BRASILIEN
Bruno Fernandes drohen viereinhalb Jahre Gefängnis
Im aufsehenerregenden Prozess gegen Bruno Fernandes gibt es ein Urteil. Der Ex-Torwart von Flamengo Rio de Janeiro will Berufung einlegen. Von Sebastian Knoth.
„Bruno, Bruno“, schallt es noch Minuten nach dem Abpfiff. Das berühmte Maracan√£-Stadion liegt ihm zu Füßen, er ist uneingeschränkter Held des Abends. „Das war das schönste Tor meiner Karriere“, wird er später stolz zu den Journalisten sagen. Er strahlt über das ganze Gesicht. Wir schreiben den 24. April 2008. Flamengo-Torhüter Bruno Fernandes hat den Olymp seiner noch jungen Karriere soeben bestiegen. Im letzten Gruppenspiel der Copa Libertadores gelingt ihm gegen den peruanischen Außenseiter Coronel Bolognesi ein seltenes Kunststück. Der Hüne zirkelt beim Spielstand von 0:0 einen Freistoß ins untere rechte Eck und bringt seine Elf auf die Siegerstraße. Viele an der Copacabana sehen in ihm zu dieser Zeit die künftige Nummer 1 der Sele√ß√£o. Ob sich Bruno heute noch an seine einstige Wundertat erinnert? Schwer zu sagen. Fußballspielen ist momentan undenkbar. Denn Bruno ist gerade zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden.
Auf den kometenhaften sportlichen Aufstieg erfolgt in diesem Sommer der tiefe Absturz. Während Robinho und Co. in Südafrika nach den Sternen greifen, sind dem Kapitän Flamengos die Hände gebunden. In Handschellen wurde er abgeführt. Dass sich auch Spitzensportler nicht nur auf der Sonnenseite des scheinbar sorglosen Fußballerdaseins befinden, ist selbst in Brasilien kein Geheimnis. Steuerbetrug womöglich oder Fahren Alkoholeinfluss? In Fußballerkreisen durchaus nich völlig unübliche Delikte. Für Bruno sieht es deutlich düsterer aus. Seit Juli saß der ehemalige Schlussmann in Untersuchungshaft.
Nun das Urteil. Der aus dem Bundesstaat Minas Gerais stammende Bruno wird als Drahtzieher einer Entführung mit Todesfolge verurteilt. Das Opfer? Die 23-jährige Ex-Freundin des Torhüters, Eliza Samudio Was sich wie ein Remake des 1994 stattgefundenen Mordprozesses gegen O.J. Simpson anhört und der Story eines schlechten Hollywood-Streifens gleicht, hat sich in brasilianische Realität verwandelt.
Rückblick: wir befinden uns im Juni dieses Jahres. Die erste Weltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent steht vor der Tür. Ganz Brasilien ist im Fußballfieber. Straßen werden geschmückt, Wände bemalt, Trikots der Sele√ß√£o ge- und verkauft. Der Enthusiasmus im fünftgrößten Land der Erde ist kaum zu bremsen, obgleich einige Kritiker Trainer Dunga eine zu defensive Spielweise ankreiden. Ein jeder träumt vom hexa, dem sechsten Titel der Grün-Gelben. Für Brasilien sehr ungewöhnlich: während eines so bedeutungsträchtigen Turniers, füllen in der Heimat nach und nach Schlagzeilen jenseits der südafrikanischen Fußballfestspiele die Lokalpresse. Immer häufiger fällt der Name Bruno im Volksmund. Gerüchte um eine Entführung kursieren. Sogar Theorien über eine Beteiligung des Flamengo-Stars machen die Runde. Rasch kocht die Gerüchteküche über. Die Bombe geht hoch. Anfang Juni sind die ehemalige Geliebte Brunos und ihr Kind unauffindbar. Vor dem unerwarteten Verschwinden eröffnete sie der Presse, der vier Monate alte Sohn sei das Resultat ihrer Affäre mit Bruno. Name des Knaben? Ebenfalls Bruno.
