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STADIONMUSIK
In Hamburg ist Lotto King, sonst Karl
Manche verwechseln Fußball mit dem Zweiten Weltkrieg: In Hamburg tobt eine seltsame Debatte über den HSV-Stadionsong von Lotto King Karl. Von Roger Repplinger.


Lotto King Karl„Hamburg, meine Perle": Gerrit Heesemann a.k.a. Lotto King Karl singt den Stadionsong des Hamburger SV vor jedem Heimspiel auf einem Schwenkkran Foto Pixathlon

 

Der Kran fährt hoch, auf seiner Plattform stehen Lotto King Karl und Carsten Pape, sie spielen „Hamburg, meine Perle“. Pape spielt Gitarre, Lotto nöhlt den Text – so ist das vor jedem Heimspiel des Hamburger SV. Das Lied wird von vielen im Stadion, auch auf der Pressetribüne, mitgesungen. Augen zu, damit keiner die Tränen sieht.

Im Moment ist der Song in aller Munde: Horst, Fan des FC St. Pauli und Moderator der „Radio Hamburg Morning Show“, ein Mensch, der schneller quatscht als andere denken, hat den Text auf Zweite Liga umgefriemelt. Er bekam böse Mails, Morddrohungen, Personenschutz. Lotto King Karl, alias Gerrit Heesemann, verklagt ihn. Von Jan Delay, alias Jan Phillip Eißfeldt, gibt es eine Werder-Version des Songs. Horsts Text ist scheiße, das Werder-Video mit Delays Song ist nett. So erfolgreich, so gut wie Delay, wird Lotto in diesem Leben nicht mehr. Jan Delay wird nicht verklagt. Im „Abendblatt“ war ein Leserbrief, der die These vertrat, Lotto und sein Song seien schuld am Niedergang des HSV. Zu lasch. Manche verwechseln Fußball mit dem Zweiten Weltkrieg.

Heesemann, 45 Jahre alt, ist der Sohn eines Bankangestellten und einer Hausfrau. Abitur machte er an der Gelehrtenschule des Johanneums, normalerweise wird man dann in Hamburg was. Heesemann wurde Packer, Kurierfahrer und leistete Wehrdienst bei der Marine. Im Jahr 1996 kam sein Debütalbum „Weiß’ bescheid?!” heraus, 13 Alben insgesamt. Im Jahr 2011 erschien „Was ist eigentlich mit Frank?“ In Hamburg ist Lotto King, sonst Karl.

Beim HSV macht er auch den Stadionsprecher, bis Dezember 2011 war er Moderator bei „Radio Hamburg“, manche vermuten, dass der Song von Horst und die Reaktion von Lotto etwas mit dem Weggang vom Sender zu tun haben. Wie dem auch sei, dieser Tage zeigt sich, wie viele, oder wie wenige, Freunde der HSV hat. Wie groß, auch in der Stadt, die Zahl seiner Gegner ist, und wie groß deren Abneigung. Und jeder Fan merkt, wie stark seine Zuneigung ist. Insoweit hat der Abstiegskampf sein Gutes: Er klärt die Verhältnisse.

Nach der Saison schreibt Lotto einen neuen HSV-Song. Geht alles gut, in Dur.


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