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van Gaal: Der Trainer zwischen Jubel und Zorn
Der künftige Trainer des FC Bayern liebt das 4-3-3-System: Louis van Gaal gewann mit zwei Flügelstürmern und einer zentralen Spitze glanzvoll die Champions League mit Ajax Amsterdam. Mit dem Außenseiter AZ Alkmaar wurde er jetzt vorzeitig Meister in der Eredivisie.


Louis van Gaal

Systemfanatiker: Louis van Gaal vor dem Stadion in Alkmaar Foto Kai Müllenhoff


Louis van Gaal hat fast alles erlebt, was einem als Fußballtrainer passieren kann. Mit der holländischen Nationalelf konnte er sich nicht für die WM 2002 qualifizieren, was bei unseren Nachbarn ein kollektives Trauma auslöste. Mit Ajax Amsterdam hatte er 1995 glanzvoll die Champions League gewonnen, holte zwei spanische Meisterschaften mit Barcelona, um nun wieder in Alkmaar mit jungen Talenten zu arbeiten wie einst bei Ajax. Mit AZ holte er jetzt überraschend vorzeitig die Meisterschaft in der Eredivisie.

Der 57-Jährige, der bei Fehlern seiner Profis immer noch sehr zornig werden kann, liebt das 4-3-3-System. In Alkmaar kann er es nicht spielen lassen, es fehlen die überragenden Außenstürmer. Früher wurden diese Spieler bei Ajax reihenweise ausgebildet, ehe sie zu den ganz großen Klubs in Europa wechselten. „Es ist mit Abstand das beste Ausbildungssystem, weil es zwei kreative Positionen mehr ausbildet als in einem 4-4-2“, legte sich Hans Meyer in seiner RUND-Kolumne fest. Ähnlich hatte sich auch Jürgen Klinsmann bei Dienstbeginn in München geäußert. In der Umsetzung traut man bei dem Bayern dem Systemfanatiker van Gaal offenbar mehr zu.

Seit Aloysius van Gaal als junger Trainer, lange vor seiner ersten Meisterschaft, das Ajax-System auch nach Niederlagen zum Maß aller Dinge erklärte, gilt er in Holland als arrogant. In Barcelona eckte er trotz Titeln an, weil er nicht nur seine Philosophie, sondern auch etliche seiner ehemaligen Spieler mit nach Spanien nahm.

Van Gaal springt auf dem Trainingsplatz förmlich dazwischen, fordert mehr Präzision, mehr Tempo, rauft sich die Haare, packt einen Spieler mit beiden Händen am Kopf und zeigt ihm den Fehler auf: „Dahin musst du laufen!“ Dann klatscht er begeistert Beifall, als ein Spieler eine intelligente Lösung gefunden hat, haut ihm auf die Schulter wie einem alten Kumpel. Der nächste Pass verhungert schon auf den ersten Metern. Aus van Gaals enthusiastischem Jubel wird alttestamentarischer Zorn. Bei ihm gibt es nur den perfekten oder den schlechten Ball.

Klicken Sie hier, um die Reportage von Malte Oberschelp über den AZ Alkmaar aus RUND #17_12_2006 im pdf-Format herunterzuladen.


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