BRASILIEN
„Feiern, feiern, feiern“
Der Karneval in Rio kann beginnen: Ronaldinho, der Star des CR Flamengo, nimmt nach langjähriger Abstinenz in diesem Jahr wieder am berüchtigten Party-Marathon teil. Von Sebastian Knoth

Foto Pixathlon
Ronaldinho führte am Sonntag seinen neuen Verein CR Flamengo bereits nach nur zwei Monaten im Dress der Schwarz-Roten zum ersten Titel – der Ta√ßa Guanabara. Den Pokalwettbewerb könnte man als die Herbstmeisterschaft der Staatsmeisterschaft Rios bezeichnen. Also eher ein weiterer belangloser Lückenfüllerwettstreit. Insbesondere die lautstarken Anhänger Flamengos wohnten dem Spektakel bei. Jeder wollte es sehen, wie die neue Nummer 10 seine Gegenspieler von Boavista in Grund und Boden dribbelte. Er ist der Messias, der den Traditionsverein endlich wieder zu alter Größe schießen soll. Und nach dem ersten Titel? Feiern, feiern, feiern. Ronaldinhos Heimkehr, den Sieg der Mannschaft, Karneval ...Feiern eben. Einen Grund findet man immer.
Der Superstar selbst hatte seine Planungen für das bevorstehende Endspiel eher auf die post-finalen Aktivitäten beschränkt. Von akribischer Beschäftigung mit dem Gegner Boavista, keine Spur. Dafür ist jetzt aber die Beteiligung des ehemaligen Weltfußballers am Karnevalsumzug bis ins kleinste Detail ausgetüftelt. Ronaldinho ließ schon vorab erklären, dass er seine Feierlaune – Beteiligung am Karneval– auf keinen Fall vom Resultat des Finales abhängig mache. Alles zu seiner Zeit. Denn Fußball bestimmt das Leben des brasilianischen Profis rund um die Uhr, doch diese stehen am Karneval still.
So vertritt Ronnie in diesem Jahr insgesamt drei Karnevals-Gruppen. Dass Flamengo noch am Samstag in der Ta√ßa Rio – der zweite Pokalwettbewerb der Staatsmeisterschaft – anzutreten hat, interessiert bei aller Anspannung nur die wenigstens. Karneval in Rio. Das bedeutet grenzenlose Vorfreude, unbeschreibliche Feierlaune und vergessen, dass ein Danach überhaupt existiert. Nach langer Abstinenz im europäischen Exil, darf Ronaldinho endlich wieder die brasilianische Blütezeit der Ausgelassenheit miterleben.
Sein Programm kann sich sehen lassen. Samstagabend ertönt der Startschuss. Nach dem Duell gegen Olaria schließt sich der Heimkehrer der Gruppe Estácio de Sá an und wird gemeinsam mit der Vereinsführung den ehrwürdigen Sambódromo – den heiligen Tempel der Feierlichkeiten und Austragungsort des Umzugs –, betreten. Am Montag, ein Tag nach dem Finale, schmückt er in Vereinsfarben die Speerspitze des Wagens der Gemeinschaft Velha Guarda. „Er ist unser Nesthäkchen“, sagt ein Mitglied der Gruppe lächelnd. Dann geht es auf die Zielgerade des Party-Marathons.
Für die Abteilung Grande Rio wirft sich der Weltfußballer anno 2004 und 2005 in Schale. Mit Anzug und Krawatte tritt die Nummer 10 erneut mit der Vereinsführung Flamengos auf. Im Vorfeld der Feierlichkeiten hat die Gruppe Grande Rio die Teilnahme ihres bekanntesten Mitglieds eindrucksvoll angekündigt. Im zu Ehren ließ das brasilianische Modell Izabela Machado die Hüllen fallen und sich das Sportoutfit Ronaldinhos auf die blanke Haut malen.
Rio Alaaf!!! Die Party kann steigen.
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