Taktik

Nico O'Reilly: Wie Guardiola mit ihm die Gegner kontrolliert

Citys linker Verteidiger taucht immer wieder im Strafraum des Gegners zwischen den Innenverteidigern auf. Das widerspricht dem klassischen Verständnis des Positionsspiels. Pep Pep Guardiola nutzt Nico O’Reilly nicht als klassischen Außenverteidiger, sondern als variable Raumfigur. Seine Aufgabe: gegnerische Ordnungsmuster zu verschieben. Eine Analyse Marius Thomas 

 

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Vom linken Außenverteidiger in den Angriff: Nico O’Reilly interpretiert bei Manchester City eine ungewöhnliche Rolle. Foto: Imago

 

Manchester City gegen Arsenal im April 2026. Als Nico O’Reilly immer wieder aus der linken Abwehrseite in die letzte Linie vorstieß, wirkte das zunächst improvisiert. Ein linker Verteidiger, der plötzlich im Strafraum auftaucht, diagonal in die Tiefe startet oder zwischen den Innenverteidigern des Gegners auftaucht, widerspricht dem klassischen Verständnis des Positionsspiels. Genau deshalb ist diese Bewegung interessant.

Pep Guardiola geht es bei solchen Rollenverschiebungen längst nicht mehr um feste Positionen. Der moderne Fußball wird von ihm nicht über Positionen gedacht, sondern über Räume, Zuordnungen und Reaktionen. O’Reilly spielt bei den Citizens nominell als Außenverteidiger – seine eigentliche Funktion verändert sich jedoch ständig. Mal sichert er den Aufbau, mal besetzt er das Mittelfeld, mal wird er kurzfristig zum zusätzlichen Stürmer.

Guardiola versucht seit Jahren, gegnerische Ordnungen nicht nur zu bespielen, sondern gezielt zu destabilisieren. Genau hier entsteht der Wert solcher Bewegungen. Wenn ein Verteidiger plötzlich die Räume eines Angreifers besetzt, entstehen Zuordnungsprobleme. Wer übernimmt ihn? Bleibt der Außenverteidiger bei ihm? Rückt ein Innenverteidiger heraus? Oder wird die Bewegung ignoriert? Jede Entscheidung öffnet neue Räume. Das Interessante daran ist weniger die einzelne Aktion als das Prinzip dahinter. O’Reilly ist nicht einfach ein offensiver Außenverteidiger. Er ist Teil einer größeren Entwicklung, in der Positionen zunehmend ihre feste Bedeutung verlieren. Spieler erfüllen innerhalb weniger Sekunden unterschiedliche Rollen – abhängig davon, welche Räume geöffnet oder besetzt werden sollen. Guardiola nutzt diese Bewegungen nicht, um Chaos zu erzeugen, sondern um Kontrolle über gegnerische Reaktionen zu gewinnen. Genau darin liegt die eigentliche Idee hinter dem aufrückenden Außenverteidiger.

Die Entwicklung des Außenverteidigers
Kaum eine Position hat sich im modernen Fußball so stark verändert wie die des Außenverteidigers. Lange war die Rolle klar definiert: Breite geben, Flanken schlagen, defensiv absichern. Außenverteidiger unterstützten das Spiel, sie steuerten es jedoch selten. Ihre Bewegungen verliefen meist entlang der Linie, ihre Aufgaben waren klar getrennt von denen der Mittelfeld- oder Offensivspieler. Mit dem Aufstieg des Positionsspiels begann sich dieses Verständnis zu verändern.

