Interview
"Beeindruckend bei PSG? Die Anpassungsfähigkeit"
Nach dem Champions-League-Finale zwischen Paris Saint-Germain und Arsenal spricht RUND-Kolumnistin Samira Samii über die entscheidenden Faktoren des Spiels, die taktischen Unterschiede beider Mannschaften und die Bedeutung des erneuten europäischen Triumphs von PSG.

Samira Samii in Budapest
Frau Samii, Paris Saint-Germain hat die Champions League gewonnen. Wie fällt Ihre sportliche Analyse des Finales aus?
Samira Samii: Es war ein Finale auf sehr hohem taktischem Niveau. Beide Mannschaften waren hervorragend vorbereitet und haben über weite Strecken äußerst diszipliniert agiert. Arsenal hat insbesondere in der ersten Halbzeit eine starke Raumaufteilung gezeigt und PSG im Spielaufbau immer wieder vor Herausforderungen gestellt. Dennoch hatte man zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass Paris die Kontrolle über das Spiel verlieren würde. Die Mannschaft hat große Reife gezeigt, blieb auch in schwierigen Phasen strukturiert und fand im Verlauf der Partie zunehmend bessere Lösungen gegen das Pressing des Gegners.
Worin lag der entscheidende Unterschied zwischen beiden Teams?
Samira Samii: Der größte Unterschied lag für mich in der Effizienz und im Umgang mit den entscheidenden Spielsituationen. Arsenal hat viel investiert, war laufstark und taktisch diszipliniert. PSG hingegen verfügte in den Schlüsselmomenten über die größere Ruhe und Präzision. In Endspielen geht es häufig nicht darum, wer mehr Ballbesitz hat oder mehr Chancen kreiert, sondern darum, wer die entscheidenden Momente für sich nutzt. Genau das hat Paris geschafft.
Wie bewerten Sie die taktische Leistung von Luis Enrique?
Samira Samii: Luis Enrique hat erneut unter Beweis gestellt, weshalb er zu den besten Trainern Europas gehört. PSG verfügt heute über eine klare Spielidentität. Die Mannschaft ist flexibel, kann hohe Pressingphasen spielen, sich aber auch kontrolliert zurückziehen und aus einer kompakten Ordnung heraus agieren. Besonders beeindruckend war die Anpassungsfähigkeit während des Spiels. PSG hat auf die verschiedenen Phasen der Partie sehr intelligent reagiert und stets Lösungen gefunden.
Arsenal hat dennoch ein starkes Finale gespielt.
Samira Samii: Absolut. Arsenal hat bestätigt, dass der Klub inzwischen wieder zur europäischen Spitze gehört. Die Entwicklung unter Mikel Arteta ist bemerkenswert. Die Mannschaft verfügt über eine klare Struktur, hohe Intensität und taktische Variabilität. Natürlich überwiegt unmittelbar nach einer Finalniederlage die Enttäuschung, aber aus sportlicher Sicht kann Arsenal viele positive Erkenntnisse aus dieser Champions-League-Saison mitnehmen.
Welche Spieler haben Sie besonders überzeugt?
Samira Samii: Bei PSG hat mich vor allem die mannschaftliche Geschlossenheit beeindruckt. Natürlich stehen häufig die Offensivspieler im Fokus, doch Finals werden oft durch die Arbeit gegen den Ball entschieden. Das zentrale Mittelfeld hat enorme Laufarbeit geleistet und die Defensive war in den entscheidenden Situationen sehr stabil. Auf Arsenaler Seite haben mich die Organisation im Mittelfeld und das konsequente Anlaufverhalten überzeugt. Insgesamt war es weniger die Geschichte einzelner Spieler als vielmehr die zweier hervorragend funktionierender Mannschaften.
Was bedeutet dieser Titel für PSG im europäischen Kontext?
Samira Samii: Dieser Erfolg unterstreicht die Entwicklung des Vereins in den vergangenen Jahren. PSG wird nicht mehr ausschließlich über individuelle Weltklassespieler definiert, sondern über eine klare sportliche Struktur und eine funktionierende Mannschaft. Einen Champions-League-Titel zu gewinnen ist außergewöhnlich. Ihn zu bestätigen, ist noch deutlich schwieriger. Genau deshalb besitzt dieser Triumph eine besondere Bedeutung.
Wie lautet Ihr abschließendes Fazit?
Samira Samii: Wir haben ein Endspiel gesehen, das den Anforderungen eines Champions-League-Finales absolut gerecht wurde. Hohe taktische Qualität, große Intensität und zwei Mannschaften auf europäischem Spitzenniveau. PSG hat sich aufgrund seiner Effizienz, seiner Erfahrung und seiner Spielkontrolle in den entscheidenden Momenten verdient durchgesetzt. Arsenal hat gezeigt, dass der Klub dauerhaft zur europäischen Elite gehört. Es war ein Finale, das die aktuelle Qualität des europäischen Vereinsfußballs eindrucksvoll widergespiegelt hat.
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