BUNDESLIGA
Druck aus dem Kessel
Nach acht sieglosen Spielen schafft der 1. FC Nürnberg gegen erschütternd schwache Lauterer einen verdienten Heimsieg. Von Christoph Ruf, Nürnberg.

 

Christian TiffertDas hatte mit Fußball nichts zu tun“: Lauterns Kapitän
Christian Tiffert war nach der Partie selbstkritisch.
Foto Pixathlon

 

Wenn der Tabellendreizehnte auf den 16. des Klassements trifft, erwarten wohl nur wahre Frohnaturen ein ansehnliches Match. Doch dass das Spiel seiner Mannschaft bei der 0:1-Niederlage in Nürnberg so miserabel ausfallen würde, hatte Lauterns Martin Amedick dann offenbar doch nicht für möglich gehalten. „Wir waren in einem wirklich schlechten Bundesligaspiel die schlechtere Mannschaft und haben verdient verloren. Das sollte uns zu denken geben.“ Sprach`s und lief an seinem Trainer Marco Kurz vorbei, der kurz darauf in der Pressekonferenz  ebenso drastische Worte fand: „Ich kann mich  bei unseren Fans nur für diese Leistung entschuldigen. Wir waren heute in allen Belangen schlechter.“

Tatsächlich war der FCK den engagierten Platzherren deutlicher unterlegen als das knappe Ergebnis vermuten lässt. Über die gesamte Spielzeit brachten die Pfälzer nicht einen einzigen Torabschluss zu Stande, bei dem FCN-Keeper Raphael Schäfer seinen Job hätte ausüben müssen. Schlimmer; der FCK kam nicht einmal in Tornähe, weil er im Aufbauspiel Fehlpass an Fehlpass reihte und riesengroße Lücken zwischen den Mannschaftsteilen entstehen ließ. Der engagierteste  Lauterer, Dorge Kouemaha, mäßigte seinen Einsatz spätestens nach seiner Gelben Karte (45.) und dämmerte mit seinen Kollegen dem Schlusspfiff entgegen.


Raphael Schäfer

„Die Zuschauer haben gemerkt, dass wir unbedingt gewinnen wollten“: Nürnbergs Torhüter Raphael Schäfer   Foto Pixathlon

 

Beim Club aus Nürnberg herrschte hingegen nach dem Schlusspfiff beste Laune. „Wir waren heute die entschlossenere Mannschaft“, freute sich FCN-Keeper Raphael Schäfer in angemessen höflichen Worten. „Die Zuschauer haben gemerkt, dass wir unbedingt gewinnen wollten.“ Doch auch wenn das nicht von der Hand zu weisen war, blieben auch Schäfers Kollegen spielerisch vieles schuldig. Erst in der 41. Minute gelang Daniel Didavi (schöner Pass) und Alexander Esswein (gute Mitnahme, Torschuss) die erste sehenswerte Kombination des Spiels. Die Fehlpassquote war auch bei den Gastgebern enorm hoch, die Verunsicherung  war nach zuletzt acht sieglosen Spielen mit Händen zu greifen. Schäfer hatte dennoch ein „gutes Spiel“ seiner Mannschaft gesehen. „Die Jungs vorne haben gut mitgearbeitet. Das macht es hinten natürlich leicht, die langen Bälle des Gegners zu verteidigen.“ Dabei tat sich besonders Innenverteidiger Philipp Wollscheid hervor, der erneut bester Mann seiner Elf war und nach der Ankündigung seines Wechsels nach Leverkusen vor dem Spiel ausgepfiffen wurde. Mit Anpfiff verstummten die Schmähungen allerdings.

Zur Steigerung der allgemeinen Laune trug bei, dass es bereits nach einer Viertelstunde 1:0 für die Platzherren stand. Rechtsfuß Timothy Chandler, von Jürgen Klinsmann zum US-Nationalspieler beförderter Rechtsfuß, zog mit links ab, und der Ball landete hinter FCK-Keeper Kevin Trapp im Netz. Zuvor hatte Lauterns Verteidiger Alexander Bugera den Ball mit einem fahrlässigen Querpass vertändelt. Die Gäste, die zuletzt auswärts selbstbewusst aufgetreten waren und auch spielerisch einiges zuwege gebracht hatten, änderten ihre Spielweise allerdings auch daraufhin nicht. Man vertraute auch weiterhin ausschließlich auf das Stilmittel des langen, blind nach vorne geschlagenen Balles. „Das hatte mit Fußball nichts zu tun“, gab Lauterns Kapitän Christian Tiffert nach der Partie zu Protokoll. „Das waren ja nur Pressschläge.“ 
Im zweiten Durchgang spielte der Club aus Nürnberg dann aggressiver und versuchte, das Spiel über die Flügel zu intensivieren. Nach einer scharfen Hereingabe von Tomas Pekhart bugsierte Lauterns Mathias Abel den Ball an den eigenen Pfosten (46.). Dann die bis dato größte herausgespielte Club-Chance. Nach einem schönen Flankenlauf von Chandler kam Pekhart frei zum Abschluss, schoss aber übers Tor. Der Stürmer, der wegen der Wichtigkeit des Spiels darauf verzichtet hatte, zur Beerdigung der Großmutter nach Tschechien zu fahren, beschwerte sich in der Folgezeit einige Male zurecht über den Eigensinn seiner Mitspieler (Daniel Didavi, 53., Alexander Esswein, 64.). Das war offenbar auch seinem Coach aufgefallen, der ebenfalls fand, dass man „das ein oder andere Tor mehr hätte machen können. Aber wir haben gezeigt, dass wir dem Druck standhalten können“

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