INTERVIEW
„Der Skandal hat Italien den Traum genommen“
Der einstige Erfolgstrainer gewährt tiefe Einblicke in die italienische Fußballseele. Mit seiner schonungslosen Analyse macht sich Arrigo Sacchi nicht nur Freunde im Land des Weltmeisters. Lesen Sie in Teil 1 des RUND-Interviews, warum Geld nicht geduldig macht.
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BUNDESLIGA
Mehr Herz als Verstand?
Seit 2003 stehen sie an der Spitze des Hamburger SV: Bernd Hoffmann und seine Stellvertreterin Katja Kraus. Fünf Aufsichtsräte verweigerten die nötige Zustimmung, es sind alte Rechnungen beglichen worden. Von Roger Repplinger
Der Hamburger SV steht, kaum ist die monatelange Suche nach einem Sportdirektor mit der Entscheidung für Frank Arnesen zu Ende, vor der nächsten Suche. Die Verträge der hauptamtlichen Vorstände Bernd Hoffmann und Katja Kraus werden, dies ergab eine Abstimmung im HSV-Aufsichtsrat vor der 2:4-Niederlage gegen den FSV Mainz 05 am Sonntag, nicht verlängert.
Sieben Aufsichtsräte stimmten für eine Vertragsverlängerung, fünf dagegen. Die notwendige Zweidrittelmehrheit wurde verfehlt. Vermutlich taten die im Januar neu gewählten Aufsichtsräte – Schauspieler Marek Erhardt, Journalist Manfred Ertel, Unternehmer Jürgen Hunke sowie Volkswirt Hans-Ulrich Klüver – das, wofür sie von den HSV-Mitgliedern gewählt worden waren: Sie kickten Hoffmann und Kraus.
Hoffmann steht seit Februar 2003 an der Spitze des HSV, Kraus ist seit März 2003 Vorstand und seit Anfang 2010 Hoffmanns Stellvertreterin. Ihre Verträge laufen bis Ende 2011. "Der Aufsichtsrat ist überzeugt, dass Bernd Hoffmann und Katja Kraus ihrer Arbeit für den HSV weiter wie bisher professionell nachkommen werden", erklärte Ernst-Otto Rieckhoff, Vorsitzender des Aufsichtsrates, nach der Abstimmung. Rieckhoff sagt das, weil er fürchtet, dass es so nicht kommt, und der HSV über kurz oder lang ohne Vorstand, der für das operative Geschäft zuständig ist, da steht.
Es ist ja nicht so, dass der HSV operativ nichts zu erledigen hat. Auslaufende Spieler-Verträge, bleibt der Trainer? Arnesen, der neue Sportdirektor, noch beim FC Chelsea, fängt am 1. Juli an. Arnesen, dem Aufsichtsrat von Hoffmann vorgeschlagen, weiß jetzt, auf was er sich eingelassen hat.
Die Weigerung, den Vertrag mit Hoffmann zu verlängern, ist Ausdruck der Konflikte beim HSV. Da gibt es Mitglieder, die finden Profifußball eklig. Denen ist die Verbesserung der finanziellen Situation des HSV unter Hoffmann so egal wie die Tatsache, dass das Stadion 2017 abbezahlt ist, der Verein aus der Umklammerung des Vermarktungsvertrags mit Sportfive 2015 herauskommt. Die lehnen das Investorenmodell mit dem Milliardär Klaus-Michel Kühne ab, der sich an Transfers beteiligte und dafür Transferrechte überschrieben bekam.
Es gibt Mitglieder, die glauben, entscheidend ist, ob und wie sie ihre Fahnen im Stadion aufhängen, und dass es einen Unterschied macht, ob sie die Mannschaft anfeuern oder nicht. Sie suchen Kuscheligkeit und die Nähe der Spieler. Sie kritisieren Hoffmann stellvertretend für Entwicklungen des Profifußballs. Sie lehnten Hoffmanns Vorgänger Werner Hackmann ab und werden das auch bei Hoffmanns Nachfolger tun. Es gibt die Hanseaten, für die nur zählt, wer „die Raute im Herzen“ hat. Die wünschen sich Uwe Seeler als Spieler, Vorstand, Aufsichtsrat, Trainer, Greenkeeper. Dann wird alles gut. Es gibt Mitglieder, die wollen einen Titel, weil sie glauben, Hamburg habe einen Anspruch darauf.
