BUNDESLIGA
Gute Luft, viel Wald und wenig Boulevard
Der SC Freiburg sichert sich mit einem 2:2 in Köln den Klassenerhalt und sieht sich für seine Gelassenheit belohnt. Die ist offenbar so groß, dass nun selbst der nicht ganz unkomplizierte Mo Idrissou gehalten werden soll. Von Christoph Ruf.

Robin Dutt

Wir bleiben dann mal oben: Freiburgs Trainer Robin Dutt Foto Pixathlon


Manager Dirk Dufner war der erste SC-Funktionär, der nach einem ziemlich ausgelassenen Freudentanz mit Pressesprecher, Fitnesstrainer und Chefcoach vor die Mikrofone trat. Angetan mit dem eigens mitgebrachten Klassenerhalts-Shirt („Wir bleiben dann mal oben“) versicherte er treuherzig, man habe für den weiteren Fortgang der Festivitäten keine Vorsorge getroffen. „Wir haben nichts Alkoholisches mit, aber irgendwo werden wir schon etwas zu trinken finden.“ Einen Vorsatz, der etwas weiter in die Zukunft gerichtet war, wollte er dann aber doch noch loswerden. Am kommenden Samstag wolle man sich nicht dem Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung aussetzen, sagte er mit ziemlich ernstem Blick: „Wir werden uns gegen Dortmund nicht so verkaufen wie Gladbach in Hannover.“

Bereits nach gut einer Stunde – Hannover führte zu diesem Zeitpunkt bereits 5:0 gegen Gladbach –hatten sich die 3500 SC-Fans unter den 49.200 Zuschauern erstmals bemerkbar gemacht: „Nie mehr Zweite Liga“ schallte es durch ein Stadion, in dem das Gros der Einheimischen ziemlich gleichmütig mitansah, wie Lukas Podolski, Milivoje Novakovic und andere mutmaßliche Leistungsträger ihren Lorbeer spazieren trugen. Wenige Sekunden zuvor hatte Mohamadou Idrissou, der zuvor schon die FC-Führung durch Zoltan Tosic (9.) ausgeglichen hatte (31.) das 2:1 erzielt. Und angesichts der schläfrigen Kölner Darbietung sprach nichts, aber auch gar nichts dafür, dass die Gastgeber noch zwei Tore schießen würde. Dass es dann doch noch eines wurde (Sebastian Freis/84.) war letztlich egal. Der SC Freiburg hat vor dem letzten Spieltag vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz.

Während im Hintergrund die ersten SC-Spieler mit einer frisch geköpften Flasche Kölsch zum Auslaufen schritten und sehr schnell wieder vor der enthusiastischen Fankurve landeten, setzte Trainer Robin Dutt noch einmal zu einer großen Hymne auf den Standort Freiburg an. „Wir sind einen anderen Weg gegangen als viele andere Vereine“, sagte der in Köln geborene Schwabe mit indischen Wurzeln. Und meinte damit vor allem den Umstand, dass sein Job auch dann nicht in Frage gestellt worden war, als der Club scheinbar hilflos in Richtung Zweitklassigkeit taumelte. „Vom Vorstand bis zu den Fans haben alle die Ruhe bewahrt, deswegen stehen wir jetzt auch vor Vereinen mit einem deutlich höheren Etat.“

Auch Manager Dufner betonte, wie wohltuend die Freiburger Ruhe – gute Luft, viel Wald, wenig Boulevard –doch sei. In dem Falle für das eher heißblütige Temperament des Angestellten Idrissou. Man könne sich gut vorstellen, dass der Quartals-Choleriker auch in der kommenden Saison für den SC auflaufe: „Ich sehe da Chancen, und auch der Spieler hat betont, wie wohl er sich bei uns fühlt.“ In der Tat war Idrissou mit zwei Toren mal wieder der Mann des Spiels, hatte aber auch mal wieder dafür gesorgt, dass sich kurz vor der Halbzeit selbst auf der Freiburger Bank Kopfschütteln und Scheibenwischer-Bewegungen ausbreiteten. Völlig unmotiviert hatte er Tosic gefoult, dafür gnädigerweise Gelb gesehen, und sich daraufhin zunächst mit dem Schiedsrichter und dann mit Mitspieler Cédric Makiadi angelegt („Es war nicht ganz leicht, Mo wieder runterzuholen“). Zu guter Letzt leistete er sich dann kurz darauf ein gestisches Fernduell mit dem eigenen Trainer, der ihm energisch bedeutet hatte, sich endlich zu mäßigen.

Mäßigung war nach dem Spiel nicht mehr gefragt. Noch eine Stunde nach Abpfiff harrten 500 Freiburger Fans im ansonsten menschenleeren Stadion aus und warteten auf ihre Helden, die sich nicht lange bitten ließen. Die richtigen Abschiedsworte fand dann Kapitän Heiko Butscher: „Wir sehen uns am nächsten Samstag – oder gleich auf der nächsten Raststätte.“

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