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HAMBURGER SV
Jol: „ich werde immer offensiv spielen lassen“
Der HSV präsentiert nach langer Suche seinen neuen Trainer. Martin Jol wirkt zugänglicher als Vorgänger Huub Stevens. Mit dem 52-Jährigen Jol werden die Hamburger nicht mehr so defensiv wie zuletzt agieren. Von Matthias Greulich.

Martin Jol
Der neue HSV-Trainer: Martin Jol, der zuletzt bei den Tottenham Hotspurs wirkte
Foto Hochzwei

Die Säle im Hotel Grand Elysee tragen alle bedeutende Namen. Im Großen Spiegelsaal wurde Martin Jol, der neue Trainer des Hamburger SV, den Medienvertretern vorgestellt, als ob eine Kaiserkrönung wie 1871 in Versailles auf dem Terminplan stünde. Der 52-Jährige fuhr mit dem Fahrstuhl in Saal hinab, wo mindestens 15 Kamerateams auf ihn warteten – er hat in dem Hotel unweit des Dammtor-Bahnhofs vorerst Quartier genommen. Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer und Präsident Bernd Hoffmann hatten sich noch eine Stunde vor der Pressekonferenz im kleineren Oval Office aufgehalten, um zu überlegen, wie der Nachfolger von Huub Stevens der Presse zu präsentieren sei. Das Ergebnis des Brainstormings hörte sich dann so an: „Wir haben einen Trainer aus der Premier League“, verkündete Hoffmann einen der Vorzüge des „Wunschkandidaten mit Persönlichkeit, Ausstrahlung und Kompetenz“, der derweil im Blitzlichtgewitter der Fotografen vergnügt lächelte.

Der Niederländer, daraus machte er keinen Hehl, wäre gerne Trainer der Tottenham Hotspurs geblieben, wo man ihn im Oktober 2007 im Vorfeld des Uefa-Cup-Heimspiels gegen Getafe unter peinlichen Umständen entlassen hatte. Trainer und Fans der Spurs hatten während der Partie von der Trennung erfahren, der beliebte Coach wurde nach dem Abpfiff minutenlang gefeiert. Nun sind sie glücklich beim HSV einen „derartigen Mann mit seinen Qualifikationen zu haben“, so Beiersdorfer, der nicht vergaß die guten deutschen Sprachkenntnisse zu erwähnen. Und wirklich, der Mann spricht wirklich sehr gut Deutsch. Und er mag die Norddeutschen: Sehr häufig, so Jol, sei er als Kind zu Besuch bei seiner Schwester gewesen, die heute in Nordhorn lebt.

Jol wirkt – wie die Reporterkollegen erfreut im Flüsterton bemerkten - erheblich zugänglicher als der knurrige Stevens, der in anderthalb Jahren in Hamburg kaum einen Journalisten an sich heran ließ. Dessen Nachfolger erwähnte die große Zeit des HSV mit „Horst Hrubesch und Manni Kaltz“, was in Hamburg immer gut ankommt, wo man in der Endabrechnung wenigstens mal wieder vor den Nachbarn aus Bremen liegen würde. Das hört sich bei Jol dann so an: „Wir haben eine sehr gute junge Mannschaft. In der nächsten Saison wollen wir möglichst noch besser als zuletzt abschneiden.“ Die letzten Spiele des Tabellenvierten hat er vor dem heimischen Fernseher verfolgt: „Ich dachte, es wäre nicht richtig, ins Stadion zu gehen.“

Mit dem Wechsel in der Trainerposition, das machte Jol wie erwartet klar, wird der HSV künftig offensiver spielen. Beiersdorfer und Hoffmann schien er damit aus der Seele zu sprechen, denn die defensive Ausrichtung mit der Stevens den Klub 2007 vor dem Abstieg gerettet hatte, war den Zuschauern und auch der Mannschaft zuletzt schwer zu vermitteln. Und Jol machte bei seinen Einlassungen alles richtig: Auf die Frage, ob weiter öffentlich trainiert werde, sagte Jol, das sei in Holland und Deutschland so üblich, er habe nichts gegen die eigenen Fans, die ihren den Spielern bei den Übungen zuschauen.

Nicht auf dem Podium saß Zeljko Petrovic, der künftige Assistenztrainer, derzeit noch beim niederländischen RKC Waalwijk als Chefcoach unter Vertrag. Jol beschrieb den 42-Jährigen als Fachmann, der – wie sollte es anders sein – ähnliche Auffassungen vom Fußball habe wie er. Der Montenigriner hatte unter Jol in Waarwijk gespielt und war WM-Teilnehmer 1998 mit Jugoslawien.

Nach 29 Minuten war der erste Auftritt von Martin Jol in der Hansestadt vorbei. Lange schon hat man Sportchef Beiersdorfer, der von den Medien wegen der langen Trainersuche heftig kritisiert worden war, nicht mehr so strahlen sehen, wie an diesem Mittwochmorgen im Großen Spiegelsaal.


„Hat er mich gelobt? Das machen die Spieler immer, wenn ein neuer Trainer kommt.“

Martin Jol über die Vorschusslorbeeren von Timotheé Atouba, den er bereits in Tottenham trainiert hatte.

Wann fiel die Entscheidung:
Dietmar Beiersdorf nahm vor „ sieben oder acht Wochen“ Kontakt zu Jol auf. Die Entscheidung traf der 52-Jährige „ nach fünf Minuten“, zuvor hatte er mit Beiersdorfer und Hoffmann mehrere Stunden lang über seine Vorstellung vom Fußball geredet.




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