TÜRKIYEMSPOR BERLIN
„Wir könnten noch viel mehr tun“
Der erstmals vergebene Integrationspreis des DFB ging an Türkiyemspor Berlin. Doch der Verein, der in Kreuzberg zahlreiche wichtige soziale Projekte unterstützt, könnte noch mehr für Jugendliche tun – wenn man ihn denn ließe. Von Matthias Greulich

Die vielen Zeitungsausschnitte und die Fotos mit Oliver Bierhoff hat Cem Bingöl sorgfältig in eine Mappe gelegt, die er nun mit einer heftigen Bewegung auf den Tisch knallt. „Was nützt das alles?“, fragt der Präsident von Türkiyemspor Berlin. Offenbar nichts, sagt seine Körpersprache, und das wäre eine negative Überraschung nach den vielen positiven Medienberichten. Bingöl und sein Klub standen für einige Tage im Fokus, nachdem Deutschlands bekanntester Migrantenverein Anfang Januar den erstmals verliehenen Integrationspreis des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) gewann. Die Anerkennung für 30 Jahre intensive Sozialarbeit in den Berliner Problembezirken Kreuzberg und Neukölln bezeichnen Bingöl und seine Vorstandskollegen als große Ehre, die sie motiviert. Sie planen weitere soziale Projekte – aber sie stoßen immer wieder an ihre Grenzen, weil es an finanziellen Möglichkeiten und Unterstützung fehlt. Und das regt Bingöl mächtig auf.
So bleibt alles wie es ist bei Türkiyemspor, wo 90 Prozent der aktiven Fußballer unter 18 Jahre alt sind: Weil es im Winter nicht für alle der insgesamt 17 Jugendmannschaften Hallenzeiten gibt, haben die Eltern Stunden in einer weit entfernten Soccer-Halle gemietet. Ein eigenes Klubhaus, wie es vielen Vereine in der Kreisliga zur Verfügung steht, hat der Klub nicht. Die Schaltzentrale der Vereinsarbeit ist das Hinterzimmer einer Teestube am Kottbusser Tor. Wenn sich die Mädchenteams zum Spiel treffen, frieren sie vor dem Lokal, in das sie nicht rein dürfen. Der ambitionierte Oberligist, der momentan an der sportlichen und wirtschaftlichen Qualifikation für die zweigleisige Regionalliga arbeitet, hat schlechtere Bedingungen als die meisten Siebtligisten. Das Interesse am Fußball in Kreuzberg und Neukölln ist noch viel größer, aber wegen seiner arg begrenzten Möglichkeiten kann der Verein nicht für alle Spielmöglichkeiten bieten. „Wir könnten noch viel mehr Kinder aufnehmen“, sagt Bingöl.
Wäre es leichter für die Verantwortlichen, wenn der Klub FC Kreuzberg hieße? Der jetzige Vereinsname heißt übersetzt „meine Türkei“, mit der ethnischen Zusammensetzung der Teams hat er – wie in vielen multiethnischen Vereinen – inzwischen nichts mehr gemein. In Türkiyemspors Oberligateam spielen momentan Aktive aus sieben Nationen. Es soll nicht weinerlich klingen, wenn sich Bingol erinnert, dass die deutschen Fans, die der Klub während seines Höhenflugs Anfang der 90-iger Jahre anzog, als beinahe der Aufstieg in die Zweite Liga geklappt hätte, für den Namen Türkiyemspor plädierten.
