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Reden wir über Geld, das der HSV nicht hat
Die Bundesligaklubs suchen nach dem geplatzten Fernsehvertrag mit Sirius nach neuen Einnahmequellen. Bernd Hoffmann, Präsident des HSV, wagt sich mit einem Fondsmodell vor, mit dem teure Transfers bezahlt werden könnten.Von Roger Repplinger.

Dietmar Beiersorfer und Bernd Hoffmann
Vier, fünf Millionen werden dem Hamburger SV fehlen: Der
geplatzte Deal mit Sirius bringt auch Dietmar Beiersdorfer (Sportdirektor) und
Bernd Hoffmann (Präsident) Probleme Foto Hoch Zwei


Reden wir über Geld. Nicht das Geld, das wir nicht haben, sondern das Geld, das der HSV nicht hat. Wir reden also über andere Größenordnungen, über Fußball und Bernd Hoffmann, den Vorstandsvorsitzenden des Hamburger SV und seinen Versuch, die Profimannschaft in Zeiten, in denen die ökonomischen Rahmenbedingungen düster sind, trotzdem zu verstärken.

Bernd Hoffmann, 45 Jahre alt, studierter Ökonom, hat eine Idee entwickelt, die er „Anstoß³“ nennt: Sponsoren aus der Wirtschaftsregion Hamburg sollen Spielertransfers mitfinanzieren. Man muss kreativ sein in diesen Tagen, um an Geld heranzukommen. Über die üblichen Kanäle kommt nicht mehr viel.

Das Kartellamt hat gegen Pläne von DFL und Sirius, einer Firma des Medienunternehmers Leo Kirch, Einspruch eingelegt. Das Amt wollte der Zentralvermarktung durch die DFL nur unter der Bedingung zustimmen, dass weiterhin eine Bundesliga-Zusammenfassung samstags vor 20 Uhr im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen ist. Eines der zwei Modelle von DFL und Sirius sah jedoch eine Zusammenfassung nach 22 Uhr vor, um damit Premiere mehr Exklusivität zu sichern und mehr Abonnenten zum Pay-TV-Sender zu zwingen. Der Einspruch des Kartellamts ließ den Vertrag platzen.

Ende Oktober schreibt die Liga die TV- und Medien-Rechte der Saison 2009/2010 erneut aus, Ende Januar 2009 sollen die nationalen Rechte verkauft sein. Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzender der Bayern München AG, erwartet einen Erlös von 409 Millionen Euro. Dies liegt unter dem, was Sirius garantiert hätte, und entspricht dem, was die DFL momentan vor allem von Premiere (205 Millionen Euro) und ARD (97 Millionen) bekommt.

Vier, fünf Millionen werden dem HSV durch diese Entwicklung fehlen.

Die DFL denkt über eine Aufweichung des Spielsplans nach. Hätte es mit Kirchs Sirius geklappt, hätte es mit Beginn der nächsten Saison ein Spiel am Freitag, fünf am Samstag und drei am Sonntag gegeben. Nun sind auch andere Modelle denkbar. Keiner weiß, ob die Fans da mitmachen.

Beim HSV-Marketing ist nicht mehr viel drin. Mehr Zuschauer als momentan geht auch nicht, das Stadion ist voll. Höhere Eintrittspreise sind kaum durchsetzbar. So schlägt Bernd Hoffmann „Anstoß³“ hoch. Die „³“ steht dafür, dass drei Investoren in einen Fonds einzahlen, aus dem die Ablösesumme für einen bestimmten Transfer finanziert wird. Der Investor erhält dafür einen Teil der Transferrechte des betreffenden Spielers. Wird der Spieler weiter verkauft, erzielen die Investoren am Mehrerlös Renditen. Über einen Verkauf entscheidet nach wie vor der HSV. Wechselt der Spieler ablösefrei, ist das Geld weg.

Möglicherweise brachten Hoffmann die Erfahrungen, die der HSV bei den Transfers der Spieler Alex Silva und Thiago Neves machte, auf diese Idee. Die Transfer- und Persönlichkeitsrechte der Brasilianer lagen bei amerikanischen Investoren. Der HSV bekam die kompletten Transferrechte beider Spieler, allerdings würden eventuell erzielte Ablösesummen bei Silva nur zu 50 und bei Neves zu 80 Prozent beim HSV landen. Ohne diese Einschränkungen hätte der HSV diese Transfers nicht finanzieren können.

Hoffmann äußert sich zu seinen Vorschlägen mittlerweile nicht mehr. Als dies noch anders war, sagte er dem „Hamburger Abendblatt“: „Wir haben dieses Konzept entwickelt, das aus unserer Sicht nur in einer Stadt wie Hamburg umsetzbar ist – bezogen auf die wirtschaftliche Kraft, aber auch auf die Vernetzung zwischen HSV und der Stadt.“ Klar ist, der HSV will keine Spekulanten anlocken. Der Lokalzeitung erklärte Hoffmann außerdem: „Das ist auf jeden Fall eine Option für die Zukunft, die wir uns offen halten, wenn sich eine konkrete Chance bietet.“

Aus DFL-Kreisen ist zu hören, dass derartige Modelle denkbar sind. Spätestens, wenn es um die Lizenz geht, sehen die DFL-Juristen, wie viel vom HSV dem HSV noch gehört.

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