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TRAUMSPIEL
„Ich war sofort voll da!“
Der Kameruner Roger Milla hat in seinem langen Fußballerleben ziemlich viele Tore erzielt. Doch eines davon, erzielt bei der Weltmeisterschaft 1990, war stilbildend: Es ist Fußballgeschichte geworden.

Roger Milla 1990
Sein Tor gegen Kolumbien ist legendär: Roger Milla, damals bereits 38 Jahre alt, nach seinem Treffer gegen im Achtelfinale der WM 1990 in Italien. Kamerun siegte 2:1 nach Verlängerung und verlor im Viertelfinale gegen England. Foto Pixathlon


Das bedeutendste Spiel meines Lebens? Da muss ich wirklich nicht lange überlegen, es ist auch mein bekanntestes gewesen. An das Match mit meiner Nationalelf bei der Weltmeisterschaft 1990 im Achtelfinale gegen Kolumbien wird man sich immer erinnern, wenn mein Name fällt.
 
Ich weiß noch, dass wir schon ein, zwei Tage vorher ungewöhnlich konzentriert waren. Wir haben über nichts anderes nachgedacht als die Frage: Wie können wir diesen Kolumbianern beikommen? Das Spiel begann mit mir auf der Auswechselbank. Das war in Ordnung, schließlich war ich ja nicht mehr der Jüngste. Aber als ich ins Spiel kam, war ich sofort voll da! Und als der kolumbianische Torwart René Higuita in der Verlängerung wieder mal einen seiner Ausflüge auf dem Spielfeld machte, habe ich gar nicht nachgedacht. Ich habe ihm den Ball abgenommen, und danach war es natürlich einfach, ihn ins Tor zu schießen. Ich meine, ohne Torwart, das hätten andere auch geschafft. Der Jubel an der Eckfahne danach? Dass der einmal so berühmt werden würde, hätte ich nie gedacht. Wir sind Afrikaner, da jubelt man vielleicht ein bisschen anders als die Europäer.
 
Dieser Erfolg war für uns, aber auch für ganz Afrika extrem wichtig. Dadurch kam erstmals ein afrikanisches Team ins Viertelfinale einer WM. Darüber bin ich mir sofort bewusst gewesen. Danach kamen ja auch all die Glückwünsche, nicht nur aus Kamerun. Am meisten gefreut habe ich mich aber, dass der kolumbianische Kapitän, Carlos Valderrama, zu den ersten Gratulanten gezählt hat. Wir haben uns vorher schon gut verstanden, aber seitdem ist er ein echter Freund von mir.20 Jahre ist das nun her, aber wenn ich irgendwo hinkomme und mich vorstelle, sehe ich gleich, was die Leute denken: Sie denken an mein Tor gegen Kolumbien. Ich glaube, ich habe ein Tor gemacht, das Fußballgeschichte geworden ist.
Aufgezeichnet von Peter Ahrens


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