HERTHA BSC
Der Riese legt sich wieder schlafen
Hertha BSC hat durch einem überraschenden 5:1-Sieg gegen zuletzt starke Wolfsburger die theoretische Chance auf den Klassenerhalt gewahrt. Nach der von Randalen überschatteten Heimniederlage gegen Nürnberg hätten damit selbst Berufsoptimisten nicht gerechnet.

Während die gesamte Spielertraube aus Nürnberg vor dem Gästeblock ausgelassen feierte, brannten auf der gegenüberliegenden Seite bei ungefähr 150 nicht ganz so gut gelaunten Zuschauern aus der Hauptstadt die Sicherungen durch. Mit Latten und Fahnenstangen bewaffnet, stürmten sie den Innenraum des Stadions und schlugen so ziemlich alles kurz und klein, was sich ihnen in den Weg stellte. Die Spieler aus Nürnberg rannten geschockt in Richtung Kabinentrakt. Herthas Präsident Gegenbauer bemühte sich unmittelbar nach den Vorfällen um Schadenbegrenzung: „Wir verurteilen dieses Verhalten aufs Schärfste und werden alles Mögliche tun, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen“. Die juristische Aufarbeitung der Vorfälle hat begonnen: Gegen 23 seiner Anhänger hat der Verein ein bundesweites Stadionverbot verhängt. Ihnen drohen zudem Anzeigen wegen Landfriedens- und Hausfriedensbruchs.
Die sportliche Situation ist für die Berliner ebenfalls bedrückend: Nach dreizehn Jahren in der Ersten Liga steht der Club kurz vor dem Abstieg. Manager Preetz rang vor einigen Journalisten gar mit den Tränen: „Wundert Sie das? Ich arbeite seit 14 Jahren für diesen Verein. Dies ist die schlimmste Zeit meines Lebens. Wir brauchen ein Wunder, um da noch rauszukommen." Die Berliner haben acht Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz 16 – bei einem hammerharten Restprogramm unter anderem noch gegen die komplette Top-Five der Bundesliga.
„Es gibt Wunder, aber es wird ganz schwierig“, sagt mittlerweile sogar Herthas Rekordspieler Pal Dardai. Seit mehreren Wochen spielten die nahezu kompletten Nachbarn im Bundesliga-Keller den Berlinern die Möglichkeiten wieder heranzukommen nur so zu. Doch jedes Mal wenn es darum ging wieder Boden gutzumachen, scheiterten sie kläglich. Vor allem die Heimbilanz ist erschütternd: Von bisher möglichen 39 konnten sie acht Punkte holen. Seit dem 8. August 2009 wartet man an der Spree auf den zweiten Heimsieg in dieser Saison. An mangelnder Unterstützung seitens der Fans kann es jedenfalls nicht liegen. Im Durchschnitt pilgerten bisher knapp 44 000 Anhänger pro Heimspiel in das Berliner Olympiastadion. Ein Wert, der im oberen Tabellendrittel der Liga liegt. „Der Rückhalt unserer Fans ist fantastisch und angesichts unserer bisher gezeigten Leistungen alles andere als selbstverständlich“, sagte Manager Michael Preetz bereits nach der 0:2 Schlappe gegen Hoffenheim.
Wie konnte es aber zum sportlichen Absturz nach Platz vier in der Vorsaison kommen? Präsident Gegenbauer und Manager Preetz stehen öffentlich in der Kritik. Man habe den Club wohlwissend ob der schwerwiegenden Abgänge zum Ende der letzten Saison nicht adäquat verstärkt und sich zu sehr von der erfolgreichen Spielzeit zuvor blenden lassen. Der Handlungsspielraum der beiden war allerdings stark eingeschränkt: In der Ära von Ex-Manager Dieter Hoeneß hatte der Verein mehr Geld ausgegeben als er hatte. Trainer Lucien Favre hatte eine fragile Elf von Künstlern zusammengestellt, die für den Abstiegskampf nicht geeignet ist. Sein Nachfolger Friedhelm Funkel hat das Team zwar stabilisiert, aber die Wende zum Besseren konnte auch er bislang nicht schaffen.
Jürgen Röber nannte Hertha BSC zu Beginn seiner Amtszeit 1996 einen „schlafenden Riesen“. Er sollte recht behalten, als es gut lief, reagierten die Berliner euphorisch auf den Hauptstadtclub. Am 8. Mai droht die Fußballprovinz mit Fahrten nach Paderborn und Oberhausen. Der Riese wird sich wieder zur Ruhe legen.