Im Profifußball zahlen viele Unternehmen Summen, die den 150.000 Euro-Jahresetat von Türkiyemspor über Jahre sichern würden – aber beim Migrantenverein engagieren sie sich nicht mal symbolisch. „In 30 Jahren haben wir noch nie ein deutsches Unternehmen als Sponsor gehabt“, so Bingöl. Verbunden mit dem Gewinn des DFB-Integrationspreises war die Übergabe eines Transporters, ein sinnvoller Preis für einen Klub, dessen Mannschaften zwischen vielen verschiedenen Trainingsplätzen hin- und herpendeln. Die Schwierigkeiten der Kreuzberger kennen sie auch beim DFB. „Wie kann es sein, dass ein Klub, der so viel macht wie ihr, keinen eigenen Platz hat?“, fragte Oliver Bierhoff als er sich an den Tisch der Delegation von Türkieymspor setzte. Der Manager der Nationalelf und die Gäste aus Berlin verstanden sich bei der Preisübergabe und der anschließenden Gala in Sindelfingen prächtig. „Wir haben gute Gespräche gehabt“, sagt Bingöl, „aber jetzt müssen Taten folgen.“
„Wir könnten noch viel mehr tun“
Der erstmals vergebene Integrationspreis des DFB ging an Türkiyemspor Berlin. Doch der Verein, der in Kreuzberg zahlreiche wichtige soziale Projekte unterstützt, könnte noch mehr für Jugendliche tun – wenn man ihn denn ließe. Von Matthias Greulich

„Gute Gesptäche“: Cem Bingöl, Präsident von
Türkiyemspor, und Oliver Bierhoff verstanden sich prächtig
Türkiyemspor, und Oliver Bierhoff verstanden sich prächtig
Die vielen Zeitungsausschnitte und die Fotos mit Oliver Bierhoff hat Cem Bingöl sorgfältig in eine Mappe gelegt, die er nun mit einer heftigen Bewegung auf den Tisch knallt. „Was nützt das alles?“, fragt der Präsident von Türkiyemspor Berlin. Offenbar nichts, sagt seine Körpersprache, und das wäre eine negative Überraschung nach den vielen positiven Medienberichten. Bingöl und sein Klub standen für einige Tage im Fokus, nachdem Deutschlands bekanntester Migrantenverein Anfang Januar den erstmals verliehenen Integrationspreis des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) gewann. Die Anerkennung für 30 Jahre intensive Sozialarbeit in den Berliner Problembezirken Kreuzberg und Neukölln bezeichnen Bingöl und seine Vorstandskollegen als große Ehre, die sie motiviert. Sie planen weitere soziale Projekte – aber sie stoßen immer wieder an ihre Grenzen, weil es an finanziellen Möglichkeiten und Unterstützung fehlt. Und das regt Bingöl mächtig auf.
So bleibt alles wie es ist bei Türkiyemspor, wo 90 Prozent der aktiven Fußballer unter 18 Jahre alt sind: Weil es im Winter nicht für alle der insgesamt 17 Jugendmannschaften Hallenzeiten gibt, haben die Eltern Stunden in einer weit entfernten Soccer-Halle gemietet. Ein eigenes Klubhaus, wie es vielen Vereine in der Kreisliga zur Verfügung steht, hat der Klub nicht. Die Schaltzentrale der Vereinsarbeit ist das Hinterzimmer einer Teestube am Kottbusser Tor. Wenn sich die Mädchenteams zum Spiel treffen, frieren sie vor dem Lokal, in das sie nicht rein dürfen. Der ambitionierte Oberligist, der momentan an der sportlichen und wirtschaftlichen Qualifikation für die zweigleisige Regionalliga arbeitet, hat schlechtere Bedingungen als die meisten Siebtligisten. Das Interesse am Fußball in Kreuzberg und Neukölln ist noch viel größer, aber wegen seiner arg begrenzten Möglichkeiten kann der Verein nicht für alle Spielmöglichkeiten bieten. „Wir könnten noch viel mehr Kinder aufnehmen“, sagt Bingöl.
Wäre es leichter für die Verantwortlichen, wenn der Klub FC Kreuzberg hieße? Der jetzige Vereinsname heißt übersetzt „meine Türkei“, mit der ethnischen Zusammensetzung der Teams hat er – wie in vielen multiethnischen Vereinen – inzwischen nichts mehr gemein. In Türkiyemspors Oberligateam spielen momentan Aktive aus sieben Nationen. Es soll nicht weinerlich klingen, wenn sich Bingol erinnert, dass die deutschen Fans, die der Klub während seines Höhenflugs Anfang der 90-iger Jahre anzog, als beinahe der Aufstieg in die Zweite Liga geklappt hätte, für den Namen Türkiyemspor plädierten.
Im Profifußball zahlen viele Unternehmen Summen, die den 150.000 Euro-Jahresetat von Türkiyemspor über Jahre sichern würden – aber beim Migrantenverein engagieren sie sich nicht mal symbolisch. „In 30 Jahren haben wir noch nie ein deutsches Unternehmen als Sponsor gehabt“, so Bingöl. Verbunden mit dem Gewinn des DFB-Integrationspreises war die Übergabe eines Transporters, ein sinnvoller Preis für einen Klub, dessen Mannschaften zwischen vielen verschiedenen Trainingsplätzen hin- und herpendeln. Die Schwierigkeiten der Kreuzberger kennen sie auch beim DFB. „Wie kann es sein, dass ein Klub, der so viel macht wie ihr, keinen eigenen Platz hat?“, fragte Oliver Bierhoff als er sich an den Tisch der Delegation von Türkieymspor setzte. Der Manager der Nationalelf und die Gäste aus Berlin verstanden sich bei der Preisübergabe und der anschließenden Gala in Sindelfingen prächtig. „Wir haben gute Gespräche gehabt“, sagt Bingöl, „aber jetzt müssen Taten folgen.“
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