Der Flamengo-Spieler, verheiratet und Vater zweier Kinder, weißt die Anschuldigungen gegenüber Journalisten zurück. Dann überschlagen sich die Ereignisse: Ein gewisser Cleiton Gon√ßalves wird am 8. Juni mit dem Range Rover des Torhüters wegen überhöhter Geschwindigkeit von der Polizei angehalten und das Vehikel sichergestellt. Triviale und belanglose Begebenheiten? Der Fall Bruno beherrscht immer mehr die Titelseiten.
Am 26. Juni, Brasilien hat sich nach einem langatmigen Unentschieden gegen Portugal am Vortag für die Zwischenrunde qualifiziert, findet die Polizei den vermeintlichen Sprössling Brunos in Belo Horizonte, der Hauptstadt des Bundesstaates Minas Gerais. Hier ist der Fußballspieler in der Nähe der Favela Santa Matilde aufgewachsen und besitzt seit Jahren ein beachtliches Anwesen in Esmaraldas, nordwestlich der Millionenstadt Belo Horizonte gelegen. Das Kind wird dem Vater der Entführten anvertraut. Von der Studentin Eliza weiterhin keine Spur.
Nicht einmal 48 Stunden später gibt Brunos Anwalt Michel Assef Filho bekannt: „Bruno betet, dass Eliza wieder auftaucht und steht der Polizei bei ihren Ermittlungen jederzeit zur Verfügung“. Der Verein Flamengo steht noch immer hinter dem 25-Jährigen, streicht ihn jedoch für das bevorstehende Testspiel sicherheitshalber aus dem Kader. Wenige Minuten später erfolgt das Einverständnis der Staatsanwaltschaft das Anwesen des Schlussmanns einer Hausuntersuchung zu unterziehen. Brunos knapper Kommentar zu den Ereignissen: “Ich lache mich schlapp, was hier passiert“. Bei den Behörden ist Bruno kein unbeschriebenes Blatt mehr. Schon im Oktober 2009 hatte die damalige Affäre Eliza ihren Liebhaber wegen Bedrohungen und handgreiflichen Übergriffen gemeldet. Ferner wurde ihm vorgeworfen, die junge Studentin seinerzeit zu einem Schwangerschaftsabbruch genötigt zu haben.
In Südafrika rollt noch immer der Ball. Brasilien hat gerade Chile überzeugend mit 3:0 geschlagen und zieht in die Runde der letzten Acht ein. Selbst die letzten Zweifler unter dem Zuckerhut räumen ihrer Mannschaft nun Chancen auf den ganz großen Wurf ein.
29. Juni 2010. In dem vor drei Wochen sichergestellten Vehikel werden Blutspuren lokalisiert. Bruno trainiert weiterhin und bekräftigt täglich sein Unwissen. Während die aktuelle Nummer Eins des fünfmaligen Weltmeisters, Júlio César, nach der empfindlichen Viertelfinal-Niederlage gegen Holland mit Tränen in den Augen stammelnd nach erklärenden Worten sucht, verwandelt sich der Fall Bruno in eine unübersichtliche, wirre Verstrickung von Ereignissen. Im Minutentakt gibt es neue Meldungen.
Dann die schockierende Nachricht: Eliza ist tot. Der 17-jährige Cousin Brunos belastet sein Familienmitglied schwer. Er will konkrete Details über die Todesursache sowie den Aufenthaltsort der Leiche kennen. Die Staatsanwaltschaft Rio de Janeiros zögert keine Sekunde und fordert unverzüglich die Untersuchungshaft des Verdächtigen. Die Verantwortlichen des CR Flamengo, Weltpokalsieger von 1981, suspendieren Bruno und distanzieren sich fortan in den Medien von ihrem Ex-Kapitän.
