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BUNDESLIGA
Hässliche Schale, guter Kern
Der SC Freiburg wird auch in dieser Saison gegen den Abstieg kämpfen. Seit ein paar Tagen rebellieren die Fans – allerdings nicht wegen des bescheidenen Saisonziels. Von Christoph Ruf

Robin Dutt

Rettung am 32. Spieltag: Das Saisonziel von Freiburgs Coach Robin Dutt zeugt zumindest nicht vom Größenwahn Foto Pixathlon



Hunderte Autogrammjäger umlagerten die Spieler, wünschten alles Gute fürs anstehende Trainingslager und mühten sich mit dem nötigen Ernst zu entziffern, wer da nun auf ihren Bällen, Blöcken und T-Shirts unterschrieben hatte. Wie es nun mal so ist, wenn ein Bundesligist dort zum Testspiel erscheint, wo seine Fanbasis lebt. Im Falle des SC Freiburg lebt die in der grünen Studentenstadt Freiburg, aber eben auch im tiefen Schwarzwald. Beispielsweise in Villingen, dessen sportliches Aushängeschild der FC 08 ist –ein Verein, bei dem der örtliche Bundestagsabgeordnete und Vereinspräsident auch eine Werbebande mit Bundesadler („Siegfried Kauder, MdB“) bezahlt. Dort, im Stadion „Friedengrund“ unterlag man Werder Bremen 1:2 nach Treffern von Daniel Caligiuri (65.) und Markus Rosenberg (67./86.), spielte dabei ganz ordentlich und hatte sogar bessere Chancen als der ausgebufftere Gegner. Das reichte, um ein paar tausend Anhänger zufrieden nach hause gehen zu lassen. An sich sind die SC-Fans ja sowieso so aufgeregt wie die Oberfläche des Schluchsees bei Windstille. Es muss schon viel passieren, bis der Sturm losbricht.

Vergangene Woche ist viel passiert: Der SC stellte sein neues Trikot vor – und stieß dabei vor allem auf kollektives Entsetzen, das sich in Foren, Mails und Briefen Luft verschaffte. „Hässlich“, „geschmacklos“, „ein „ästhetisches Verbrechen“ lauteten die Kommentare, mit denen sich wütende Fans Luft machten. Schon zwei Tage danach hatte sich der Aufruhr wieder gelegt. Der 3:0-Sieg gegen den französischen Erstligisten FC Sochaux geriet so überzeugend, dass man wieder bereit war, den guten Kern in der Mannschaft mit der dubiosen Schale zu erkennen. Zumal Neuling Jan Rosenthal sogar so gut war, dass sich die Vereinsführung in ihrer geheimsten Gewissheit bestätigt fühlte: Der, dass sie den Hannoveranern da einen echten Topmann abgeluchst haben. "Wenn er 34 Bundesliga-Spieltag so auftritt, dann ist es gut," sagte Dutt, der in etwa so formuliert, wenn er einen Spieler nicht allzu sehr loben will.

Auch Maximilian Nicu, der von Hertha kam, dürfte sich im Mittelfeld schnell einen Stammplatz erorbern, Zvonko Pamic, den man aus Leverkusen auslieh, reüssiert derzeit bei der U-19-EM. Standard-Spezialist Julian Schuster hat die besten Karten für die 6-er-Position. Torwart (Simon Pouplin) und Abwehrverbund (Mujdza, Toprak, Butscher, Bastian) stehen sowieso fest. Bliebe der Sturm, ein Tätigkeitsfeld, in dem man in Freiburg seit Menschengedenken mit vier, fünf Treffern pro Spielzeit zum Topscorer wird. Papiss Cissé hat in der Rückrunde sechs Mal getroffen. Er ist auch deshalb als einzige Spitze gesetzt, weil er bemerkenswert gut die Bälle behauptet. Stefan Reisinger und Tommy Bechmann dürften es schwer haben, ihm Konkurrenz zu machen. Offiziell sieht man das beim SC anders, bestreitet aber nicht, dass man wohl zuschlagen würde, wenn plötzlich ein tauglicher und bezahlbarer Angreifer an die Tür klopfen würde. Zumal mit Mohamadou Idrissou einer der torgefährlicheren Akteure den Club verlassen hat. Der nicht eben grüblerisch veranlagte Kameruner hatte mitten im Abstiegskampf seine Kollegen der Liga-Untauglichkeit geziehen. Und nachgeschoben, er selbst werde in der kommenden Saison Champions League spielen. Gewechselt ist er nun allerdings nicht zu Barca, sondern zu Borussia. Seit er von Gladbach aus kundtut, nun in einer viel besseren Elf zu spielen, hat wohl auch der letzte SC-Fan sein Idrissou-Trikot eingemottet.

Für die kommende Saison hat Robin Dutt ein geradezu kühnes Ziel ausgegeben. Er will „einen Spieltag vorher gesichert sein als in der vergangenen Saison.“ Damals, im Mai, rettete sich der SC am 33. Spieltag vor dem sofortigen Wiederabstieg. Den hatten die meisten Fußball-Wahrsager dem Club aus der südbadischen Provinz im vergangenen Sommer prophezeit. Wenn in dieser Woche die Sonderhefte erscheinen, werden die Prognosen kaum anders ausfallen. Gut möglich allerdings, dass mancher Redakteur irgendwann im Frühling 2011 wieder ein wenig respektvoller über ein Team schreibt, das in in den allermeisten seiner bislang elf Bundesligajahre schlicht besseren Fußball spielte als die Hälfte der Ligakonkurrenz: „Sollen uns doch wieder alle als Absteiger Nummer eins tippen“, meint Manager Dirk Dufner, „das hat uns letztes Jahr ganz gut motiviert.“

Zugänge: Maximilian Nicu (Hertha BSC Berlin), Jan Rosenthal (Hannover 96), Zvonko Pamic (Bayer Leverkusen), Andreas Glockner (war an Koblenz ausgeliehen), Alain Ollé Ollé (war an Ahlen ausgeliehen), Nicolas Höfler (SCF II), Anton Putsilo (Dinamo Minsk, kommt spätestens im Januar 2011)

Abgänge: Yacine Abdessadki, David Targamadze, Hamed Namouchi (alle Ziel unbekannt) Michael Langer (FSV Frankfurt), Eke Uzoma (1860 München), Mohamadou Idrissou (Mönchengladbach), Du Ri Cha (Celtic Glasgow)


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