BUCH
Wo stecken bloß die Bayern?
Niko Malente ist glühender Schalke-Fan. Nach der „Vier-Minuten-Meisterschaft“ von 2001 fasst er einen Entschluss: Er entführt den Mannschaftsbus des FC Bayern München. Erik Wegener hat „11 Feinde“ geschrieben, einen skurrilen Fußballroman. Von Jonas Strohschein

Schalkefans

Ein Traum seit über 50 Jahren: Schalke mit der Schale Foto Pixathlon



Seien wir ehrlich, machen wir uns nichts vor: Auch wenn der Meisterschaftskampf in diesem Jahr spannend ist wie schon lange nicht mehr, auch wenn der FC Schalke 04 zwei Spieltage vor Saisonende punktgleich mit den Bayern an der Tabellenspitze steht, ganz tief drinnen weiß es eigentlich jeder Fußballfan: Am Ende wird es wie so oft der Rekordmeister aus München sein, der die Schale zum gefühlten 30. Mal feiert. Und Schalke? Schalke wird weiter auf die erste Meisterschaft seit Adenauers Zeiten warten, wird wieder „Meister der Herzen“. Da hilft kein Meistermacher Magath, kein Torgarant Kuranyi und auch kein Eigengewächs Manuel Neuer. Dem Fußballgott schmeckte Weißwurst schon immer besser als das westfälische Nationalgericht „Himmel und Hölle“. So war es schon 2001 und so wird es wieder kommen, es ist eines der ungeschriebenen Fußballgesetze. Nur einer könnte die Knappen noch vor diesem Schicksal retten: Niko Malente, Mitte 30, frustrierter Bürokaufmann bei einem Münchner Stromunternehmen und imaginäre Hauptfigur in Erik Wegeners Schalke-Roman „11 Feinde“.

Seit er denken kann ist Niko glühender Anhänger der Königsblauen. Größer als seine Liebe zu Schalke ist nur eines, der Hass auf den „FC Unsympath“ und seine „dummdreisten Anhänger“, die Abneigung gegen die „Arroganz Arena“ und die darin sitzenden „Opportunisten im Schalensitz“, die grenzenlose Verachtung gegenüber den „bayrischen Erfolgshuren“. Am 19. Mai 2001,dem letzten Bundesligaspieltag der Saison, reift in Niko schließlich ein folgenschwerer Entschluss: Patrik Andersson hat die Bayern gerade in der 96. Minute zur Meisterschaft geschossen und Schalke in buchstäblich letzter Sekunde vom Ligathron gestoßen. „Wie wenn dir einer das Herz rausreißt“, beschreibt der Schalker Kultspieler Jörg Böhme die Situation damals treffend, und auch Niko weiß spätestens seit diesem verhängnisvollem Tag: Er muss dem Schalker Schicksal höchstpersönlich auf die Sprünge helfen! Was liegt da näher, als den Mannschaftsbus der Bayern zu entführen und die Millionentruppe einfach mal für ein paar Wochen auf einem verlassenenen Militärgelände im tiefsten Osten der Republik zu verstecken? Eben, nichts! Gemeinsam mit seinem arbeitslosen Freund Anton, einem leidenschaftlichem Sechziger-Fan, setzt Niko seine Pläne in die Tat um. Das Schicksal nimmt seinen Lauf ...

Auf 203 Seiten beschreibt der freie Journalist und Schalke-Fan Erik Wegener unterhaltsam und locker das verzweifelte Fandasein Niko Malentes. Hierbei vermischen sich reale Ereignisse wie die unvergessene „Vier-Minuten-Meisterschaft“ der Schalker mit der fiktiven Romanhandlung. Schade ist dabei, dass die gesamte Bayern-Crew im Gegensatz zu den Schalkern Künstlernamen verpasst bekommen hat. Vom jähzornigen Manager „Wurstheinz“ Belgrader, über den französischen Dauernörgler Bathenay bis hin zum „ganz und gar untypischen Profi“ Christian Linders, der schon ein Tourpraktikum bei den „Sportfreunden Stiller“ absolviert hat. Hoeneß, Lizarazu und Scholl hätten ihre Freude an diesen drei Charakteren.

„11 Feinde, Schalke-Roman“ ist mit Sicherheit eine probates Mittel um die fußballfreie Zeit in der Sommerpause einigermaßen sinnvoll zu füllen. Einfache Sprache, eine skurrile Geschichte und ein überraschendes Ende zeichnen das Buch aus. Sollte es für die Schalker in diesem Jahr allerdings wieder einmal nicht für den Platz an der Sonne reichen, sind alle Fans der „Knappen“ hiermit dazu aufgerufen einen großen Bogen um diesen Roman zu machen. Nicht das noch jemand auf dumme Ideen kommt, und wir mit nur 17 Mannschaften in die neue Spielzeit starten. Glück auf!


Erik Wegener
11 Feinde, Schalke-Roman
Kunst- und Textwerk Verlag
203 Seiten, 9,80 Euro, Taschenbuch
www.elffeinde.de

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