Trainer wie Pep Guardiola erkannten früh, dass Außenverteidiger ideale Werkzeuge sind, um gegnerische Strukturen zu manipulieren. Weil sie ursprünglich aus tieferen Zonen kommen, werden ihre Bewegungen von Gegnern oft später aufgenommen als die klassischer Offensivspieler. Genau daraus entsteht taktischer Vorteil. Eine erste Entwicklungsstufe waren invertierte Außenverteidiger. Spieler wie Oleksandr Zinchenko oder João Cancelo rückten im Ballbesitz ins Zentrum ein, um zusätzliche Präsenz im Mittelfeld zu schaffen. Der Außenverteidiger wurde zum Spielmacher aus der Tiefe, nicht mehr nur zum Flankengeber. Ziel war es, Überzahlen im Aufbau zu erzeugen und die Ballzirkulation zu stabilisieren. Später wurde die Rolle noch dynamischer. Josko Gvardiol etwa interpretierte die linke Seite bei Manchester City phasenweise nicht mehr klassisch defensiv, sondern als hybride Position zwischen Innenverteidiger, Außenverteidiger und zusätzlichem Mittelfeldspieler. Bewegungen wurden situativer, Rollen flexibler. Mit Nico O’Reilly geht Guardiola nun noch einen Schritt weiter. Der Außenverteidiger wird nicht mehr nur ins Zentrum gezogen, sondern zeitweise direkt Teil der letzten Linie. Er besetzt Räume, die traditionell Stürmern vorbehalten waren. Damit verschiebt sich die Funktion des Außenverteidigers endgültig weg von einer festen Positionsbeschreibung hin zu einer variablen Raumrolle. Die Entwicklung zeigt: Der moderne Außenverteidiger ist längst kein Randspieler mehr. Er ist zu einer der wichtigsten Figuren geworden, um Dynamik, Überzahl und Unordnung im gegnerischen System zu erzeugen.

Wie bewegt sich O’Reilly?
Die Rolle von Nico O’Reilly wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich, folgt jedoch einer klaren taktischen Logik. Ausgangspunkt ist meist die linke Seite der Viererkette oder eine tiefe Position im Aufbau. Von dort aus bewegt sich O’Reilly jedoch nicht konstant entlang der Linie, sondern verändert seine Rolle abhängig von Ballposition, gegnerischer Staffelung und Spielsituation. Besonders auffällig sind seine Tiefenläufe in die letzte Linie. Während Manchester City den Gegner über längere Ballbesitzphasen bindet, startet O’Reilly häufig aus tieferen Räumen in Zonen, die normalerweise von Flügelspielern oder Stürmern besetzt werden. Er taucht plötzlich zwischen Außen- und Innenverteidiger auf oder stößt diagonal in den Strafraum vor. Gerade weil diese Bewegungen von einem nominellen Verteidiger kommen, entstehen häufig kurze Momente der Unordnung. Wichtig ist dabei das Timing. O’Reilly hält seine Position oft lange, um den Gegner zunächst in einer stabilen Zuordnung zu halten. Erst wenn die gegnerische Kette seitlich verschoben oder auf andere Bewegungen fokussiert ist, startet er seinen Lauf. Die Bewegung soll nicht dauerhaft sichtbar sein – sie soll überraschend kommen. Dabei geht es nicht zwingend darum, dass O’Reilly selbst den Ball erhält. Häufig erzeugt sein Lauf vor allem Reaktionen. Wenn ein Verteidiger mitgeht, öffnen sich Räume im Zentrum. Bleibt die Kette kompakt, kann O’Reilly selbst angespielt werden. Die Bewegung ist also weniger Selbstzweck als Werkzeug zur Destabilisierung. Entscheidend ist außerdem, dass diese Rolle situativ bleibt. O’Reilly spielt nicht permanent als zusätzlicher Stürmer. Seine Position verändert sich innerhalb einzelner Angriffe mehrfach. Genau dadurch bleibt die Bewegung schwer vorhersehbar. Guardiola nutzt O’Reilly damit nicht als klassischen Außenverteidiger, sondern als variable Raumfigur. Seine Aufgabe besteht darin, gegnerische Ordnungsmuster zu verschieben – und genau darin liegt der eigentliche Wert dieser Rolle.
 
