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KOLUMNE
Team Melli bei der WM
Der Iran hat sich zum zum sechsten Mal für eine Endrunde der Fußballweltmeisterschaft qualifiziert. Bei der Winter-Wüsten-WM in Qatar 2022 tritt das fußballbegeisterte Land das dritte Mal in Folge bei einem Weltturnier an. Von Samira Samii.

 

 

 Sportmanagerin & Rund-Kolumnistin Dr. Samira Samii

Sportmanagerin & Rund-Kolumnistin Dr. Samira Samii

 

Die Mannschaft meines Geburtslandes Iran schaffte es über die Qualifikation des asiatischen Fußballverbandes AFC und als Asienmeister als eines der ersten Teams zur Fußball Weltmeisterschaft in Qatar 2022. Mittlerweile nimmt das sogenannte „Team Melli“, wie die Iranische Nationalmannschaft von seinen Fans genannt wird, bereits zum sechsten Mal bei einer Endrunde teil. Die Entwicklung des Fußballs im Iran macht Fortschritte und die Begeisterung der Fans im Iran kennt ohnehin keine Grenzen. Der Iran ist sehr stolz darauf, dass er bei der WM in Qatar bereits zum dritten Mal in Folge bei einer Finalrunde dabei ist. Insbesondere in schwierigen Zeiten ist der Fußball wichtig für die Stimmung der Bevölkerung, und um sich international zu präsentieren.

Der Iran begann die Qualifikation in der zweiten Runde unter dem Belgier Marc Wilmots, dem in Deutschland bekannten Schalker Urgestein und Eurofighter. Nach zwei Siegen und zwei Niederlagen kündigte Wilmots seinen Vertrag jedoch wegen ausbleibender Gehaltszahlungen. Der Kroate Dragan Skočić übernahm dann als Cheftrainer und die Iraner gewannen die in Bahrain ausgetragenen Spiele und erreichten als Gruppensieger die dritte Runde. Hier trafen die Iraner wieder auf den Irak sowie Südkorea, die Vereinigten Arabischen Emirate, Syrien und den Libanon. In dieser Runde konnte der Iran nur gegen Südkorea nicht gewinnen. Das Heimspiel endete 1:1, das Rückspiel in Südkorea wurde mit 0:2 verloren. Da die Südkoreaner aber im ersten Spiel gegen den Irak nur zu einem torlosen Remis kamen und das letzte Spiel in den Emiraten verloren, wurden die Iraner dennoch Gruppensieger. Bereits am viertletzten Spieltag hatte der Iran sich aber schon als erste asiatische Mannschaft sportlich für die WM-Endrunde qualifiziert. Die besten iranischen Torschützen waren Sardar Azmoun mit zehn und Mehdi Taremi mit acht Toren.

Team Melli startet am 21. November 2022 gegen die englische Nationalmannschaft in die Gruppenphase der Weltmeisterschaft. Die Iraner haben mit der englischsprachigen Gruppe gegen Vize-Europameister England, die USA und Wales starke Gegner. Bisher war für den Iran immer schon in der Vorrunde von Weltmeisterschaften Schluss. Dass sich an diesem Trend etwas ändert ist für den Außenseiter eher unwahrscheinlich.

Es wäre zu wünschen, aber würde daher fast an ein Wunder grenzen, wenn der Iran die Vorrunde überstehen würde. Betrachtet man jedoch die Fußballweltrangliste, dann liegen der Iran mit Platz 20, Wales mit 19 und die USA mit Rang 16 sehr eng zusammen. Nur wie aussagekräftig ist die Fußball Weltrangliste? Deutschland steht auf Rang elf und hätte mit dem Titel sehr wenig zu tun. Die Italiener auf Rang sechs und die Holländer auf Rang acht haben sich gar nicht erst qualifiziert. Am Ende wird es wieder einmal sehr knapp und vielleicht schafft es ja Team Melli dieses Mal in die Ko-Runde und schafft somit eine kleine Sensation. Angesichts der derzeitigen Unruhen wird vor allem auch der allgemeine Auftritt von Sardar Azmoun und seiner Mannschaft mit Spannung erwartet.

Trainer Carlos Queiroz kommt aus Portugal, war früher  schon einmal Nationaltrainer des Irans und hat das Amt nur zweieinhalb Monate vor Beginn des Turniers übernommen. Noch hat sich der Coach nicht auf einen endgültigen WM-Kader festgelegt.

Die iranische Legende Ali Daei ist ein guter Freund unserer Familie und letztendlich hatte auch er seinen Anteil daran, dass ich Fußball-Managerin geworden bin. Er ist bis heute die größte Fußball-Legende des Irans und hat in seinen 149 Länderspielen unglaubliche 109 Tore geschossen. Bis vor kurzem war er damit Weltrekordhalter und erst letztes Jahr konnte Cristiano Ronaldo ihn überholen. Im WM Jahr 2014 habe ich mehrere TV-Sendungen und  Fußballveranstaltungen mit den beiden Rekordnationalspielern und ehemaligen Bayern-Kollegen Lothar Matthäus und Ali Daei organisiert und gemanagt. Ali ist bis heute ein guter Freund und wünscht sich nichts mehr als etwas Erfolg für die iranische Nationalmannschaft und Frieden und Freiheit für sein Land.


In diesen Tagen ist Fußball so wichtig für den Iran und ein Hoffnungsschimmer für die junge und hochqualifizierte Bevölkerung des Irans. Es ist daran ein weltweit sichtbares Zeichen zu setzen und der Welt mitzuteilen, was für ein fantastisches Land mit jahrtausendalter Kultur der Iran ist.

 

 



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