BUNDESLIGA
Revolution noch einmal verschoben
Der FC Bayern siegt äußerst glücklich gegen die Emporkömmlinge aus Hoffenheim. Nach dem atemberaubenden Spitzenspiel müssen die Münchner um ihre Vormachtsstellung fürchten, denn der Aufsteiger spielt, was Jürgen Klinsmann spielen lassen wollte.

Hoffenheimer Jubel in München
Das ganze Dorf ist da: Hoffenheimer Jubel nach dem 1:0 durch Vedad Ibisevic in München
Foto Hoch Zwei


Tobias Weis hatte keine Zeit, sich enttäuscht auf den Rasen fallen zu lassen. Er suchte, wie schon während der 90 Minuten zuvor, die Nähe zu Franck Ribéry. Beide tauschten die Trikots. Nach einem normalen Bundesligaspiel übt sich der Ribéry mit den meist unterlegenen Gegnern gerne in höflichem Smalltalk. Man will ja nicht arrogant wirken, wenn sich die Kollegen redlich bemüht haben. Doch dieses Mal war der kleine Franzose noch zu ausgepumpt, um seinem Widersacher im Mittelfeld anerkennend auf die Schulter zu klopfen, wie es nach diesem temporeichen, streckenweise brillanten Spiel verdient gewesen wäre.

„Un partido muy intenso“, sei das gewesen, ein intensives Spiel, fand der Reporter eines Südamerikanischen Fernsehsenders. In 168 Ländern wurde das Spitzenspiel der Bundesliga übertragen, und nachdem ihm die Namen der Hoffenheimer anfangs nicht ohne Angaben zu Geburtsdatum, Körpergröße und aktuellem Körpergewicht verlesen hatte, wie ein Nachrichtensprecher, kamen ihm die Namen der „Choffenheimer“ mit zunehmender Begeisterung von den Lippen.

Das Tor von Luca Toni in der Nachspielzeit entschied das Spiel, der FC Bayern hat glücklich gegen den Aufsteiger Hoffenheim gewonnen. „Hoffenheim ist die beste Mannschaft in der Bundesliga, die gegen uns gespielt hat. Aber wir hatten auch genügend Torchancen, um früher das 2:1 zu machen“, sagte Jürgen Klinsmann, der nach Tonis Treffer so vital auf den Rasen gehüpft war, als würde er immer noch das Trikot der Bayern tragen, anstatt ihr Trainer zu sein. Beide Mannschaften sind nun punktgleich, Hoffenheim liegt vorne, weil die Elf von Ralf Rangnick vier Tore mehr geschossen hat.

Rangnick bekam nach dem Spiel kaum etwas heraus, zu grausam war der Fußball am Ende mit seiner Mannschaft umgegangen: „Das Ergebnis ist für uns extrem bitter. Ein Unentschieden wäre absolut verdient gewesen, zumal wir dem 2:1 näher waren als die Bayern. Wenn man das Spiel dann so verliert, ist das schon brutal“, sagte er und niemand mochte ihm widersprechen.

Sie hatten ihren Tempofußball auch gegen die gut organisierte Defensive der Bayern durchgebracht. Und das obwohl streckenweise ein wenig Nervosität zu spüren war, und der überragende Lucio in den Zweikämpfen meistens Sieger gegen das Tempodribbling der Hoffenheimer Offensive blieb.
Es ging so häufig hin- und her wie noch in keinem Bundesligaspiel der Bayern im eigenen Stadion. Was die Fans der Münchner am meisten überraschte: Streckenweise demonstrierte der Gast das vertikale Spiel, was Klinsmann so gerne häufiger von seinem Team sehen wollte. In atemberaubender Geschwindigkeit nach der Balleroberung umzuschalten, wo die Angreifer mit dem genauen Steilpass in die Lücken der Abwehr angespielt werden. Und es taten sich einige Lücken auf: Vedad Ibisevic nütze eine zur Führung in der 49. Minute, sein bosnischer Landsmann Sejad Salihovic vergab die größte kurz vor Schluss. Die Bayern sind auf die überragende Qualität ihrer Spieler angewiesen. Darauf, dass Philipp Lahm ein Tor schießt, wie er es auch im WM-Eröffnungsspiel gegen Costa Rica erzielte.

Franck Ribéry und seine Mitspieler mussten an ihre Grenzen gehen, um gegen Hoffenheim glücklich zu gewinnen. Dass in der Bundesliga nun die alten Hierarchien wiederhergestellt werden, schien keiner der Spieler zu glauben, die da nach Luft ringend auf dem Rasen standen.
Matthias Greulich

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