BUNDESLIGA
Es rappelt in der Kiste
Der FC Augsburg muss in der kommenden Saison auf Jos Luhukay verzichten. Kein Wunder, schließlich ist das Verhältnis zwischen dem Trainer und dem Vorstandsvorsitzenden Seinsch schon lange vergiftet. Der erklärt sich nun in einem Offenen Brief. Doch der dürfte die Wogen nicht glätten. Von Christoph Ruf.

 

FC AugsburgGegen Raúl behaupte: Jan Ingwer Callsen-Bracker Foto Pixathlon

 

 

Der FC Augsburg wird auch in der kommenden Saison erstklassig spielen. 38 Punkte haben die Schwaben am Ende gesammelt, sieben mehr als Hertha BSC auf dem Relegationsrang. Dass es so kommen würde, hat dem individuell dürftig besetzten Kader kaum einer zugetraut. Offenbar auch nicht der Vorstandsvorsitzende Walther Seinsch, der den Trainer des Drittligisten Jahn Regensburg, Markus Weinzierl, schon vor Monaten angesprochen hat, um ihm einen Vertrag anzubieten. Weinzierl hat das Interesse des FCA bestätigt, will sich derzeit aber auf die beiden Relegationsspiele gegen den KSC konzentrieren.
Seinsch war davon ausgegangen, dass der FCA absteigen würde und dass Jos Luhukay Augsburg verlassen würde. Nach Informationen der „Augsburger Allgemeinen“ hat Luhukay den Verein tatsächlich auch Ende März darüber informiert, dass er zum Saisonende gehen könnte. Ob das geschah, weil sich der Trainer zu Höherem berufen sah oder weil das Klima vergiftet war, sei dahingestellt.
 
Schon seit Beginn des Jahres war das Verhältnis zwischen Luhukay und dem Vorstandsvorsitzenden stark abgekühlt. Seinsch war vorher lange Zeit im operativen Geschäft kaum präsent gewesen, er ließ sich wegen Depressionen behandeln. Seit Ende des vergangenen Jahres sprüht der 70-jährige Mitbegründer Textilkette „Takko“ wieder vor Tatendrang. Kurz nach Weihnachten gab dann Manager Andreas Rettig bekannt, dass er dem Verein nach sechs Jahren den Rücken kehren wird – er wechselt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als Geschäftsführer zur DFL. Dass der Schritt privat motiviert gewesen sein soll – angeblich hatte Rettigs Frau Sehnsucht nach der Heimatstadt Köln – glaubte damals schon kaum ein Beobachter. Als Nachfolger wurden Peter Bircks (kaufmännischer Bereich) und Manfred Paula (sportlicher Bereich) installiert – ohne Rücksprache mit Rettig oder Luhukay. Den Trainer soll das schwer vergrätzt haben. Umgekehrt nahm Seinsch dem Niederländer übel, dass er einschritt, als Seinsch den ehemaligen Spieler Michael Thurk als „Straßenköter“ bezeichnete. Luhukay war zwar Motor der Trennung vom jetzigen Heidenheimer Stürmer. Auch dessen Umgangsformen hatten dem höflichen Niederländer missfallen. Doch genau aus diesem Grund fand er es auch stillos, Thurk nach der Trennung Schmutz hinterherzuwerfen.

Am vergangenen Samstag folgte dann der Big Bang. Nach dem 1:0-Sieg über den HSV würdigten sich Seinsch und Luhukay bei einer possenartigen Pressekonferenz keines Blickes. Ein Bild des Grauens dann das gemeinsame Foto mit dem noch amtierenden Manager Andreas Rettig. Drei Männer, die gequält in die Kamera schauen und denen es nicht gelingt, die wechselseitige Antipathie zu überspielen. Luhukay, der am Samstag sagte, er habe „gezögert, ob er den Weg und die Entwicklung des Vereins weiter fortsetzen möchte", hält sich seither bedeckt. Auch im Mannschaftskreis wird gerätselt, was den erfolgreichen Trainer zur Aufgabe bewogen habe. „Im Verein läuft jedenfalls einiges nicht so, wie es in der ersten Liga laufen sollte“, sagt ein Spieler hinter vorgehaltener Hand.

Seinsch hingegen findet, dass er und sein Vertrauter Manfred Paula zu Unrecht für die Querelen verantwortlich gemacht werden. In einem Offenen Brief setzte sich Seinsch am Dienstag zur Wehr. „Für den Weggang von Jos Luhukay ist einzig und allein eine Person verantwortlich: das ist Jos Luhukay selbst. Er wollte aus persönlichen Gründen seinen Vertrag auflösen.“ Genau deshalb habe er auch die Arbeitspapiere mit Luhukays Assistenten nicht verlängert. „Die Vertragsverlängerung habe ich verhindert, weil sich der Weggang von Jos Luhukay andeutete.“ Das wiederum dürfte den erfolgreichen Coach endgültig darin bestärkt haben, dem Club den Rücken zuzuwenden – genau wie die Tatsache, dass Paula ohne sein Wissen den Regensburger Spieler Ronny Philp verpflichtete. „Paula“, schreibt dazu Seinsch, „hat ausschließlich von mir angewiesene Verhandlungen mit Spielern und Beratern geführt, die Rettig/Luhukay/Seinsch schon länger auf ihrer Liste hatten. Paula konnte und wollte Luhukay nicht ins Handwerk fuschen (sic)!“ Dass diese Erklärung, die Paula zum Befehlsempfänger degradiert, die Wogen in Augsburg glättet, darf bezweifelt werden.

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