Mehere Festnahmen folgen. Die Frau Brunos, Dayane und Macarr√£o, ein Freund aus Kindestagen sowie weitere Verdächtige kommen ebenfalls in Arrest. Der Torhüter selbst sucht das Weite und taucht unter. Er stellt sich erst Tage später nach Absprache mit seinem Anwalt den Behörden. Wo befindet sich der Leichnam der jungen Frau und inwieweit ist der Fußballstar in die dubiosen Machenschaften involviert? Die Tage währenden Verhöre und Befragungen sind letzten Endes von Erfolg gekrönt.
Die an die Öffentlichkeit dringenden Einzelheiten versetzen selbst die an Gewalt gewöhnte brasilianische Gesellschaft in einen allgemeinen Schockzustand. Der Leichnam sei erst zerstückelt und später Hunden zum Fraße vorgeworfen worden, heißt es. Häuserwände und Betonmauern werden auf der Suche nach der Leiche im Umkreis des Ferienanwesens eingerissen und durchsucht. Die Zahl möglicher Zeugen steigt, die Sensationsgier findet kein Ende. In der Öffentlichkeit meldet sich jetzt der mutmaßliche Bekanntenkreis Brunos zu Wort. Auf einmal kennt jedermann das Monster-Bruno. „Er suchte nie Streit und war wirklich kein Problemkind. Als Profi wurde er zu unserem Vorbild. Wir trauern. Die Nachricht war eine Schreckensbotschaft für uns“, äußert sich seine ehemalige Schuldirektorin.
Ende Juli. Spanien ist erstmals Weltmeister geworden. Brasilien kommt einfach nicht zur Ruhe. Bruno leiert weiterhin seinen Unschuldssermon herunter und scheint vor Selbstsicherheit zu strotzen. Auf Grund seiner aktuellen Diffamierung, droht er dem Bundesstaat Minas Gerais mit einer Klage. Der langjährige Gefährte des Schlussmannes, Macarr√£o, wird mittlerweile als ausführendes Organ des unmenschlichen Verbrechens an den Pranger gestellt. Das Verhalten seines „Bruders“, wie Bruno Macarr√£o bezeichnet, kann die einstige Nummer Eins nicht nachvollziehen: „Ich weiß nicht, was ihm durch den Kopf gegangen ist. Heute, nach allem war passiert ist, ist es sehr schwierig weiterhin an ihn zu glauben.“
Täglich neue Nachrichten. Eliza sei in einem Shopping-Center Rio de Janeiros gesichtet worden, behauptet der neue Anwalt Brunos. Bruno weint im Gefängnis während eines Besuch seiner Großmutter. Die Verteidigung benennt die vermisste Eliza als Zeugin. Bruno rasiert sich seinen Schädel kahl und verbrennt die Haare. In seiner Heimatstadt wird der Fußballstar als persona non grata diskreditiert. Die zahllosen Gerüchte verwandeln die Ereignisse rund um das Verbrechen in ein unüberschaubares Schauspiel, das kaum noch das Interesse bei der Masse heraufbeschwört. Längst ist der Schock der einstigen Schreckensbotschaft verflogen.
Anfang Oktober sind neue Fakten zum Fall Bruno in den Zeitungen zu lesen. Die zuständige Richterin hat unlängst die Anklage der Staatsanwaltschaft akzeptiert. Nun wurden Bruno und insgesamt weiteren neun Angeklagten der Prozess wegen Mordes gemacht. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass Bruno in den Machenschaften um die Entführung mit vermeintlicher Todesfolge aktiv beteiligt war. Resultat: viereinhalb Jahre Haft. Und die Leiche? Weiterhin keine Spur.
Der beherrschte Kommentar des 25-jährigen zu den Geschehnissen rund um seine Person: „Meine Hoffnungen auf die WM 2014 kann ich jetzt wohl begraben.“
Bruno Fernandes drohen viereinhalb Jahre Gefängnis
Im aufsehenerregenden Prozess gegen Bruno Fernandes gibt es ein Urteil. Der Ex-Torwart von Flamengo Rio de Janeiro will Berufung einlegen. Von Sebastian Knoth.

