bundesliga
Wolfsburg gegen den HSV
Der VfL Wolfsburg bremst den HSV:
Nach einer halben Stunde war das Spiel entschieden,
denn da stand es schon 3:0.
Ein Rückblick von Roger Repplinger

Auf der Oberlippe von Martin Jol stand Schweiß. „Das ist ein Abenteuer“, sagte der Trainer des Hamburger SV nach der 0:3-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg vor 30 000 Zuschauern in der ausverkauften Volkswagen-Arena. Für Jol ist es ein „Abenteuer“, dass sich seine Mannschaft während der Saison einspielen muss.
Beide Trainer rotierten. Der eine, Felix Magath vom VfL Wolfsburg, ein wenig: Im Unterschied zum 1:0-Uefa-Pokalsieg gegen Rapid Bukarest begann Ashkan Dejagah für Edin Dzeko. Jol rotierte heftig: Drei Änderungen im Vergleich zum 0:0 im Uefa-Pokalspiel gegen Unirea Urziceni: In der Innenverteidigung begann Alex da Silva mit Joris Mathijsen statt mit Bastian Reinhardt, für Marcell Jansen startete Thimothee Atouba als linker Verteidiger und für Thiago Neves stand Jerome Boateng in der Anfangsformation. Der HSV spielte ohne Neves nicht mit einer Raute, sondern mit den defensiven Mittelfeldspielern David Jarolim und Nigel de Jong.
Wobei Jol immer betont, dass es nicht darauf ankommt, wie viele „Sechse“ auf dem Platz stehen, sondern darauf, welcher „Sechser bleibt und welcher geht“. Jarolim war der Sechser, der nach vorne ging, de Jong der Sechser, der hinten blieb.
Es zeigte sich, dass die Innenverteidigung da Silva/Mathijsen gegen Wolfsburg ebenso wackelte wie Reinhardt/da Silva gegen Urziceni. „Das geht nicht anders, wir müssen die neuen Spieler integrieren, auch wenn es schwierig ist“, erklärte Jol. Er steckt in einer Zwickmühle: Reinhardt und Joris Mathijsen sind eingespielt und harmonieren miteinander, genau deshalb muss da Silva Spielpraxis bekommen. Sonst sitzen er und Thiga Neves bis zur Winterpause draußen. „Und dann würden alle sagen: Da sitzen 20 Millionen auf der Bank, warum spielen die nicht“, sagt Jol.
Mathijsen hatte in der 8. Minute die erste HSV-Chance, köpfte aber den Eckball von Piotr Trochowski knapp neben das VfL-Tor.
Das erste Tor machte Wolfsburg: Außenverteidiger Marcel Schäfer setzte sich auf der linken Seite durch, Guy Demel kam zu spät, die Hereingabe verwandelte Dejagah, Atouba war nicht nahe genug an ihm dran, die HSV-Innenverteidigung nicht zur Stelle (15.). Das zweite Wolfsburger Tor fiel von der anderen Seite. Freistoß: VfL-Innenverteidiger Alexander Madlung hinaus auf Sascha Riether, der flankt und diesmal verwandelt Madlung (22.). Der dritte 0:2-Rückstand für den HSV in dieser Saison. Bislang gelang es immer, trotzdem noch zu punkten. Doch als da Silva in seinem zweiten Saisonspiel den Ball nicht bekommt, und dann auch noch strauchelt, ist Grafite mit einem Pass von Zvjedzan Misimovic auf und davon, auch der verzweifelte Rettungsversuch von Mathijsen nützt nichts mehr (28.). Elegant hebt Grafite den ball über den herausstürzenden Frank Rost. Der Tabellenführer lag mit 0:3 hinten und es war noch keine halbe Stunde gespielt.
Vor allem in der ersten Halbzeit erwiesen sich da Silva und die HSV-Innenverteidigung insgesamt als Unsicherheitsfaktor.
Beim Stand von 0:3 reagierte Jol: Er nahm Boateng heraus, ließ Demel rechten Verteidiger spielen, Jonathan Pitroipa, Neuverpflichtung aus Freiburg, kam ins rechte Mittelfeld. „Da siehst du vielleicht besser aus, mit einem Flügelspieler wie Pitroipa, aber wenn es konkret wird...“, sagt Jol. Sein Vorwurf war, dass es eben nicht konkret wurde, keine Tore fielen. Anders als bei Wolfsburg, „die das sehr sachlich gemacht haben“, wie Jol fand.
