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BUNDESLIGA
Von Schiebern und „Debbn“
Niederlage gegen den Angstgegner: In einem schwachen Spiel unterliegt der 1. FC Nürnberg dem SC Freiburg mit 1:2. Von Christoph Ruf.

Dieter Hecking

Heimniederlage gegen Freiburg: Club-Coach Dieter Hecking Foto Pixathlon


Man kann nicht sagen, dass die Verbindung zwischen Julian Schieber und dem 1. FC Nürnberg bislang reibungslos verlaufen wäre. Keinen einzigen Treffer hatte der Stürmer seit dem 1. Juli erzielt – nicht im Pokal, nicht in der Liga und auch in keinem der unzähligen Vorbereitungsspiele. In der 27. Minute des zweiten Spieltages kam sie dann endlich, die Vorlage, die der Neuerworbene aus Stuttgart bislang so vermisst hatte – ironischerweise kam sie vom Gegner. Der Torhüter des SC Freiburg, Simon Pouplin, war so frei, an einem Freistoß von Mehmet Ekici vorbeizusegeln, Schieber traf per Kopf. Und nichts, aber auch gar nichts deutete darauf hin, dass das nur der Ehrentreffer in einem Spiel werden sollte, das der Gegner am Schluss für sich entschied. Völlig hilflos ließ der SC Freiburg eine halbe Stunde lang die Nürnberger Angriffe über sich ergehen. Auf den Außenbahnen reihten die SC-Verteidiger Foul an Foul, nach einfachen Ecken herrschte hochgradige Verwirrung im Strafraum, an so etwas Verwegenes wie einen eigenen Spielaufbau war unter diesen Umständen sowieso nicht zu denken.

Und dennoch: Als die 22 Akteure mit lauten „Schieber“-Rufen in die Kabine verabschiedet wurden, war das keine Hommage an den gleichnamigen Nürnberger Torschützen. Vielmehr bekam der bemitleidenswerte Referee Tobias Welz bei seinem Liga-Einstand die Wut ab, die eigentlich einer Mannschaft galt, die soeben das Spiel aus der Hand gegeben hatte. Von dem verwandelten Elfmeter (Papiss Cissé /40.) sollte sich der FCN nicht mehr erholen. Seine Berechtigung – Andreas Wolf hatte Stefan Reisinger gefoult – mochte allerdings auch der FCN-Coach Dieter Hecking nicht anzweifeln. Als Cissé in der 52. Minute auch noch auf 2:1 für die Gäste erhöhte, erinnerte sich mancher Zuschauer an traumatische Erlebnisse bei vergangenen Begegnungen gegen Freiburg. 1999 stieg man nach einer 1:2 Niederlage gegen Freiburg am letzten Spieltag ab. Und auch in der Vorsaison hätten die beiden Niederlagen gegen den SC den Club fast den Klassenerhalt gekostet. Während auf dem angrenzenden Volksfest ein Pulk Fans deshalb darüber lamentierte, „des mir jedes Johr gegn die Debbn verlier`n“, drückte sich Torschütze Schieber im Kabinengang respektvoller aus: „Der Elfer hat uns eiskalt erwischt, das war der Wendepunkt des Spiels.“ In der Tat hatte Nürnberg spektakuläre 62 Prozent Ballbesitz, in der zweiten Halbzeit kam man aber kaum noch gefährlich vors Freiburger Tor, von einem „glücklichen Sieg“ (SC-Coach Robin Dutt) sprachen nach dem Schlusspfiff dennoch alle Akteure. „Besser als in den ersten 40 Minuten können wir nicht spielen“, ärgerte sich FCN-Coach Dieter Hecking nach dem Spiel, „wir haben ja den Gegner ja nicht nur dominiert, wir hatten ihn am Boden. Dann haben wir zu viele lange Bälle gespielt – die sind leicht zu verteidigen.“

Doch auch die spielerischen Defizite im SC-Spiel sind trotz des glücklichen Endes unübersehbar, weshalb Dutt in den kommenden zwei Wochen „den eigenen Ballbesitz trainieren“ will. Zu allem Unglück fehlen dem SC offensiv schlichtweg die Alternativen. Weil Manager Dirk Dufner das nicht erst seit gestern weiß, hat der Sportclub in der vergangenen Woche gleich drei Mal personell nachgelegt. Am Donnerstag wurde Mittelfeldmann Yacine Abdessadki reaktiviert, den man im Sommer bereits verabschiedet hatte. Am Freitag vermeldete man den Transfer von Stürmer Kisho Yano, der im japanischen WM-Aufgebot war. Und am Samstag gab man die Verpflichtung von Anton Putsilo bekannt. Der Weißrusse wird noch zwei EM-Qualifikationsspiele bestreiten, ehe er Anfang September zum Kader stößt. Er wird dort sehnlichst erwartet.

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