INTERVIEW
"Wir dürfen nicht wegschauen!"
Schiedsrichter werden bedroht und sogar tätlich angegriffen: Andreas Knodel berichtet vom knallharten Alltag auf deutschen Amateurplätzen, der gerne verdrängt wird. Nun will der 21-jährige Karlsruher ein Buch über seine Erlebnisse schreiben. Interview Matthias Greulich
RUND: Herr Knodel, was sind die schlimmsten Beleidigungen, die Sie als Schiedsrichter erleben?
Andreas Knodel: Es geht über die verbale Gewalt, also Beleidigungen und Drohungen, bis hin zu körperlicher Gewalt. Ein Beispiel: Vor zwei Wochen war ich als Assistent in einem Gespann dabei. Es gab zwei rote Karten für die Heimmannschaft, nach dem Spiel sind wir in die Kabine gelaufen und wurden in einer Art und Weise beleidigt, die ich nicht wiedergeben will. Mein Kollege wurde körperlich angegriffen. Das war schon extrem.
RUND: Haben Sie den Eindruck, dass es schlimmer geworden ist?
Andreas Knodel: Die Gewalt nimmt von Jahr zu Jahr zu. Das hat sich gesteigert.
RUND: Was unternimmt der Verband dagegen?
Andreas Knodel: In diesem Jahr wurde ein Anti-Gewalt-Seminar für alle Vereine im Verband eingeführt. Und seit dieser Saison gibt es Platz-Obmänner, die für die Sicherheit der Schiedsrichter sorgen sollen. Die stellen sich eine Viertelstunde vor dem Spiel bei uns als Obleute vor, falls etwas passiert, würden sie eingreifen.
RUND: Fühlen Sie sich dadurch sicherer?
Andreas Knodel: Ein Stück weit ja.
RUND: Sie haben begonnen, Ihre Erlebnisse aufzuschreiben.
Andreas Knodel: Die Vorfälle vor zwei Wochen waren bedrückend, das hat mich zum Nachdenken gebracht. Ich frage mich, ist die Schiedsrichterei wirklich noch ein Hobby oder gehört die Gewalt schon zum Alltag? Ich möchte das Gewaltproblem in die Öffentlichkeit tragen, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen. Wir diskutieren das ja häufig mit den Schiedsrichter-Kollegen – auch in Internet-Foren. Die Beleidigungen gehen vielen Schiedsrichtern viel näher als sie es wollen. Auch wenn sie es nicht zugeben, weil sie dadurch Schwäche zeigen würden. Wir dürfen nicht wegschauen.
RUND: Merken Sie es sonntags auf den Amateurplätzen, wenn es am Vortag in der Bundesliga besonders unfair zur Sache ging?
Andreas Knodel: Auf jeden Fall. Die Bundesliga ist das Schaubild des Fußballs. Die Spiele schaut jeder, der Fußball mag. Spieler, Zuschauer und auch Trainer schauen sich davon etwas ab.
RUND: Welche Möglichkeiten hat man als Schiedsrichter auf Beleidigungen zu reagieren?
Andreas Knodel: Viele Möglichkeiten hat man nicht. Manchmal hilft nur weghören. Im Spiel bekommt man das mit, darf es aber nicht auf sich wirken lassen. Das kommt nach dem Spiel.
RUND: Gibt es Kollegen, die wegen der Gewalt schon aufgehört haben zu pfeifen?
Andreas Knodel: Die gibt es. Ich habe persönlich auch schon daran gedacht, aufzuhören. Ab 14 Jahren kann man Schiedsrichter werden. Wenn man sich überlegt, dass ein Jugendlicher massiv verbal beleidigt wird, setzt denen das sehr zu. Mehr als 50 Prozent hören deshalb auf.
RUND: Fühlen Sie sich als Schiedsrichter in solchen Situationen alleingelassen?
Andreas Knodel: Bis auf das Gespann ist man auf dem Platz alleine, das ist leider so. Neben dem Platz ist der Verband immer für einen da.
RUND: Was raten Sie Schiedsrichtern, wenn sie bedroht werden?
Andreas Knodel: Nicht zu schweigen. Den Mund aufzumachen, auch beim Verband, wenn etwas vorgefallen ist. Man darf sich auch nicht vor dem Papierkram scheuen und sollte alles im Bericht aufschreiben, was passiert ist. Sich aber trotzdem nicht unterkriegen lassen. Und auf jeden Fall weitermachen, denn es gibt auch viele schöne Momente in unserem Hobby. Ohne Schiedsrichter gibt es keinen Fußball.
"Wir dürfen nicht wegschauen!"
