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INTERVIEW
„Mit 50 Euro 40.000 Euro gewonnen“
Wer legt die Gewinnchancen für die Bundesligatipps eigentlich fest? Ein Interview mit einem Quotenmacher.

Detlev Zenglein

Quotenmacher: Detlev Zenglein von Oddset Foto Edward Beierle


RUND: Herr Zenglein, wer macht bei Ihnen die Wettquoten – Mensch oder Maschine?

Detlev Zenglein: Eine Handvoll Mitarbeiter beschäftigen sich jeden Tag mit dem aktuellen Sportgeschehen. Die Computer und die Programme, die wir benutzen, sind nur Hilfsmittel. Es sind Menschen und Fakten, die über die Quote entscheiden. Das sind alles Fußballfreaks.

RUND: Wie wird die Quote entschieden?
Detlev Zenglein: Wir arbeiten in Schichten: Um sich über dass ganze Wochenende ein möglichst gutes Bild über die kommenden Spiele zu machen, verfolgen ein paar Kollegen die aktuellen Geschehnisse im TV, Internet und anderen Medien und legen schon mal vorläufige Quoten fest. Am Montagmorgen treffen sie sich mit anderen Kollegen. Die Tür wird geschlossen und der Wochenenddienst versucht die anderen zu überzeugen, dass ihre Vorschläge gut sind. In dieser Quotenkonferenz werden die 90 Spiele des Programms durchdiskutiert. Deadline ist mittags um halb eins. Dann müssen alle Zahlen stehen.

RUND: Wie laufen diese Diskussionen ab?
Detlev Zenglein: Bis man sich einigt. Bisher ist noch keiner beleidigt aus der Konferenz gelaufen. Doch natürlich wird da oft um die richtige Quote gerungen, besonders wenn man persönlich betroffen ist. Wir haben zum Beispiel einen überzeugten HSV-Fan, der hier in München schon mal in eine schlechte Position kommt. Aber zuletzt sind die Quoten immer objektiv.

RUND: Als Quotenmacher darf man bekennender Fußballfan sein?
Detlev Zenglein: Natürlich, sonst hält man es hier gar nicht aus. Solange sichergestellt ist, dass die Arbeit nicht darunter leidet, muss bei uns keiner mit seiner Leidenschaft hinterm Berg halten. Um gute Prognosen geben zu können, muss man sich ja täglich mit der deutschen, französischen und spanischen Liga befassen.

RUND: Nach welchen Kriterien bestimmen Sie eine Quote?
Detlev Zenglein: Eine Quote setzt sich aus den sportlichen Vorraussetzungen und der öffentlichen Meinung zusammen. Beim Sportlichen werden Dinge wie die Form der Teams, Anzahl der Verletzten oder die Heimstärke berücksichtigt. Dazu müssen wir abschätzen, wie unsere Kunden auf verschiedene Quoten reagieren.

RUND: Ein Beispiel?
Detlev Zenglein: Beim FC Bayern gehen die Leute davon aus, dass er gewinnt. Was ja auch häufig geschieht. Wenn die Münchner aber eine schlechte Phase durchmachen und am Wochenende gegen formstarke Bremer spielen, gelten die Grün-Weißen eher als Favorit. Bei unseren Kunden geht es aber auch um Klischees oder Wunschdenken: „Die Bayern werden gewinnen, weil sie immer gewinnen, wenn es drauf ankommt.“ Im Feintuning müssen wir das berücksichtigen.

RUND: Was war der bisher höchste Gewinn bei Oddset?
Detlev Zenglein: Man kann bei uns systembedingt maximal 50.000 Euro gewinnen. Wir hatten schon Leute, die mit einem Einsatz von 50 Euro 40.000 Euro gewonnen haben. Es gibt bei jedem Spieltag ein paar verrückte Hunde, die auf fünf Unentschieden in der Basketballbundesliga wetten. Aber das ist natürlich die absolute Ausnahme.

RUND: Die Hoyzer-Affäre sorgte sicher für Diskussionen in ihrem Team.

Detlev Zenglein: Na klar. Von uns ging damals auch das Warnsignal aus. Sobald zum Beispiel sehr viel Geld auf einen ungewöhnlichen Spielausgang gesetzt wird, informieren wir mit Hilfe von verschiedenen Frühwarnsystemen sofort die Verbände. Seit der Affäre hat sich einiges geändert. Wir haben in die Statuten aufgenommen, dass jeder, der Einfluss auf ein Spiel nehmen kann, nicht wetten darf. Er hat keinen rechtlichen Anspruch, somit können wir das Geld zurückfordern.

RUND: Wie oft wetten Sie selbst?

Detlev Zenglein: Eigentlich nur in privaten Tipprunden. Die Leute, die die Quoten festsetzen sollten nicht bei uns wetten. Wenn jemand, der die Quote festsetzt, selbst darauf wettet, kann das einen komischen Beigeschmack geben.

RUND: Ihr höchster Gewinn?
Detlev Zenglein: 17,50 Euro.

Interview Steffen Dobbert

Das Interview ist in RUND #16_11_2006 erschienen.


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