Guardiolas Idee 
Hinter den Bewegungen von Nico O’Reilly steckt keine spontane Freiheit, sondern ein gezieltes taktisches Prinzip. Guardiola versucht mit solchen Rollenverschiebungen vor allem eines: gegnerische Zuordnungen destabilisieren. Moderne Defensivsysteme funktionieren über klare Orientierung – Spieler wissen, welche Räume sie verteidigen und welche Gegenspieler sie übernehmen müssen. Genau diese Ordnung soll durch ungewöhnliche Bewegungen gestört werden. Wenn ein Außenverteidiger plötzlich die letzte Linie besetzt, entsteht ein Entscheidungsproblem. Folgt ihm der gegnerische Außenverteidiger tief ins Zentrum oder in den Strafraum, öffnet sich Raum auf dem Flügel. Bleibt er in seiner Position, entsteht möglicherweise eine Überzahl im Zentrum der letzten Linie. Rückt ein Innenverteidiger heraus, entstehen wiederum neue Lücken zwischen den Verteidigern. Jede Reaktion erzeugt ein neues Problem. Guardiola arbeitet dabei gezielt mit Überladung und Isolation. Durch enge Staffelungen auf einer Seite wird die gegnerische Defensive verdichtet. Sobald zusätzliche Bewegungen – wie die von O’Reilly – hinzukommen, gerät die Zuordnung noch stärker unter Druck. Ziel ist nicht die permanente Kontrolle des Balles allein, sondern die Kontrolle gegnerischer Entscheidungen. Interessant ist dabei, dass Guardiola zunehmend mit „unlogischen“ Bewegungen arbeitet.

Früher war Positionsspiel oft stark an klare Raumaufteilungen gebunden. Heute nutzt City bewusst Läufe, die auf den ersten Blick nicht zur Position eines Spielers passen. Gerade dadurch entsteht Unsicherheit. Gegner verteidigen normalerweise Muster – Guardiola versucht, diese Muster aufzulösen. Die Rolle von O’Reilly zeigt deshalb auch eine Weiterentwicklung des Positionsspiels. Es geht nicht mehr nur darum, Räume sauber zu besetzen, sondern darum, gegnerische Orientierung aktiv zu manipulieren. Der Ball dient dabei häufig als Mittel, um Bewegungen vorzubereiten und Reaktionen auszulösen. Guardiolas Idee hinter dem aufrückenden Außenverteidiger ist somit weniger spektakulär, als sie wirkt. Es geht nicht um Chaos, sondern um gezielte Irritation – und um die Kontrolle dessen, wie der Gegner darauf reagiert.

Raumgewinn durch Irritation
Der moderne Spitzenfußball erzeugt Räume immer seltener durch reine Breite oder individuelle Dribblings. Stattdessen entstehen viele offene Zonen durch Irritation – also durch Bewegungen, die gegnerische Orientierung kurzzeitig brechen. Genau hier liegt die eigentliche Bedeutung von Rollen wie der von Nico O’Reilly. Defensivsysteme funktionieren heute hochorganisiert. Mannschaften verschieben kompakt, sichern Räume kollektiv ab und orientieren sich an klaren Mustern. Klassische Angriffslösungen wie einfache Flanken oder starre Positionsbesetzungen reichen deshalb oft nicht mehr aus, um stabile Defensiven zu öffnen. Moderne Angriffssysteme versuchen daher zunehmend, Ordnung nicht direkt zu überwinden, sondern sie zunächst zu destabilisieren. Ungewöhnliche Bewegungen spielen dabei eine zentrale Rolle. Wenn ein Außenverteidiger plötzlich in die letzte Linie startet oder ein Mittelfeldspieler breit auf dem Flügel auftaucht, entstehen kurze Momente der Unsicherheit. Gegner müssen Entscheidungen treffen, die nicht mehr automatisch über ihre ursprüngliche Zuordnung lösbar sind. Genau diese Sekunden sind im Spitzenfußball oft entscheidend. Manchester City nutzt solche Irritationsmomente systematisch. O’Reillys Läufe dienen nicht nur dem Raumgewinn für ihn selbst, sondern öffnen Räume für andere Spieler. Sobald die gegnerische Kette auf seine Bewegung reagiert, entstehen neue Passwinkel oder Freiräume im Zentrum. Der eigentliche Effekt liegt häufig nicht in der Bewegung selbst, sondern in der Reaktion darauf. Damit verändert sich auch das Verständnis von Positionsspiel. Früher ging es vor allem darum, Räume klar zu besetzen. Heute wird Positionsspiel dynamischer gedacht: Räume sollen nicht nur genutzt, sondern aktiv erzeugt werden. Spieler bewegen sich bewusst „unlogisch“, um gegnerische Ordnungsmuster zu verschieben. Der moderne Fußball gewinnt Raum deshalb immer häufiger über Irritation statt über klassische Überlegenheit. Nicht die Position eines Spielers ist entscheidend, sondern der Moment, in dem seine Bewegung die Orientierung des Gegners verändert. Genau darin liegt die taktische Kraft solcher Rollenwechsel.