Beim Training von Flamengo Rio de Janeiro: Bruno Fernandes
Foto Pixathlon
Foto Pixathlon
„Bruno, Bruno“, schallt es noch Minuten nach dem Abpfiff. Das berühmte Maracan√£-Stadion liegt ihm zu Füßen, er ist uneingeschränkter Held des Abends. „Das war das schönste Tor meiner Karriere“, wird er später stolz zu den Journalisten sagen. Er strahlt über das ganze Gesicht. Wir schreiben den 24. April 2008. Flamengo-Torhüter Bruno Fernandes hat den Olymp seiner noch jungen Karriere soeben bestiegen. Im letzten Gruppenspiel der Copa Libertadores gelingt ihm gegen den peruanischen Außenseiter Coronel Bolognesi ein seltenes Kunststück. Der Hüne zirkelt beim Spielstand von 0:0 einen Freistoß ins untere rechte Eck und bringt seine Elf auf die Siegerstraße. Viele an der Copacabana sehen in ihm zu dieser Zeit die künftige Nummer 1 der Sele√ß√£o. Ob sich Bruno heute noch an seine einstige Wundertat erinnert? Schwer zu sagen. Fußballspielen ist momentan undenkbar. Denn Bruno ist gerade zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden.
Auf den kometenhaften sportlichen Aufstieg erfolgt in diesem Sommer der tiefe Absturz. Während Robinho und Co. in Südafrika nach den Sternen greifen, sind dem Kapitän Flamengos die Hände gebunden. In Handschellen wurde er abgeführt. Dass sich auch Spitzensportler nicht nur auf der Sonnenseite des scheinbar sorglosen Fußballerdaseins befinden, ist selbst in Brasilien kein Geheimnis. Steuerbetrug womöglich oder Fahren Alkoholeinfluss? In Fußballerkreisen durchaus nich völlig unübliche Delikte. Für Bruno sieht es deutlich düsterer aus. Seit Juli saß der ehemalige Schlussmann in Untersuchungshaft.
Nun das Urteil. Der aus dem Bundesstaat Minas Gerais stammende Bruno wird als Drahtzieher einer Entführung mit Todesfolge verurteilt. Das Opfer? Die 23-jährige Ex-Freundin des Torhüters, Eliza Samudio Was sich wie ein Remake des 1994 stattgefundenen Mordprozesses gegen O.J. Simpson anhört und der Story eines schlechten Hollywood-Streifens gleicht, hat sich in brasilianische Realität verwandelt.
Rückblick: wir befinden uns im Juni dieses Jahres. Die erste Weltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent steht vor der Tür. Ganz Brasilien ist im Fußballfieber. Straßen werden geschmückt, Wände bemalt, Trikots der Sele√ß√£o ge- und verkauft. Der Enthusiasmus im fünftgrößten Land der Erde ist kaum zu bremsen, obgleich einige Kritiker Trainer Dunga eine zu defensive Spielweise ankreiden. Ein jeder träumt vom hexa, dem sechsten Titel der Grün-Gelben. Für Brasilien sehr ungewöhnlich: während eines so bedeutungsträchtigen Turniers, füllen in der Heimat nach und nach Schlagzeilen jenseits der südafrikanischen Fußballfestspiele die Lokalpresse. Immer häufiger fällt der Name Bruno im Volksmund. Gerüchte um eine Entführung kursieren. Sogar Theorien über eine Beteiligung des Flamengo-Stars machen die Runde. Rasch kocht die Gerüchteküche über. Die Bombe geht hoch. Anfang Juni sind die ehemalige Geliebte Brunos und ihr Kind unauffindbar. Vor dem unerwarteten Verschwinden eröffnete sie der Presse, der vier Monate alte Sohn sei das Resultat ihrer Affäre mit Bruno. Name des Knaben? Ebenfalls Bruno.