Die Fußballexperten dieser Stadt werfen Hoffmann fehlenden Fußball-Sachverstand vor, die vielen Trainerentlassungen, die zu lange Suche nach einem Nachfolger für Sportchef Dietmar Beiersdorfer. Dabei kam hier das Problem zum Ausdruck, dass es schwer ist, einen Mann zu finden, der allen passt. Eine Mischung aus „uns Uwe“, Horst Hrubesch und Dietmar Beiersdorfer, der auch noch dem Springer-Verlag behagt. Der Aufsichtsrat ist Ausdruck der Zerrissenheit des Vereins. Da sitzen Hoffmann-Befürworter, Hoffmann-Gegner, Wirtschaftsleute, Enthusiasten, Selbstdarsteller, Informanten der Springer-Blätter.
In der Kabine, sagt Trainer Armin Veh, wird nicht immer über Fußball diskutiert. Die Mannschaft bleibt von dem, was sich im Verein abspielt, nicht unberührt. Es gibt Spieler, die genug haben von der ständigen Unruhe rund um sie. Torwart Frank Rost sagte nach dem Spiel am Sonntag, „dass es nicht einfach ist, in diesem Club zu spielen“. Das wird sich, bis eine Entscheidung über den neuen Vorstand gefallen ist, nicht ändern. Und danach vielleicht auch nicht. Welcher Spieler kommt in dieser Situation nach Hamburg? Welcher Spieler, der ein Angebot hat, bleibt?
Wer immer noch glaubt, dass der Hamburger SV ein großer Klub ist, sieht die Defizite nicht. Etwa die Betreuung ausländischer Spieler. Weil die nicht gut organisiert ist, haben viele Transfers südamerikanischer Spieler nicht funktioniert. Innenverteidiger Alex Silva, Ablöse 13 Millionen Euro, beim HSV im defensiven Mittelfeld, spielt wieder für den FC S√£o Paulo, an den ihn der HSV, bei dem er noch einen Vertrag bis Juli 2013 hat, ausgeliehen hat. Er macht eine ausgezeichnete Saison und möchte nicht zurück. Integration ist nicht einfach. Der nächste Spieler, der daran zu scheitern scheint, ist der talentierte Eljero Elja. Der HSV ist immer noch zehn Jahren hinter anderen Clubs her.
Viele Aufgaben für den neuen Vorstand und Arnesen. Ein Kandidat für die Hoffmann-Nachfolge ist der Norweger Bj√∏rn Gulden, 45 Jahre alt, machte in der Saison 1984/85 vier Zweitligaspiele für den 1. FC Nürnberg, ging zurück zu Str√∏msgodset Drammen, spielte auch für den Bryne FK. Heute geschäftsführender Direktor beim Billig-Schuhhersteller Deichmann. Der Däne Arnesen, der Norweger Gulden, im HSV-Forum wird nach „der Raute im Herzen“ gefragt.
Mehr Herz als Verstand?
Seit 2003 stehen sie an der Spitze des Hamburger SV: Bernd Hoffmann und seine Stellvertreterin Katja Kraus. Fünf Aufsichtsräte verweigerten die nötige Zustimmung, es sind alte Rechnungen beglichen worden. Von Roger Repplinger

Ihr Vertrag läuft Ende 2011 aus: Katja Kraus und Bernd Hoffmann Foto Pixathlon
Der Hamburger SV steht, kaum ist die monatelange Suche nach einem Sportdirektor mit der Entscheidung für Frank Arnesen zu Ende, vor der nächsten Suche. Die Verträge der hauptamtlichen Vorstände Bernd Hoffmann und Katja Kraus werden, dies ergab eine Abstimmung im HSV-Aufsichtsrat vor der 2:4-Niederlage gegen den FSV Mainz 05 am Sonntag, nicht verlängert.
Sieben Aufsichtsräte stimmten für eine Vertragsverlängerung, fünf dagegen. Die notwendige Zweidrittelmehrheit wurde verfehlt. Vermutlich taten die im Januar neu gewählten Aufsichtsräte – Schauspieler Marek Erhardt, Journalist Manfred Ertel, Unternehmer Jürgen Hunke sowie Volkswirt Hans-Ulrich Klüver – das, wofür sie von den HSV-Mitgliedern gewählt worden waren: Sie kickten Hoffmann und Kraus.
Hoffmann steht seit Februar 2003 an der Spitze des HSV, Kraus ist seit März 2003 Vorstand und seit Anfang 2010 Hoffmanns Stellvertreterin. Ihre Verträge laufen bis Ende 2011. "Der Aufsichtsrat ist überzeugt, dass Bernd Hoffmann und Katja Kraus ihrer Arbeit für den HSV weiter wie bisher professionell nachkommen werden", erklärte Ernst-Otto Rieckhoff, Vorsitzender des Aufsichtsrates, nach der Abstimmung. Rieckhoff sagt das, weil er fürchtet, dass es so nicht kommt, und der HSV über kurz oder lang ohne Vorstand, der für das operative Geschäft zuständig ist, da steht.
