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Europameisterschaft
Ohne Dach ist Krach
Der Hamburger SV muss das Volksparkstadion für die EM 2024 renovieren. Was neu gemacht werden muss, ist zwischen Stadt und Verein umstritten. Von Jörg Marwedel

 hsvfans

Einige Wochen ohne HSV-Fans: In der WM-Pause soll das Volksparkstadion umgebaut werden Foto: Pixathlon

 

Vor einem Jahr hat RUND prognostiziert, es werde zu Problemen bei der Finanzierung der Sanierung des Volksparkstadions für die Europameisterschaft 2024 kommen. Der HSV würde im Zuge der wirtschaftlichen Situation während der Pandemie einen Großteil der 23,5 Millionen Euro ausgeben, die er laut Vertrag vom September 2020 von der Stadt Hamburg für den Verkauf des Geländes rund um die Arena erhalten hat.

Nun sind angeblich nur noch acht Millionen übrig, obwohl der Klub die Kosten der Sanierung schon vor der Inflation auf zwanzig bis 30 Millionen Euro schätzte. Und tatsächlich hat HSV-Vorstand Thomas Wüstefeld versucht, wieder den Senat finanziell ins Boot zu holen, obwohl der Stadion-Besitzer HSV allein zur Renovierung verpflichtet ist.

Doch schon die Vertragslage scheint unklar. Während der HSV darauf verweist, die 23,5 Millionen Euro seien nicht „zweckgebunden“ gewesen, betont Sport-Staatsrat Christoph Holstein (SPD), man habe „verpflichtend vereinbart, dass aus diesem Geld alle Modernisierungs- und Sanierungsmaßnahmen finanziert werden“. Deshalb gebe es von der Stadt „keinen Cent obendrauf“.

Zudem sei der Katalog der Europäischen Fußball-Union (UEFA) sehr viel kleiner als vom HSV mitgeteilt. So soll nach UEFA-Willen nur ein Datenraum mit Kühlung, Notstrom für das Flutlicht sowie zusätzliche zehn Drehkreuze installiert werden. Bisher hieß es, man brauche ein neues LED-Flutlicht, eine Erneuerung der Sanitärräume, eine Vergrößerung des Pressebereichs, eine neue Beschallung, verbesserte Parkplätze sowie eine Renovierung des Stadiondachs. Der HSV muss wohl einen neuen Kredit aufnehmen, der wegen der internationalen Finanz-Entwicklung deutlich höhere Zinsen kostet als noch vor kurzem.

Der Milliardär Klaus-Michael Kühne, der 15 Prozent der HSV Fußball AG besitzt und auch für den Namen Volksparkstadion jährlich drei Millionen Euro zahlt, hat mal wieder eine eigene Sicht. Er empfahl in der „Bild“, auf die Austragung der EM-Spiele wegen der „äußerst kostspieligen und vom HSV nicht finanzierbaren Stadionrenovierung zu verzichten“. Wichtiger sei, eine „schlagkräftige Mannschaft aufzubauen“. Dafür wolle er „in begrenztem Umfang Mittel zur Verfügung“ stellen.

Bleibt die Frage, wem eine EM-Absage mehr schaden würde. Laut Staatsrat Holstein würde dieser „Super-Gau“ vor allem den Verein treffen. HSV-Vorstand Wüstefeld sagt dagegen, eine EM-Absage würde besonders die Stadt Hamburg treffen.



 



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