Schiedsrichter werden bedroht und sogar tätlich angegriffen: Andreas Knodel berichtet vom knallharten Alltag auf deutschen Amateurplätzen, der gerne verdrängt wird. Nun will der 21-jährige Karlsruher ein Buch über seine Erlebnisse schreiben. Interview Matthias Greulich

Mittendrin: Schiedsrichter Howard Webb in einem Pulk von Premier-League-Spielern
Foto Pixathlon
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RUND: Herr Knodel, was sind die schlimmsten Beleidigungen, die Sie als Schiedsrichter erleben?
Andreas Knodel: Es geht über die verbale Gewalt, also Beleidigungen und Drohungen, bis hin zu körperlicher Gewalt. Ein Beispiel: Vor zwei Wochen war ich als Assistent in einem Gespann dabei. Es gab zwei rote Karten für die Heimmannschaft, nach dem Spiel sind wir in die Kabine gelaufen und wurden in einer Art und Weise beleidigt, die ich nicht wiedergeben will. Mein Kollege wurde körperlich angegriffen. Das war schon extrem.
RUND: Haben Sie den Eindruck, dass es schlimmer geworden ist?
Andreas Knodel: Die Gewalt nimmt von Jahr zu Jahr zu. Das hat sich gesteigert.
RUND: Was unternimmt der Verband dagegen?
Andreas Knodel: In diesem Jahr wurde ein Anti-Gewalt-Seminar für alle Vereine im Verband eingeführt. Und seit dieser Saison gibt es Platz-Obmänner, die für die Sicherheit der Schiedsrichter sorgen sollen. Die stellen sich eine Viertelstunde vor dem Spiel bei uns als Obleute vor, falls etwas passiert, würden sie eingreifen.
RUND: Fühlen Sie sich dadurch sicherer?
Andreas Knodel: Ein Stück weit ja.
RUND: Sie haben begonnen, Ihre Erlebnisse aufzuschreiben.
Andreas Knodel: Die Vorfälle vor zwei Wochen waren bedrückend, das hat mich zum Nachdenken gebracht. Ich frage mich, ist die Schiedsrichterei wirklich noch ein Hobby oder gehört die Gewalt schon zum Alltag? Ich möchte das Gewaltproblem in die Öffentlichkeit tragen, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen. Wir diskutieren das ja häufig mit den Schiedsrichter-Kollegen – auch in Internet-Foren. Die Beleidigungen gehen vielen Schiedsrichtern viel näher als sie es wollen. Auch wenn sie es nicht zugeben, weil sie dadurch Schwäche zeigen würden. Wir dürfen nicht wegschauen.
RUND: Merken Sie es sonntags auf den Amateurplätzen, wenn es am Vortag in der Bundesliga besonders unfair zur Sache ging?
Andreas Knodel: Auf jeden Fall. Die Bundesliga ist das Schaubild des Fußballs. Die Spiele schaut jeder, der Fußball mag. Spieler, Zuschauer und auch Trainer schauen sich davon etwas ab.
RUND: Welche Möglichkeiten hat man als Schiedsrichter auf Beleidigungen zu reagieren?
Andreas Knodel: Viele Möglichkeiten hat man nicht. Manchmal hilft nur weghören. Im Spiel bekommt man das mit, darf es aber nicht auf sich wirken lassen. Das kommt nach dem Spiel.
RUND: Gibt es Kollegen, die wegen der Gewalt schon aufgehört haben zu pfeifen?
Andreas Knodel: Die gibt es. Ich habe persönlich auch schon daran gedacht, aufzuhören. Ab 14 Jahren kann man Schiedsrichter werden. Wenn man sich überlegt, dass ein Jugendlicher massiv verbal beleidigt wird, setzt denen das sehr zu. Mehr als 50 Prozent hören deshalb auf.
RUND: Fühlen Sie sich als Schiedsrichter in solchen Situationen alleingelassen?
Andreas Knodel: Bis auf das Gespann ist man auf dem Platz alleine, das ist leider so. Neben dem Platz ist der Verband immer für einen da.
RUND: Was raten Sie Schiedsrichtern, wenn sie bedroht werden?
Andreas Knodel: Nicht zu schweigen. Den Mund aufzumachen, auch beim Verband, wenn etwas vorgefallen ist. Man darf sich auch nicht vor dem Papierkram scheuen und sollte alles im Bericht aufschreiben, was passiert ist. Sich aber trotzdem nicht unterkriegen lassen. Und auf jeden Fall weitermachen, denn es gibt auch viele schöne Momente in unserem Hobby. Ohne Schiedsrichter gibt es keinen Fußball.

Andreas Knodel, 21, aus Karlsruhe ist seit sieben Jahren Schiedsrichter. Er pfeift für den
FC Berghausen, im Januar 2011 wechselt er zum FC Spöck. Er schreibt an einem Buch: „Der Schiedsrichter – Zwiespalt zwischen Hobby und Gewalt".
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