Magath lobte die „Effektivität“ seiner Mannschaft, die aus fünf Chancen drei Tore machte. Er habe seine Spieler in der Halbzeit gewarnt, vor der Fähigkeit des HSV Rückstände aufzuholen, „und so haben wir das Spiel dann souverän und kontrolliert nach Hause gebracht“, sagte Magath.
Der HSV versuchte sich aufzubäumen, kämpfte, ging engagierter in die Zweikämpfe, doch die Wolfsburger wirkten fitter und frischer. Stets hatten sie einen Mann mehr in Ballnähe. Atouba, Guerrero und Pitroipa krempelten die Ärmel hoch, doch Wolfsburg machte fast keine Fehler.
Die zweite große Torchance hatte der HSV nach 75. Minute, eingeleitet von einer Unachtsamkeit des ansonsten exzellenten Andrea Barzagli, der die VfL-Abwehr dirigierte, stürmte Guerrero allein aufs VfL-Tor zu, doch Diego Benaglio im Wolfsburger Tor hielt. „Wenn du die Chance machst und wir den Elfmeter kriegen, dann können wir vielleicht noch was tun“, sagte Jol. Doch Schiedsrichter Knut Kircher nahm den Elfer, den er nach einem vermeintlichen Foul Schäfers an Guerrero schon gepfiffen hatte, wieder zurück, weil sein Assistent an der Linie protestiert hatte. Statt Elfmeter für den HSV gab es Freistoß für den VfL.
Nun ist der HSV Vierter hinter dem punktgleichen Aufsteiger TSG Hoffenheim und dem VfB Stuttgart. Wolfsburg ist Sechster hinter den punktgleichen Leverkusenern und einen Punkt vor Werder Bremen. Die Nummer eins im Norden war – zumindest bei diesem Spiel – der VfL Wolfsburg. Die Wolfsburger Fans feierten das mit „so ein Tag“, was deutsche Fußballfans nur im Zustand größten Glücks tun.
Wolfsburg gegen den HSV
Der VfL Wolfsburg bremst den HSV:
Nach einer halben Stunde war das Spiel entschieden,
denn da stand es schon 3:0.
Ein Rückblick von Roger Repplinger

Im Mittelpunkt: Felix Magath siegte mit Wolfsburg 3:0 gegen den Hamburger SV.
Foto Hoch Zwei
Auf der Oberlippe von Martin Jol stand Schweiß. „Das ist ein Abenteuer“, sagte der Trainer des Hamburger SV nach der 0:3-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg vor 30 000 Zuschauern in der ausverkauften Volkswagen-Arena. Für Jol ist es ein „Abenteuer“, dass sich seine Mannschaft während der Saison einspielen muss.
Beide Trainer rotierten. Der eine, Felix Magath vom VfL Wolfsburg, ein wenig: Im Unterschied zum 1:0-Uefa-Pokalsieg gegen Rapid Bukarest begann Ashkan Dejagah für Edin Dzeko. Jol rotierte heftig: Drei Änderungen im Vergleich zum 0:0 im Uefa-Pokalspiel gegen Unirea Urziceni: In der Innenverteidigung begann Alex da Silva mit Joris Mathijsen statt mit Bastian Reinhardt, für Marcell Jansen startete Thimothee Atouba als linker Verteidiger und für Thiago Neves stand Jerome Boateng in der Anfangsformation. Der HSV spielte ohne Neves nicht mit einer Raute, sondern mit den defensiven Mittelfeldspielern David Jarolim und Nigel de Jong.
Wobei Jol immer betont, dass es nicht darauf ankommt, wie viele „Sechse“ auf dem Platz stehen, sondern darauf, welcher „Sechser bleibt und welcher geht“. Jarolim war der Sechser, der nach vorne ging, de Jong der Sechser, der hinten blieb.
Es zeigte sich, dass die Innenverteidigung da Silva/Mathijsen gegen Wolfsburg ebenso wackelte wie Reinhardt/da Silva gegen Urziceni. „Das geht nicht anders, wir müssen die neuen Spieler integrieren, auch wenn es schwierig ist“, erklärte Jol. Er steckt in einer Zwickmühle: Reinhardt und Joris Mathijsen sind eingespielt und harmonieren miteinander, genau deshalb muss da Silva Spielpraxis bekommen. Sonst sitzen er und Thiga Neves bis zur Winterpause draußen. „Und dann würden alle sagen: Da sitzen 20 Millionen auf der Bank, warum spielen die nicht“, sagt Jol.