Kai Butterweck
Foto
Der Riese legt sich wieder schlafen
Hertha BSC hat durch einem überraschenden 5:1-Sieg gegen zuletzt starke Wolfsburger die theoretische Chance auf den Klassenerhalt gewahrt. Nach der von Randalen überschatteten Heimniederlage gegen Nürnberg hätten damit selbst Berufsoptimisten nicht gerechnet.

Das war einmal: Ein weiblicher Herthafan soll 1999 im Fotoshooting die Aufbruchsstimmung symbolisieren
Foto Pixathlon
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Während die gesamte Spielertraube aus Nürnberg vor dem Gästeblock ausgelassen feierte, brannten auf der gegenüberliegenden Seite bei ungefähr 150 nicht ganz so gut gelaunten Zuschauern aus der Hauptstadt die Sicherungen durch. Mit Latten und Fahnenstangen bewaffnet, stürmten sie den Innenraum des Stadions und schlugen so ziemlich alles kurz und klein, was sich ihnen in den Weg stellte. Die Spieler aus Nürnberg rannten geschockt in Richtung Kabinentrakt. Herthas Präsident Gegenbauer bemühte sich unmittelbar nach den Vorfällen um Schadenbegrenzung: „Wir verurteilen dieses Verhalten aufs Schärfste und werden alles Mögliche tun, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen“. Die juristische Aufarbeitung der Vorfälle hat begonnen: Gegen 23 seiner Anhänger hat der Verein ein bundesweites Stadionverbot verhängt. Ihnen drohen zudem Anzeigen wegen Landfriedens- und Hausfriedensbruchs.
Die sportliche Situation ist für die Berliner ebenfalls bedrückend: Nach dreizehn Jahren in der Ersten Liga steht der Club kurz vor dem Abstieg. Manager Preetz rang vor einigen Journalisten gar mit den Tränen: „Wundert Sie das? Ich arbeite seit 14 Jahren für diesen Verein. Dies ist die schlimmste Zeit meines Lebens. Wir brauchen ein Wunder, um da noch rauszukommen." Die Berliner haben acht Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz 16 – bei einem hammerharten Restprogramm unter anderem noch gegen die komplette Top-Five der Bundesliga.
„Es gibt Wunder, aber es wird ganz schwierig“, sagt mittlerweile sogar Herthas Rekordspieler Pal Dardai. Seit mehreren Wochen spielten die nahezu kompletten Nachbarn im Bundesliga-Keller den Berlinern die Möglichkeiten wieder heranzukommen nur so zu. Doch jedes Mal wenn es darum ging wieder Boden gutzumachen, scheiterten sie kläglich. Vor allem die Heimbilanz ist erschütternd: Von bisher möglichen 39 konnten sie acht Punkte holen. Seit dem 8. August 2009 wartet man an der Spree auf den zweiten Heimsieg in dieser Saison. An mangelnder Unterstützung seitens der Fans kann es jedenfalls nicht liegen. Im Durchschnitt pilgerten bisher knapp 44 000 Anhänger pro Heimspiel in das Berliner Olympiastadion. Ein Wert, der im oberen Tabellendrittel der Liga liegt. „Der Rückhalt unserer Fans ist fantastisch und angesichts unserer bisher gezeigten Leistungen alles andere als selbstverständlich“, sagte Manager Michael Preetz bereits nach der 0:2 Schlappe gegen Hoffenheim.
Wie konnte es aber zum sportlichen Absturz nach Platz vier in der Vorsaison kommen? Präsident Gegenbauer und Manager Preetz stehen öffentlich in der Kritik. Man habe den Club wohlwissend ob der schwerwiegenden Abgänge zum Ende der letzten Saison nicht adäquat verstärkt und sich zu sehr von der erfolgreichen Spielzeit zuvor blenden lassen. Der Handlungsspielraum der beiden war allerdings stark eingeschränkt: In der Ära von Ex-Manager Dieter Hoeneß hatte der Verein mehr Geld ausgegeben als er hatte. Trainer Lucien Favre hatte eine fragile Elf von Künstlern zusammengestellt, die für den Abstiegskampf nicht geeignet ist. Sein Nachfolger Friedhelm Funkel hat das Team zwar stabilisiert, aber die Wende zum Besseren konnte auch er bislang nicht schaffen.
Jürgen Röber nannte Hertha BSC zu Beginn seiner Amtszeit 1996 einen „schlafenden Riesen“. Er sollte recht behalten, als es gut lief, reagierten die Berliner euphorisch auf den Hauptstadtclub. Am 8. Mai droht die Fußballprovinz mit Fahrten nach Paderborn und Oberhausen. Der Riese wird sich wieder zur Ruhe legen.
Kai Butterweck
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