KOLUMNE
Lehmann in der Abbey Road
Viele Musiker reden am liebsten über Fußball. Der verstorbene Joe Strummer von The Clash stellte eigenhändig eine Playlist seiner Songs für den FC St. Pauli zusammen, Jan Delay begeistert sich für Werder Bremen. Im Gegenzug ist von der Musikbegeisterung der Spieler wenig bekannt – Mehmet Scholl einmal ausgenommen. Außerdem hat Johan Micoud in Bordeaux jetzt ein eigenes Plattenlabel gegründet.


Kein Beatles-Fan: Jens Lehmann in London Foto Heiko Prigge


Ich könnte jetzt auf dicke Hose machen, wie ich vor einigen Jahren mit Jens Lehmann in der Nachbarschaft der berühmten Abbey Road in London Mineralwasser trank. Allein, der im Gespräch gleichsam intelligente wie sympathische ehemalige Keeper der deutschen Nationalelf konnte mit dem Namen des Studios, wo die Beatles ihre Hits aufnahmen, nicht wirklich viel anfangen. Gespräche über Popmusik kann man sich mit den meisten Helden auf dem Rasen – von Mehmet Scholl, der bereits zwei hörenswerte Sampler herausgebracht hat, einmal abgesehen – abschminken.

Viele Musiker geraten dagegen nicht selten in echte Begeisterung, wenn es um Fußball geht. Als der viel zu früh verstorbene Joe Strummer erfuhr, dass beim FC St. Pauli ein Tribute für The Clash im Sadion gespielt wurde, nahm sich Strummer viel Zeit, um seine Playlist zusammenzustellen. Ein sichtlich euphorisierter Jan Delay sagte nach dem Interview auf einer Wiese an der Hamburger Außenalster, es habe Spaß gemacht, endlich mal ausführlich über seinen Lieblingsklub Werder Bremen reden zu können. Kollegen wissen: Wenn der Rapper keine Lust zum Gespräch hat, kann er ähnlich missmutig wie sein Idol Johan Micoud („Die alte Miesmuschel“) werden.

Apropos Micoud. Der ehemalige Werder-Star ist nach seinem Karriereende in Bordeaux zum Musikproduzenten geworden. Mit einem befreundeten Musiker wird er im Mai die CD „Pop’n’Foot“ herausbringen. „Joe“ besitzt zwei Gitarren, übt unregelmäßig und mag Rockmusik.

Seinem Landsmann Marc Beaugé gelang das Kunststück, Nick Hornby mit Arsenal-Coach Arsène Wenger zusammenzubringen. Wenger zierte sich, während Hornby seine hochschwangere Ehefrau für eine Fahrt ins Trainingszentrum von Arsenal in den Norden Londons allein ließ. Beaugé durfte sich im Taxi übrigens Hornbys iPod leihen. „ Delikaterweise kreuzt Bob Dylan Leonard Cohen. Etwas weiter auf der Datenautobahn tritt Suicide Adam Green und Jack White auf die Füße“, notierte er. Jürgen Klinsmann ließ bei der Nationalmannschaft, dass Nick Hornby bei der Musikauswahl mehr Herzblut investiert hat als Jens Lehmann.

Matthias Greulich

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