Mathijsen hatte in der 8. Minute die erste HSV-Chance, köpfte aber den Eckball von Piotr Trochowski knapp neben das VfL-Tor.
Das erste Tor machte Wolfsburg: Außenverteidiger Marcel Schäfer setzte sich auf der linken Seite durch, Guy Demel kam zu spät, die Hereingabe verwandelte Dejagah, Atouba war nicht nahe genug an ihm dran, die HSV-Innenverteidigung nicht zur Stelle (15.). Das zweite Wolfsburger Tor fiel von der anderen Seite. Freistoß: VfL-Innenverteidiger Alexander Madlung hinaus auf Sascha Riether, der flankt und diesmal verwandelt Madlung (22.). Der dritte 0:2-Rückstand für den HSV in dieser Saison. Bislang gelang es immer, trotzdem noch zu punkten. Doch als da Silva in seinem zweiten Saisonspiel den Ball nicht bekommt, und dann auch noch strauchelt, ist Grafite mit einem Pass von Zvjedzan Misimovic auf und davon, auch der verzweifelte Rettungsversuch von Mathijsen nützt nichts mehr (28.). Elegant hebt Grafite den ball über den herausstürzenden Frank Rost. Der Tabellenführer lag mit 0:3 hinten und es war noch keine halbe Stunde gespielt.
Vor allem in der ersten Halbzeit erwiesen sich da Silva und die HSV-Innenverteidigung insgesamt als Unsicherheitsfaktor.
Beim Stand von 0:3 reagierte Jol: Er nahm Boateng heraus, ließ Demel rechten Verteidiger spielen, Jonathan Pitroipa, Neuverpflichtung aus Freiburg, kam ins rechte Mittelfeld. „Da siehst du vielleicht besser aus, mit einem Flügelspieler wie Pitroipa, aber wenn es konkret wird...“, sagt Jol. Sein Vorwurf war, dass es eben nicht konkret wurde, keine Tore fielen. Anders als bei Wolfsburg, „die das sehr sachlich gemacht haben“, wie Jol fand.
Magath lobte die „Effektivität“ seiner Mannschaft, die aus fünf Chancen drei Tore machte. Er habe seine Spieler in der Halbzeit gewarnt, vor der Fähigkeit des HSV Rückstände aufzuholen, „und so haben wir das Spiel dann souverän und kontrolliert nach Hause gebracht“, sagte Magath.
Der HSV versuchte sich aufzubäumen, kämpfte, ging engagierter in die Zweikämpfe, doch die Wolfsburger wirkten fitter und frischer. Stets hatten sie einen Mann mehr in Ballnähe. Atouba, Guerrero und Pitroipa krempelten die Ärmel hoch, doch Wolfsburg machte fast keine Fehler.
Die zweite große Torchance hatte der HSV nach 75. Minute, eingeleitet von einer Unachtsamkeit des ansonsten exzellenten Andrea Barzagli, der die VfL-Abwehr dirigierte, stürmte Guerrero allein aufs VfL-Tor zu, doch Diego Benaglio im Wolfsburger Tor hielt. „Wenn du die Chance machst und wir den Elfmeter kriegen, dann können wir vielleicht noch was tun“, sagte Jol. Doch Schiedsrichter Knut Kircher nahm den Elfer, den er nach einem vermeintlichen Foul Schäfers an Guerrero schon gepfiffen hatte, wieder zurück, weil sein Assistent an der Linie protestiert hatte. Statt Elfmeter für den HSV gab es Freistoß für den VfL.
Nun ist der HSV Vierter hinter dem punktgleichen Aufsteiger TSG Hoffenheim und dem VfB Stuttgart. Wolfsburg ist Sechster hinter den punktgleichen Leverkusenern und einen Punkt vor Werder Bremen. Die Nummer eins im Norden war – zumindest bei diesem Spiel – der VfL Wolfsburg. Die Wolfsburger Fans feierten das mit „so ein Tag“, was deutsche Fußballfans nur im Zustand größten Glücks tun.
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