Welche Teams ähnliche Prinzipien nutzen
Manchester City ist mit dieser Idee nicht allein. Viele Topteams arbeiten inzwischen mit Außenverteidigern oder hybriden Spielern, die situativ völlig unterschiedliche Räume besetzen. Die Umsetzung variiert – das Grundprinzip bleibt ähnlich: gegnerische Zuordnungen durch unerwartete Bewegungen destabilisieren. Arsenal nutzt unter Mikel Arteta beispielsweise sehr flexible Rollen auf den Außenpositionen. Spieler wie Myles Lewis-Skelly oder Jurriën Timber rücken situativ ins Zentrum ein, besetzen Halbräume oder starten aus tieferen Positionen in offensive Zonen. Besonders auffällig ist dabei, dass diese Bewegungen oft erst spät erfolgen, wenn die gegnerische Struktur bereits verschoben wurde.

Bayer Leverkusen arbeitete unter Xabi Alonso ebenfalls häufig mit hybriden Rollen auf den Außenbahnen. Jeremie Frimpong interpretierte seine Position phasenweise eher wie ein zusätzlicher Angreifer als wie ein klassischer Wingback. Alejandro Grimaldo bewegte sich situativ ins Zentrum oder in offensive Zwischenräume, wodurch Leverkusen ständig neue Staffelungen erzeugte. Die Außenbahn war dort weniger feste Position als dynamischer Ausgangspunkt. Real Madrid verfolgt ein ähnliches Prinzip auf andere Weise. Dort entstehen Rollenwechsel häufig aus der Flexibilität einzelner Spieler. Federico Valverde oder Eduardo Camavinga besetzen je nach Spielphase unterschiedliche Räume, während Außenverteidiger situativ extrem hoch schieben. Die Struktur wirkt dabei oft freier als bei City, erfüllt aber denselben Zweck: gegnerische Orientierung brechen.

Und auch Paris Saint-Germain unter Luis Enrique nutzt verstärkt rotierende Außenrollen. Nuno Mendes etwa startet regelmäßig aus tieferen Positionen in die letzte Linie und wird phasenweise zum zusätzlichen Angreifer. Die Außenverteidiger dienen dort längst nicht mehr nur der Breite, sondern aktiv der Raumöffnung im letzten Drittel. Die Unterschiede zwischen diesen Teams liegen weniger im Prinzip als in dessen Ausführung. Manche Mannschaften arbeiten strukturierter, andere freier. Gemeinsam ist ihnen jedoch die Idee, Positionen nicht mehr statisch zu denken. Entscheidend ist nicht, wo ein Spieler offiziell beginnt – sondern welchen Raum er im richtigen Moment besetzt.