Der Flamengo-Spieler, verheiratet und Vater zweier Kinder, weißt die Anschuldigungen gegenüber Journalisten zurück. Dann überschlagen sich die Ereignisse: Ein gewisser Cleiton Gon√ßalves wird am 8. Juni mit dem Range Rover des Torhüters wegen überhöhter Geschwindigkeit von der Polizei angehalten und das Vehikel sichergestellt. Triviale und belanglose Begebenheiten? Der Fall Bruno beherrscht immer mehr die Titelseiten.
Am 26. Juni, Brasilien hat sich nach einem langatmigen Unentschieden gegen Portugal am Vortag für die Zwischenrunde qualifiziert, findet die Polizei den vermeintlichen Sprössling Brunos in Belo Horizonte, der Hauptstadt des Bundesstaates Minas Gerais. Hier ist der Fußballspieler in der Nähe der Favela Santa Matilde aufgewachsen und besitzt seit Jahren ein beachtliches Anwesen in Esmaraldas, nordwestlich der Millionenstadt Belo Horizonte gelegen. Das Kind wird dem Vater der Entführten anvertraut. Von der Studentin Eliza weiterhin keine Spur.
Nicht einmal 48 Stunden später gibt Brunos Anwalt Michel Assef Filho bekannt: „Bruno betet, dass Eliza wieder auftaucht und steht der Polizei bei ihren Ermittlungen jederzeit zur Verfügung“. Der Verein Flamengo steht noch immer hinter dem 25-Jährigen, streicht ihn jedoch für das bevorstehende Testspiel sicherheitshalber aus dem Kader. Wenige Minuten später erfolgt das Einverständnis der Staatsanwaltschaft das Anwesen des Schlussmanns einer Hausuntersuchung zu unterziehen. Brunos knapper Kommentar zu den Ereignissen: “Ich lache mich schlapp, was hier passiert“. Bei den Behörden ist Bruno kein unbeschriebenes Blatt mehr. Schon im Oktober 2009 hatte die damalige Affäre Eliza ihren Liebhaber wegen Bedrohungen und handgreiflichen Übergriffen gemeldet. Ferner wurde ihm vorgeworfen, die junge Studentin seinerzeit zu einem Schwangerschaftsabbruch genötigt zu haben.
In Südafrika rollt noch immer der Ball. Brasilien hat gerade Chile überzeugend mit 3:0 geschlagen und zieht in die Runde der letzten Acht ein. Selbst die letzten Zweifler unter dem Zuckerhut räumen ihrer Mannschaft nun Chancen auf den ganz großen Wurf ein.
29. Juni 2010. In dem vor drei Wochen sichergestellten Vehikel werden Blutspuren lokalisiert. Bruno trainiert weiterhin und bekräftigt täglich sein Unwissen. Während die aktuelle Nummer Eins des fünfmaligen Weltmeisters, Júlio César, nach der empfindlichen Viertelfinal-Niederlage gegen Holland mit Tränen in den Augen stammelnd nach erklärenden Worten sucht, verwandelt sich der Fall Bruno in eine unübersichtliche, wirre Verstrickung von Ereignissen. Im Minutentakt gibt es neue Meldungen.
Dann die schockierende Nachricht: Eliza ist tot. Der 17-jährige Cousin Brunos belastet sein Familienmitglied schwer. Er will konkrete Details über die Todesursache sowie den Aufenthaltsort der Leiche kennen. Die Staatsanwaltschaft Rio de Janeiros zögert keine Sekunde und fordert unverzüglich die Untersuchungshaft des Verdächtigen. Die Verantwortlichen des CR Flamengo, Weltpokalsieger von 1981, suspendieren Bruno und distanzieren sich fortan in den Medien von ihrem Ex-Kapitän.
