FANSZENE PASST AUF/span>
Rechte Klamotten auf St. Pauli

Die Fans des FC St. Pauli sind immer auf der Hut, wenn es um Symbole der Rechten geht. Das Fanzine „Übersteiger“ hat in seiner aktuellen Ausgabe ein Foto veröffentlicht, das einen „Bild“-Reporter auf einer Pressekonferenz des Klubs in einer Jacke von Thor Steinar zeigt – einem in der Neonazi-Szene verbreiteten Modelabel. Der Klub reagierte und selbst Zuschauer im Rentenalter bleiben wachsam, wenn Reporter in verdächtigem Outfit zum Trainingsplatz kommen.


Millionenfach geklebt: In den 80-ger Jahren entwarfen St. Pauli-Fans diesen Sticker


Ausgelassene Stimmung am Trainingsgelände des FC St. Pauli an der Kollaustraße. Die Profis dehnen sich in der Morgensonne geschmeidig, Freitagabend wird am Millerntor gegen Dynamo Dresden der Aufstieg in die Zweite Liga klar gemacht, jetzt kommt auch noch Trainer Holger Stanislawski aus der Kabine und klatscht persönlich alle der Spalier stehenden Trainingskiebitze ab, die meisten davon im Rentenalter: High five, links und rechts, dass es nur so klatscht.

Ein perfekter Tag, bis die Trainingsgäste den groß gewachsenen Reporter der Bild-Zeitung entdecken, der am Spielfeldrand steht, das Geschehen beobachtet und neuerdings auch fotografiert. Früher hat er nur geschrieben, kurze Sätze, die sitzen, wie ein Leberhaken.

Es ist das schwarze T-Shirt des Bild-Mannes, das für Aufruhr sorgt: Vorne und hinten bedruckt mit einem Symbol, das dem Eisernen Kreuz ähnelt. Als die Zuschauer das Hemd sehen, wird es laut an der Kollaustraße. „Der hat bei uns nichts zu suchen. Unmöglich, so ein Kerl beim FC St. Pauli.“ Als Teammanager Christian Bönig erscheint, wird er aufgefordert, den „Typen zu entfernen. Der muss ein Platzverbot bekommen.“ In der Fanszene des Klubs wird über das Outfit des Bild-Mannes ebenfalls heftig diskutiert. Das Fanzine „Übersteiger“ veröffentlichte ein Foto, das den Redakteur auf einer Pressekonferenz des Klubs in einer Jacke von Thor Steinar zeigte, einem in der Neonazi-Szene verbreiteten Modelabel. In www.direkter-freistoss.de hat der Autor René Martens den Axel-Springer-Verlag mit dem Bericht im „Übersteiger“ konfrontiert. Der Mann sei einer Zugehörigkeit zur rechten Szene völlig unverdächtig, hieß es. Die Jacke sei ein Geschenk gewesen und er habe nicht gewusst, was es damit auf sich habe. Der Pressesprecher des FC St. Pauli sagte dem Reporter, dass er beim nächsten Mal rausfliegen würde.

Den Bild-Reporter schert die Aufregung auf dem Trainingsplatz übrigens nicht, stoisch verrichtet er seine Arbeit, beidseitig dekoriert mit dem Eisernen Kreuz.

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