Es ist ja nicht so, dass der HSV operativ nichts zu erledigen hat. Auslaufende Spieler-Verträge, bleibt der Trainer? Arnesen, der neue Sportdirektor, noch beim FC Chelsea, fängt am 1. Juli an. Arnesen, dem Aufsichtsrat von Hoffmann vorgeschlagen, weiß jetzt, auf was er sich eingelassen hat.
Die Weigerung, den Vertrag mit Hoffmann zu verlängern, ist Ausdruck der Konflikte beim HSV. Da gibt es Mitglieder, die finden Profifußball eklig. Denen ist die Verbesserung der finanziellen Situation des HSV unter Hoffmann so egal wie die Tatsache, dass das Stadion 2017 abbezahlt ist, der Verein aus der Umklammerung des Vermarktungsvertrags mit Sportfive 2015 herauskommt. Die lehnen das Investorenmodell mit dem Milliardär Klaus-Michel Kühne ab, der sich an Transfers beteiligte und dafür Transferrechte überschrieben bekam.
Es gibt Mitglieder, die glauben, entscheidend ist, ob und wie sie ihre Fahnen im Stadion aufhängen, und dass es einen Unterschied macht, ob sie die Mannschaft anfeuern oder nicht. Sie suchen Kuscheligkeit und die Nähe der Spieler. Sie kritisieren Hoffmann stellvertretend für Entwicklungen des Profifußballs. Sie lehnten Hoffmanns Vorgänger Werner Hackmann ab und werden das auch bei Hoffmanns Nachfolger tun. Es gibt die Hanseaten, für die nur zählt, wer „die Raute im Herzen“ hat. Die wünschen sich Uwe Seeler als Spieler, Vorstand, Aufsichtsrat, Trainer, Greenkeeper. Dann wird alles gut. Es gibt Mitglieder, die wollen einen Titel, weil sie glauben, Hamburg habe einen Anspruch darauf.
Die Fußballexperten dieser Stadt werfen Hoffmann fehlenden Fußball-Sachverstand vor, die vielen Trainerentlassungen, die zu lange Suche nach einem Nachfolger für Sportchef Dietmar Beiersdorfer. Dabei kam hier das Problem zum Ausdruck, dass es schwer ist, einen Mann zu finden, der allen passt. Eine Mischung aus „uns Uwe“, Horst Hrubesch und Dietmar Beiersdorfer, der auch noch dem Springer-Verlag behagt. Der Aufsichtsrat ist Ausdruck der Zerrissenheit des Vereins. Da sitzen Hoffmann-Befürworter, Hoffmann-Gegner, Wirtschaftsleute, Enthusiasten, Selbstdarsteller, Informanten der Springer-Blätter.
In der Kabine, sagt Trainer Armin Veh, wird nicht immer über Fußball diskutiert. Die Mannschaft bleibt von dem, was sich im Verein abspielt, nicht unberührt. Es gibt Spieler, die genug haben von der ständigen Unruhe rund um sie. Torwart Frank Rost sagte nach dem Spiel am Sonntag, „dass es nicht einfach ist, in diesem Club zu spielen“. Das wird sich, bis eine Entscheidung über den neuen Vorstand gefallen ist, nicht ändern. Und danach vielleicht auch nicht. Welcher Spieler kommt in dieser Situation nach Hamburg? Welcher Spieler, der ein Angebot hat, bleibt?
Wer immer noch glaubt, dass der Hamburger SV ein großer Klub ist, sieht die Defizite nicht. Etwa die Betreuung ausländischer Spieler. Weil die nicht gut organisiert ist, haben viele Transfers südamerikanischer Spieler nicht funktioniert. Innenverteidiger Alex Silva, Ablöse 13 Millionen Euro, beim HSV im defensiven Mittelfeld, spielt wieder für den FC S√£o Paulo, an den ihn der HSV, bei dem er noch einen Vertrag bis Juli 2013 hat, ausgeliehen hat. Er macht eine ausgezeichnete Saison und möchte nicht zurück. Integration ist nicht einfach. Der nächste Spieler, der daran zu scheitern scheint, ist der talentierte Eljero Elja. Der HSV ist immer noch zehn Jahren hinter anderen Clubs her.
Viele Aufgaben für den neuen Vorstand und Arnesen. Ein Kandidat für die Hoffmann-Nachfolge ist der Norweger Bj√∏rn Gulden, 45 Jahre alt, machte in der Saison 1984/85 vier Zweitligaspiele für den 1. FC Nürnberg, ging zurück zu Str√∏msgodset Drammen, spielte auch für den Bryne FK. Heute geschäftsführender Direktor beim Billig-Schuhhersteller Deichmann. Der Däne Arnesen, der Norweger Gulden, im HSV-Forum wird nach „der Raute im Herzen“ gefragt.
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