Mehere Festnahmen folgen. Die Frau Brunos, Dayane und Macarr√£o, ein Freund aus Kindestagen sowie weitere Verdächtige kommen ebenfalls in Arrest. Der Torhüter selbst sucht das Weite und taucht unter. Er stellt sich erst Tage später nach Absprache mit seinem Anwalt den Behörden. Wo befindet sich der Leichnam der jungen Frau und inwieweit ist der Fußballstar in die dubiosen Machenschaften involviert? Die Tage währenden Verhöre und Befragungen sind letzten Endes von Erfolg gekrönt.
Die an die Öffentlichkeit dringenden Einzelheiten versetzen selbst die an Gewalt gewöhnte brasilianische Gesellschaft in einen allgemeinen Schockzustand. Der Leichnam sei erst zerstückelt und später Hunden zum Fraße vorgeworfen worden, heißt es. Häuserwände und Betonmauern werden auf der Suche nach der Leiche im Umkreis des Ferienanwesens eingerissen und durchsucht. Die Zahl möglicher Zeugen steigt, die Sensationsgier findet kein Ende. In der Öffentlichkeit meldet sich jetzt der mutmaßliche Bekanntenkreis Brunos zu Wort. Auf einmal kennt jedermann das Monster-Bruno. „Er suchte nie Streit und war wirklich kein Problemkind. Als Profi wurde er zu unserem Vorbild. Wir trauern. Die Nachricht war eine Schreckensbotschaft für uns“, äußert sich seine ehemalige Schuldirektorin.
Ende Juli. Spanien ist erstmals Weltmeister geworden. Brasilien kommt einfach nicht zur Ruhe. Bruno leiert weiterhin seinen Unschuldssermon herunter und scheint vor Selbstsicherheit zu strotzen. Auf Grund seiner aktuellen Diffamierung, droht er dem Bundesstaat Minas Gerais mit einer Klage. Der langjährige Gefährte des Schlussmannes, Macarr√£o, wird mittlerweile als ausführendes Organ des unmenschlichen Verbrechens an den Pranger gestellt. Das Verhalten seines „Bruders“, wie Bruno Macarr√£o bezeichnet, kann die einstige Nummer Eins nicht nachvollziehen: „Ich weiß nicht, was ihm durch den Kopf gegangen ist. Heute, nach allem war passiert ist, ist es sehr schwierig weiterhin an ihn zu glauben.“
Täglich neue Nachrichten. Eliza sei in einem Shopping-Center Rio de Janeiros gesichtet worden, behauptet der neue Anwalt Brunos. Bruno weint im Gefängnis während eines Besuch seiner Großmutter. Die Verteidigung benennt die vermisste Eliza als Zeugin. Bruno rasiert sich seinen Schädel kahl und verbrennt die Haare. In seiner Heimatstadt wird der Fußballstar als persona non grata diskreditiert. Die zahllosen Gerüchte verwandeln die Ereignisse rund um das Verbrechen in ein unüberschaubares Schauspiel, das kaum noch das Interesse bei der Masse heraufbeschwört. Längst ist der Schock der einstigen Schreckensbotschaft verflogen.
Anfang Oktober sind neue Fakten zum Fall Bruno in den Zeitungen zu lesen. Die zuständige Richterin hat unlängst die Anklage der Staatsanwaltschaft akzeptiert. Nun wurden Bruno und insgesamt weiteren neun Angeklagten der Prozess wegen Mordes gemacht. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass Bruno in den Machenschaften um die Entführung mit vermeintlicher Todesfolge aktiv beteiligt war. Resultat: viereinhalb Jahre Haft. Und die Leiche? Weiterhin keine Spur.
Der beherrschte Kommentar des 25-jährigen zu den Geschehnissen rund um seine Person: „Meine Hoffnungen auf die WM 2014 kann ich jetzt wohl begraben.“
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