Taktik
Tiki-Taka: Ist Spaniens Ballbesitz-Fußball im modernen Spiel noch relevant?
Das Erfolgsmodell Spaniens der frühen 2010er-Jahre war in der Vergangenheit oft Teil taktischer Debatten, doch welche Bedeutung hat es heute noch?

Foto Sebastian Vollmert
Tiki-Taka war lange als prägender Spielstil im modernen Fußball gefeiert. Dabei galten der FC Barcelona und die spanische Nationalmannschaft gerade von 2008 bis 2012 als die Referenzen für diese Spielweise. Ballbesitz, ein Spiel mit kurzen Pässen und Raumkontrolle gelten dabei als dessen Grundprinzipien. Ist aber im modernen Hochgeschwindigkeitsfußball der Ballbesitz immer noch so entscheidend oder doch nur eine Option unter vielen? Taktische Entwicklungen beeinflussen Spielverläufe und gerade wer auf einer Sportwetten Plattform unterwegs ist, will für Quotenbewegungen und Analysen so viel wie möglich des Spielverlaufs verstehen. Wir schauen, warum sich heute ein neuer Blick auf Tiki-Taka lohnt.
Der Ursprung: Was genau ist Tiki Taka?
Das berühmte Tiki-Taka hat sich aus dem Positionsspiel entwickelt, als sein geistiger Vater gilt der Niederländer Johan Cruyff. Er brachte diesen mit seiner Philosophie des 'Totalen Fußballs' nach Barcelona. Dieser Spielstil wurde später von Pep Guardiola perfektioniert. Diese Art des Spiels zeichnet sich durch eine extrem hohe Passquote über kurze Distanzen aus. Es geht um eine gewisse Geduld beim Spielaufbau statt hohem Risiko beim vertikalen Spielen. Das Ziel des Systems ist unter anderem, die gegnerischen Spieler müde zu spielen und Räume auf dem Spielfeld zu öffnen. Damit kann die Mannschaft zudem das Spieltempo sehr genau selbst kontrollieren. Um eventuelle Ballverluste zu kompensieren, wird dabei hinter dem Ball mit der sogenannten Restverteidigung abgesichert.
Warum Tiki-Taka einst unschlagbar war
Die Dominanz Spaniens mit dieser Tiki Taka Spielweise zeigte sich vor allem bei den Europameisterschaften 2008 und 1012 sowie bei der Fußballweltmeisterschaft 2010. Dabei gewann Spanien das erste Mal den Titel mit einem Sieg gegen die Niederlande. Auch der FC Barcelona galt lange als der Maßstab unter den Vereinen, gerade in der Ära von Pep Guardiola. Dabei gab es mehrere Gründe für den Erfolg. Neben den technisch überragenden Profilen der Spieler wie Iniesta, Xavi und Busquets gab es auch bei den Gegnern zu dieser Zeit wenig Pressing-Resistenz. Im Großen und Ganzen vertrauten die Spieler zudem mehr in die Struktur der Mannschaft und taktischen Entscheidungen als in individuelle Aktionen.
Moderner Fußball: Wie sich das Spiel verändert hat
Heute hat Fußball noch immer eine riesige Fangemeinde und fasziniert Millionen von Sportfans. Das Spiel ist inzwischen deutlich intensiver, unter anderem auch durch Pressinglinien, also strukturierte Verteidigungslinien. Durch die vorherige Dominanz des Ballbesitzfußballs wurden natürlich auch Gegenstrategien entwickelt. Kompaktes Mittelfeld-Pressing und das schnelle Umschaltspiel nach einem Ballgewinn gehören inzwischen zum Standard im modernen Fußball. Zudem unterstützt die datengetriebene Spielanalyse Trainer und Mannschaft und ist fester Teil bei Planung und Taktik. Der Ballbesitz ist heute allein kein Erfolgsindikator mehr. Moderne Topteams wie der Liverpool FC und Real Madrid setzen auf mehr Vertikalität und weniger strikte Dominanz. Intensives Umschaltspiel und ein schneller Angriff zum Durchbrechen der gegnerischen Abwehr sind dabei einige der Gründe für deren Erfolg. Dies spiegelt sich auch in modernen Kennzahlen wie der xT (Expected Threat) wider, welche die erwartbare Gefahr statt den Ballbesitz misst.
Hat Tiki-Taka ausgedient oder sich weiterentwickelt?
Aktuelle spanische Teams spielen weiterhin mit einer hohen Passsicherheit, und spielen dabei mittlerweile aber ein direkteres Spiel und mit noch mehr Tempo. Dabei sind gewisse Hybridmodelle entstanden. Ballbesitz ist immer noch wichtig, schnelles Umschalten gehört inzwischen aber zu einer Voraussetzung. Der Schlüssel liegt heute in einer guten Anpassungsfähigkeit. Die UEFA gibt hierzu in ihrem jährlichen Bericht weitere Einblicke über die taktische Entwicklung im europäischen Fußball.
Doch was genau bedeutet dies für Fans und Analysten? Denn die verschiedenen Spielstile beeinflussen die Erwartungshaltungen der Fans. Sie haben Einfluss auf Tempo, Torchancen und die Spielkontrolle. Taktische Trends dienen heute als Kontext und sind keine Garantie. Das tiefere Verständnis für Taktik steigert dabei bei vielen Sportfans den Spielgenuss. Tatsache ist, dass Fußball dynamisch bleibt und nicht komplett planbar ist.
Tiki-Taka ist nicht tot, sondern erwachsen geworden
Heute ist das bekannte Tiki-Taka also kein starres System mehr und auch die Grundideen dieses Spielstils sind noch immer relevant. Spielintelligenz, Technik und die Raumkontrolle auf dem Spielfeld gehören auch im modernen Fußball dazu. Dabei ist die Weiterentwicklung dieser Spielweise auch heute noch relevant. Diese Flexibilität schlägt dabei eine starre Idee, was ein genereller Trend im Spitzenfußball ist. Dabei sind Spielideen gefragt, die auf die jeweilige Spielsituation angepasst werden können und dabei Raum für unterschiedliche Spielverläufe bieten. Der Tiki-Taka Stil dominiert Wettbewerbe zwar nicht mehr wie früher, ist aber immer noch wichtige Referenz für Spielintelligenz, Ausbildung und taktisches Verständnis.
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