz, Stolz und Charakter

Aus iranischer Sicht war dieses Spiel eine emotionale Achterbahnfahrt. Das 2:2 gegen Neuseeland zeigt, dass die iranische Elf Rückschläge bei der WM verkraften kann. Von Samira Samii

 

 Als der Schlusspfiff im Stadion von Los Angeles ertönte, spiegelte sich auf den Gesichtern der iranischen Spieler eine Mischung aus Erleichterung, Stolz und Entschlossenheit wider. Das 2:2 gegen Neuseeland war kein perfekter Auftritt. Aber es war ein Auftritt voller Leidenschaft, Mentalität und unerschütterlichem Glauben an die eigene Stärke.

Aus iranischer Sicht war dieses Spiel eine emotionale Achterbahnfahrt.

Neuseeland erwischte den besseren Start und ging durch Elijah Just in Führung. Der schnelle Offensivspieler nutzte eine Unachtsamkeit in der iranischen Defensive und brachte die „All Whites“ überraschend in Front. Doch die Antwort der Team Melli ließ nicht lange auf sich warten.

In einem Moment, in dem Verantwortung gefragt war, trat Ramin Rezaeian hervor. Der erfahrene Führungsspieler übernahm Verantwortung und erzielte den wichtigen Ausgleich zum 1:1. Es war ein Tor, das der Mannschaft neues Leben einhauchte und den zahlreichen iranischen Fans auf den Tribünen Hoffnung schenkte.

Doch Neuseeland zeigte ebenfalls große Qualität. Wieder war es Elijah Just, der die iranische Abwehr vor Probleme stellte und mit seinem zweiten Treffer die erneute Führung erzielte. Zu diesem Zeitpunkt drohte Iran wertvolle Punkte im Kampf um das Achtelfinale zu verlieren.

Genau dann zeigte sich jedoch die wahre Stärke dieser Mannschaft.

Angeführt von ihren erfahrenen Spielern kämpfte sich Team Melli zurück. Die Mannschaft gab niemals auf, erhöhte den Druck und wurde schließlich belohnt. Mohammad Mohebi erzielte den verdienten Ausgleich zum 2:2 und ließ die iranischen Anhänger jubeln. Es war ein Tor, das nicht nur einen Punkt sicherte, sondern auch den Charakter dieser Mannschaft unterstrich.

Die Torschützen des Spiels:

0:1 Elijah Just (Neuseeland)
1:1 Ramin Rezaeian (Iran)
1:2 Elijah Just (Neuseeland)
2:2 Mohammad Mohebi (Iran)

Natürlich wird Trainer Amir Ghalenoei die defensiven Schwächen analysieren müssen. Zwei Gegentore auf diesem Niveau sind zu viel, wenn man gegen starke Gegner wie Belgien bestehen möchte. Doch gleichzeitig hat die Mannschaft eine wichtige Eigenschaft bewiesen: Sie kann Rückschläge verkraften.

Als Perserin erfüllt mich besonders die Mentalität dieser Mannschaft mit Stolz. Die iranischen Spieler tragen nicht nur ein Trikot. Sie tragen die Hoffnungen von Millionen Menschen auf der ganzen Welt. In schwierigen Momenten zusammenzustehen, Verantwortung zu übernehmen und niemals aufzugeben – genau dafür steht Team Melli.

Dieses 2:2 fühlt sich deshalb anders an als ein gewöhnliches Unentschieden. Es ist ein Punkt, der Mut macht. Ein Punkt, der zeigt, dass Iran auf der größten Fußballbühne der Welt konkurrenzfähig ist. Und ein Punkt, der den Traum vom Einzug in die K.o.-Runde weiterleben lässt.

Die kommenden Spiele werden noch schwieriger. Doch wer zweimal zurückkommt und bis zur letzten Minute kämpft, sendet eine klare Botschaft an alle Konkurrenten:

Der Iran ist bei dieser Weltmeisterschaft nicht nur dabei. Der Iran ist gekommen, um Fußballgeschichte zu schreiben.

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