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FUNDSTÜCK
Wie der SV Alsenborn an das Tor zur Bundesliga klopfte
Das Hoffenheim der Sechziger lag in der Pfalz: Etwa zehn Kilometer vor den Toren Kaiserslauterns liegt der 3.000-Seelen-Ort Alsenborn, der zwischen 1968 und 1970 dreimal nacheinander an der Bundesliga-Aufstiegsrunde teilnahm. Henning Klefisch hat sich in der pfälzischen Fußballprovinz umgesehen.


 


Stadion an der Kinderlehre
Früher gepflegter Fußball, heute Maulwurfhügel: Das Alsenborner Stadion an der Kinderlehre ist heute Spielstätte eines Bezirksligisten. Foto Henning Klefisch

 

Eine kleine Landstraße führt von der A63 Richtung Kaiserslautern in diesen verschlafen wirkenden Ort. Schwer vorstellbar, dass der kleine SV Alsenborn zwischen 1968 bis 1970 dreimal in Serie an der Aufstiegsrunde zur Bundesliga teilnahm. 1969 fehlte dem SVA sogar nur ein einziger Punkt für die Erstklassigkeit. Ein Jahr zuvor, im Juni 1968, gab es Versuche zwei Alsenborner Leistungsträger zu bestechen. So wurden dem 21-jährigen Südwest-Torschützenkönig Jürgen Schieck 10.000 Mark angeboten, falls er absichtlich schlecht spielt. Schieck selbst hat einmal gegenüber der „Rheinpfalz“ verraten: „Vor dem Auftaktspiel in Göttingen erhielt ich freitags ein Telegramm ins Hotelzimmer, dessen Inhalt eindeutig war: ,Bieten 10.000 Mark bei Schoneinsatz.’“

Sein Mannschaftskollege Manfred Krei, Torwart des SVA,  sollen sogar 20.000 Mark angeboten worden sein. In der Aufstiegsrunde habe er ungewöhnlich schwach gehalten, beklagten sich einige Mannschaftskameraden anonym gegenüber Reportern: „Mit einem anderen Schlussmann wären wir anstatt Hertha BSC in die Bundesliga aufgestiegen.“ Sein unmittelbarer Vorgänger Willi Hölz erklärte zu dieser Thematik in der „Rheinpfalz“ im Jahre 1968: „Er hat zumindest sehr unglücklich gehalten – mehr will ich dazu nicht sagen.“
 
DFB-Sportgericht verhindert Zweitliga-Aufstieg 1974
 
Einige Jahre später im Jahr 1974 sahen sich die Alsenborner nach ihrer Meisterschaft in der Regionalliga Südwest schon in der neu eingeführten zweigleisigen Zweiten Bundesliga. Der Südwest-Zulassungsausschuss hatte zunächst den SV Alsenborn anstelle des Bundesliga-Gründungsmitglieds 1. FC Saarbrücken nominiert. Allerdings erhoben die Saarländer Einspruch und erhielten vor dem DFB-Sportgericht Recht. Begründet wurde dieser Lizenzentzug mit technischen Unzulänglichkeiten der Platzanlage und der wirtschaftlichen Unsicherheit.

Es war jedoch ein offenes Geheimnis, dass der Verein aus dem Saarbrücker Ludwigspark eine bessere Lobby beim Deutschen-Fußball-Bund besaß und beim saarländischen DFB-Präsident Neuberger große Sympathien genoss. Ein Dorfverein passte nicht in die damaligen Vorstellungen des Verbandes. Dies erklärt auch der Abteilungsleiter Ralf Bernhard, wenn er sagt: „Viele sind sich einig, dass ein Aufstieg vom DFB nicht gewollt gewesen ist. Die haben keinen Bock drauf gehabt. Ihnen war sicherlich mehr denn Recht, dass es letztlich nie gelangt hat. Sie haben alle Mittel eingesetzt, damit es nicht funktioniert hat.“ Für Bernhard scheint hingegen realistisch auch klar zu sein: „Die Bundesliga hätte funktioniert. Die 2. Bundesliga wäre absolut tödlich gewesen, weil die Zuschauer das Unterhaus nicht angenommen hätten.“ Durch den Umzug nach Ludwigshafen zahlten jeweils bis zu 65.000 Besucher bei den Aufstiegsspielen Eintritt.
 

Andere Spielphilosophie als der 1. FC Kaiserslautern
 
Fußballerisch wären die Kicker aus der Pfalz auch für die deutsche Eliteliga eine echte Bereicherung gewesen. Besonders Spieler wie Lorenz Horr, Frank Schmitt oder Jürgen Schieck machten sich mit ihrem attraktiven Offensivfußball bundesweit einen Namen. Die schnelle, technisch gut bewanderte Mannschaft aus Alsenborn konnte Ende der 60er bis Mitte der 70er Jahre einen Spielstil pflegen, der in großer Konkurrenz zum spielerisch eher biederen Lokalrivalen 1. FC Kaiserslautern stand, der eher über den Kampf zum Spiel zu kommen pflegte.

Bücher des SV AlsenbornIm Reich von Alsenborns Oberfan Günter Wicke: Erinnerungen an glorreiche Zeiten des SVA.
Foto Henning Klefisch


Alsenborns Oberfan Günter Wicke, der seit den 50er Jahren zahlreiche Spiele des SVA intensiv verfolgte und mehrere Bücher mit Devotionalien zusammengestellt hat, erinnert sich noch sehr gut an die signifikante Spielweise seines Teams: „Diese Spieler waren ein Segen für den Fußball durch ihre Begabung. Es waren technisch gute Spieler. Die Spielphilosophie hat eine besonders wichtige Rolle gespielt. Lorenz Horr war der überragende Kicker in unseren Reihen und erzielte viele wichtige Treffer.“

Das Stadion an der Kinderlehre war mit bis zu 3.000 Fans meistens ausverkauft, denn nicht nur fast alle Dorfbewohner, sondern auch die Fußballfans aus der Umgebung erquickten sich am erfrischenden Spielstil der „local heroes.“ Da es an einem Mäzen wie Dietmar Hopp in Hoffenheim in Alsenburn fehlte, fragt sich, wie ein Dorfverein wie viele andere eine derart leistungsstarke Mannschaft zusammenstellen konnte.

 

Klicken Sie hier, um Teil zwei zu lesen: „Ich bin der Fritz“. Wie Fritz Walter mit seinen Kumpels vom 1. FC Kaiserslautern am „Wunder von Alsenborn“ bastelte. 

 



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