zweite liga
„Acht Punkte bedeuten einen Erdrutsch“
Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat den TuS Koblenz mit einem Punktabzug von acht Punkten belegt. Der Klub gerät in Abstiegsgefahr, die Verantwortlichen kündigen Beschwerde gegen die „unverhältnismäßige Entscheidung" der DFL an.

Uwe Rapolder
Der Blick nach unten: Die TuS Koblenz und Trainer
Uwe Rapolder sind nun wieder ein Abstiegskandidat Foto Hochzwei


Zwei Fälle von besonders kreativer Vertagsgestaltung haben die DFL zu dieser harten Strafe veranlasst: Die Kontrakte mit den Profis Marko Lomic und Branimir Bajic wurden nachträglich verändert, nachdem die TuS Koblenz sie zuvor beim Lizenzierungsverfahren eingereicht hatte. Auf der Homepage der Tus Koblenz wird der ehemalige Geschäftsführer Hermann Gläsner verantwortlich gemacht: „Gläsner hatte die Verträge kurz nach Saisonbeginn bei Nachverhandlungen maßgeblich verändert und dem abgebenden Verein eine wesentlich höhere Transfersumme zugesichert, ohne den Aufsichtsrat der TuS Koblenz GmbH davon in Kenntnis zu setzen. Die Verträge wurden nach der fristlosen Kündigung Gläsners entdeckt, die dort angegebene Transfersumme umgehend von Sponsoren und dem Aufsichtsrat der TuS ausgeglichen.“

In Koblenz droht offenbar eine Schlammschlacht: Gläsner wehrte sich im DSF gegen die Vorwürfe: „Sämtliche Spieler-Transfers waren Wunschspieler des Trainers Uwe Rapolder. Herr Rapolder hat in seiner Eigenschaft als sportlicher Leiter die Finalkonditionen verhandelt.
“ Mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden und Hauptsponsor haber „die Dinge piccobello sauber abgearbeitet und kann mich gegen diese Vorwürfe nur verwehren." Gläsner weiter: „Ich bin in der Lage, dass ich Unterlagen vorweisen kann, mit denen ich diese Vorwürfe entkräften werde.“

Die Causa Koblenz ist der höchste Punktabzug, der bislang im deutschen Profifußball verhängt wurde. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hatte dem Klub die Lizenz im vergangenen Sommer ohne Auflagen erteilt, sie fühlt sich getäuscht, woran auch die Einlassungen der TuS-Verantwortlichen bei einer Anhörung am Montag nichts geändert haben. Es geht um das große Ganze: „Aufgabe der DFL ist es unter anderem, mit Hilfe des Lizenzierungsverfahrens die Grundlage für einen fairen und spannenden Wettbewerb zu sichern. Es ist daher im Sinne der Gemeinschaft der 36 Profi-Clubs nicht hinnehmbar, wenn dieses europaweit als vorbildlich angesehene System durch Täuschung ad absurdum geführt wird“, erklärt DFL-Geschäftsführer Christian Müller.

Müller weiter: „Mit der Bestrafung noch in der laufenden Spielzeit trägt die DFL dem Grundsatz Rechnung, dass die Konsequenzen für Verfehlungen in derselben Saison wie die Verfehlung selbst zu tragen sind und die Integrität des Wettbewerbs soweit möglich wiederhergestellt wird.“

Koblenz rutscht nach der Entscheidung auf Platz 14 ab, der Vorsprung auf einen Abstiegsplatz beträgt nur noch drei Punkte. Nutznießer könnte der 1. FC Kaiserslautern sein, der derzeit auf dem Abstiegsrang 15 liegt. Koblenz-Trainer Uwe Rapolder: „Diese Wendung ist überraschend und unerfreulich. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass wir die Situation dank des Teamgeistes unserer Mannschaft meistern werden. Natürlich bedeuten acht Punkte einen Erdrutsch.“

Die Entscheidung der DFL hält man in Koblenz für ungerecht: „Es ist niemandem ein Schaden entstanden. Insofern steht der Punktabzug in keinem Verhältnis zu dem, was in der Vergangenheit schon bei anderen Vereinen passiert ist oder derzeit passiert“, sagte TuS-Aufsichtsratsvorsitzender Walterpeter Twer. Geschäftsführer Wolfgang Loos ergänzt: „Das ist ein Strafmaß, das in keinem Verhältnis zum Vergehen steht." Der Klub hat angekündigt, gegen die Entscheidung eine Beschwerde bei der DFL einzulegen.

Alle Punktabzüge im Profifußball:
6 Punkte: 1. FC Nürnberg (1995/1996) und SSV Reutlingen (2002/2003)
4 Punkte: Dynamo Dresden (1993/1994)
3 Punkte: Hertha BSC Berlin (1995/1996), FC Gütersloh (1996/1997) und 1. FC Kaiserslautern (2003/2004)
2 Punkte: Kickers Offenbach (1984/1985) und Eintracht Frankfurt (1999/2000)
Ab der Saison 1995/96 gilt die Drei-Punkte-Regel für einen Sieg.


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