Die Risiken 
So wirkungsvoll diese Rollenwechsel im Ballbesitz sein können, sie bringen auch erhebliche Risiken mit sich. Je stärker Außenverteidiger oder hybride Spieler in offensive Räume aufrücken, desto größer wird die Verantwortung der Restverteidigung. Denn jeder Vorstoß verändert automatisch die Absicherung hinter dem Ball. Das offensichtlichste Problem entsteht auf der Außenbahn selbst. Wenn ein Spieler wie O’Reilly aus seiner ursprünglichen Position in die letzte Linie startet, öffnet sich Raum hinter ihm. Geht der Ball verloren und das Gegenpressing greift nicht sofort, kann genau dieser Bereich für schnelle Umschaltmomente genutzt werden. Moderne Topteams versuchen deshalb nicht nur, Räume im Angriff zu öffnen, sondern gleichzeitig Konterwege präventiv zu schließen. Dafür braucht es eine extrem saubere Staffelung hinter dem Ball. Innenverteidiger müssen breitere Räume verteidigen können, zentrale Mittelfeldspieler situativ absichern und ballferne Spieler frühzeitig einrücken. Rollenwechsel funktionieren deshalb nur innerhalb eines kollektiv stabilen Systems. Die Bewegung einzelner Spieler ist sichtbar – die Absicherung dahinter oft der eigentliche Schlüssel. Hinzu kommt das Problem des Timings. Läufe wie die von O’Reilly entfalten ihre Wirkung nur, wenn sie im richtigen Moment erfolgen. Erfolgt die Bewegung zu früh, kann der Gegner die neue Zuordnung problemlos aufnehmen. Erfolgt sie zu spät, verliert sie ihren Überraschungseffekt. Moderne Positionswechsel sind deshalb hochgradig synchronisierte Abläufe.

Ein weiterer Risikofaktor liegt in der Komplexität selbst. Je flexibler Rollen werden, desto höher sind die Anforderungen an Spielintelligenz und Abstimmung. Spieler müssen Situationen erkennen, Räume interpretieren und innerhalb weniger Sekunden Entscheidungen treffen. Nicht jede Mannschaft verfügt über die technische und taktische Qualität, um solche Mechanismen konstant sauber umzusetzen. Gerade deshalb bleibt dieses Prinzip vor allem auf höchstem Niveau erfolgreich. Rollenauflösungen erzeugen Vorteile – aber nur dann, wenn Struktur und Absicherung gleichzeitig bestehen bleiben. Ohne diese Balance wird aus gezielter Irritation schnell ungeordnetes Chaos.

Fazit und Ausblick: Die endgültige Auflösung der Positionen
Die Rolle von Nico O’Reilly zeigt beispielhaft, wohin sich der moderne Fußball entwickelt. Positionen verlieren zunehmend ihre feste Bedeutung. Entscheidend ist nicht mehr, wo ein Spieler offiziell aufgestellt wird, sondern welche Funktion er in einer bestimmten Spielsituation erfüllt. Der Außenverteidiger wird dadurch nicht abgeschafft – aber seine Rolle wird neu definiert.

Pep Guardiola treibt diese Entwicklung seit Jahren voran. Seine Teams denken Fußball nicht in starren Linien, sondern in Räumen, Bewegungen und Reaktionen. O’Reillys Vorstöße in die letzte Linie wirken deshalb nicht wie ein taktischer Sonderfall, sondern wie die logische Fortsetzung einer Entwicklung, die längst begonnen hat. Der Außenverteidiger wird zum Mittelfeldspieler, zum Raumöffner oder situativ sogar zum zusätzlichen Stürmer. Interessant ist dabei, dass diese Bewegungen nicht primär auf Spektakel abzielen. Sie dienen der Kontrolle gegnerischer Entscheidungen. Moderne Topteams versuchen weniger, Räume direkt zu bespielen, sondern sie durch Irritation erst entstehen zu lassen. Ungewöhnliche Bewegungen brechen Orientierung – und genau daraus entsteht Raumgewinn.

Die Entwicklung beschränkt sich dabei längst nicht mehr auf Manchester City. Arsenal, Paris Saint-Germain, Real Madrid oder zuvor Bayer Leverkusen arbeiten ebenfalls mit hybriden Rollen und dynamischen Positionswechseln. Unterschiede bestehen vor allem in der Struktur und Intensität der Umsetzung. Der Trend deutet darauf hin, dass sich diese Auflösung klassischer Positionsbilder weiter verstärken wird. Spieler werden künftig immer stärker danach bewertet werden, wie viele Rollen sie innerhalb eines Spiels übernehmen können. Vielseitigkeit wird wichtiger als Positionsreinheit. Der moderne Fußball entfernt sich damit zunehmend von der Idee fester Positionen. Entscheidend ist nicht mehr, wo ein Spieler startet – sondern welchen Raum er im richtigen Moment besetzt.

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