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WM-VORBEREITUNG
Heimspiel mit Sombrero
Hollands Offensive überzeugt beim Sieg über Mexiko - auch ohne Sneijder und Robben. Der Gegner, der eine erbärmliche erste Hälfte spielte, hatte in Freiburg ein Heimspiel: Tausende Fans aus ganz Europa unterstützten den Außenseiter. Von Christoph Ruf, Freiburg

Holland

Jubel in Freiburg: Robin van Persie freut sich über einen seiner beiden Treffer im Test gegen Mexiko, Teamkollege Dirk Kuijt freut sich mit Foto Pixathlon


Es dürfte auch in Zukunft nicht allzu oft vorkommen, dass Marilyn Monroe, Barack Obama, Jesus von Nazareth und Justin Bieber gleichzeitig mitten in einer größeren Menschenmenge aus einem Reisebus steigen. Doch einmal angenommen, das Unwahrscheinliche geschieht –das Gejohle, Geschreie und Geblitze könnte auch dann kaum größer sein als das vom frühen Mittwoch Abend. Da entstieg ein spärlich behaarter 26-Jähriger namens Arjen Robben dem Reisegefährt der niederländischen Fußball-Nationalmannschaft. Der Angestellte des FC Bayern sollte an diesem Abend sportlich eine untergeordnete Rolle spielen – er wurde ebenso geschont wie die beiden anderen Champions-League-Finalisten Mark van Bommel und Wesley Sneijder. Ibrahim Afelay, an dem der HSV Gefallen gefunden zu haben scheint, spielte hingegen in der Startelf.

Die drei Großkaliber brauchte es allerdings auch nicht, um einen Gegner in Schach zu halten, der im ersten Durchgang einen ziemlich jämmerlichen Eindruck hinterließ. Als der gute Schiedsrichter Manuel Gräfe zur Halbzeit pfiff, hatten die Chronisten weit über ein halbes Dutzend Chancen notiert – und allesamt waren sie von Niederländern erspielt worden. 2:0 stand es da nach zwei schönen Toren von Robin van Persie (17./42.), dessen Team sich mühelos an den völlig derangierten Gegenspielern vorbeikombinierte. Das freute die einheimischen Fußballfans, die in ihrer Mehrheit den Niederländern die Daumen drückten. Bereits im Vorfeld der WM 2006 hatte sich das niederländische Team im nahen Hinterzarten auf das Turnier vorbereitet und ein paar Mal in Freiburg trainiert – das hat für nachhaltige Oranje-Sympathien im Südbadischen gesorgt. Heimspiel hatten dennoch eher die Mexikaner, die von tausenden zumeist jugendlichen Fans aus ganz Europa und Reisebussen voller Sombrero tragender Landsleute aus Süddeutschland und dem nahen Frankreich unterstützt wurden.

Manch einer hält Mexiko ja für den Geheimfavoriten in Gruppe vier, in die auch Frankreich, Uruguay und Südafrika gelost wurden. Und tatsächlich spielte das Team in der zweiten Halbzeit, als die Niederlande es gemächlich angehen ließen, besser. Die Darbietung des aussagekräftigeren ersten Durchgangs machte das aber auch nicht unvergessen: Bei der 3:1-Niederlage gegen England am Pfingstmontag hatten die Mexikaner wenigstens noch ein paar Torchancen vergeben – in den ersten 45 Minuten von Freiburg hatten sie nie länger als eine Atempause lang den Ball. Immer wenn die Niederländer ein wenig schneller spielten, war das ihrem Gegner zu schnell.

Allerdings dürfte sich auch Bondscoach Bert van Marwijk über die Unzulänglichkeiten des Gegners geärgert haben. Schließlich hatte er mit Khalid Boulahrouhz und Edson Braafheid auf den defensiven Außenbahnen zwei Spieler aufgeboten, die beim Turnierstart am 14. Juni gegen Dänemark eher nicht zur Stammformation gehören dürften. Die Frage, ob sie als Ersatz für Kapitän Giovanni van Bronckhorst und Gregory van der Wiel taugen, muss mangels ernsthafter Erprobung unbeantwortet bleiben. Auch wenn Abwehrmann Boulahrouz das naturgemäß anders sieht („Die Mischung stimmt, wir können auch hinten richtig gut stehen.“), gilt die Defensive als Achillesferse der Mannschaft. Auch die Ungewissheit, ob Schlussmann Maarten Stekelenburg ein halbwegs würdiger Nachfolger von Edwin van der Sar werden kann, wird die Oranje-Fans weiter umtreiben. Nach zwei kleinen Unsicherheiten im Stellungsspiel hielt der Keeper von Ajax Amsterdam gut gegen Giovanni dos Santos (75.), das 1:2 durch Javier Hernandez (74.), der in der kommenden Saison für ManU spiellt, war unhaltbar.


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