POST AUS AFRIKA
Afrika steht Kopf
Die afrikanische Fußballwelt wurde in den vergangenen Wochen ordentlich durchgerüttelt. Mit Kamerun, Nigeria, Ägypten, Algerien und Südafrika haben es fünf von Afrikas stärksten Nationalteams und WM-Teilnehmer nicht geschafft, sich für den African Nations Cup (CAF) 2012 zu qualifizieren. Aus Südafrika berichtet Christian Gülisch.

 

Siphiwe Tshabalala

Mit Südafrika in der Qualifikation zum Afrika Cup gescheitert: Siphiwe Tshabalala, der bei der WM 2010 das Tor im Eröffnungsspiel schoss Foto Pixathlon

 

Man stelle sich vor es ist Juni 2012. Die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine beginnt – allerdings ohne Teams wie England, Spanien, Frankreich oder Deutschland. Nicht möglich?

Die Afrikanische Fußballwelt wurde in den vergangenen Wochen ordentlich durchgerüttelt. Mit Kamerun, Nigeria, Ägypten, Algerien und Südafrika haben es fünf von Afrikas stärksten Nationalteams und WM-Teilnehmer nicht geschafft, sich für den African Nations Cup (CAF) 2012 zu qualifizieren. Anstelle dieser Schwergewichte sind nun mit Botswana und Niger zwei Überraschungsteams dabei. Zudem konnten Lybien und der Sudan die Qualifikation trotz der politischen Unruhen im Land als erfolgreichste Gruppenzweite abschließen und haben die Tickets für den CAF 2012 in Gabun und Äquatorial-Guinea gebucht.

In fast allen Qualifikationsgruppen stand die Entscheidung um den Gruppensieg und die damit automatisch verbundene Teilnahme vor dem 6. und letzten Spieltag am 9. Oktober noch nicht fest. In der Gruppe D setzte sich schließlich Marokko mit einem 3:1-Sieg gegen Tansania durch und in der Gruppe K kam Malawi nicht über ein 2:2 gegen den Tschad hinaus und musste den Gruppensieg an Tunesien abgeben.

Diese Spiele waren spannend, doch in keiner der Gruppen wurde es so spannend wie in Gruppe G: Südafrika hatte sich zu einem eher kläglichen 0:0 gegen Sierra Leone gequält, trotzdem feierten die Spieler von Bafana Bafana nach dem Abpfiff im Glauben sich für den CAF 2012 qualifiziert zu haben. Die südafrikanischen Fernsehsender verkündeten euphorisch die erfolgreiche Qualifikation für den CAF 2012. Selbst der Präsident des südafrikanischen Fußballverbandes gratulierte dem Team öffentlich. Doch wie Freude währte nicht lange: Südafrika war zwar Gruppenerster mit dem besseren Torverhältnis zum punktgleich Zweitplazierten Niger, doch die Regeln besagen (ähnlich wie bei der Qualifikation zur EM), dass der direkte Vergleich zwischen den Teams zählt, den Niger eindeutig für sich entschied. Damit qualifiziert sich Niger, eines der ärmsten Länder der Welt, zum ersten Mal für eine Endrunde des Africa Cup of Nations.

In Südafrika dagegen ist die Enttäuschung groß. Vor ein paar Wochen erst feierte das Land die Entscheidung des afrikanischen Verbandes den Africa Cup of Nations 2013 von Lybien nach Südafrika zu verlagern. Vor allem Nationaltrainer Pitso Mosimane steht heftig in der Kritik. Mittlerweile hat er zugegeben, in der Schlussphase des entscheidenden Spiels gegen Sierra Leone das Unentschieden über die Zeit gerettet zu haben. Niger lag zu dem Zeitpunkt bereits 0:3 in Ägypten zurück und Mosimane entschied sich einen Mittelfeldspieler anstelle eines Stürmers zu bringen, in dem Glauben, der Gruppensieg sei bei einem Unentschieden sicher.

Ähnlich präsentierte sich Ägypten, immerhin siebenfacher Afrikameister und amtierender Titelträger des Africa Cup of Nations. In Gruppe G zusammen mit Niger und Südafrika kamen die Ägypter nur auf 5 Punkte und wurden abgeschlagen Gruppenletzter.

Auch in Kamerun wurde nun Nationaltrainer Javier Clemente entlassen In der Gruppe E mussten sich die Löwen aus Westafrika dem Senegal geschlagen geben, der mit 16 Punkten aus 6 Spielen die Gruppe eindeutig dominierte. Darüber hinaus konnten sich die Kameruner nicht weiter qualifizieren, da sie nur auf Platz 7 der besten Gruppenzweiten landeten. Die schlechten Leistungen führen Kritiker auf das Versagen von Clemente zurück, der es nicht vermochte den mit Weltstars gespickten Kader der Westafrikaner eine klare Struktur zu geben. Das Team galt als gespalten, die Atmosphäre vergiftet durch die sich anfeindenden Samuel Eto’o und Alex Song. Ein Bild das viele an das katastrophale Team Frankreichs während der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika erinnerte.

Pitso Mosimane, (noch) Nationaltrainer Südafrikas sagte nach der verpassten Qualifikation seines Teams: "Africa is a jungle, my friend. The European and South American formats are so much better because everything is running smoothly, but it's very difficult to play in Africa." Frankreich hat sich bereits für die EM 2012 qualifiziert, zusammen mit England, Spanien und Deutschland.

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