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ABSCHIED
Es fällt so schwer
Nach 13 Jahren ist Schluss. Leandro de Deus Santos – kurz: Dede – verlässt seinen Verein. Nach der laufenden Saison wird der Vertrag des Brasilianers bei Borussia Dortmund nicht mehr verlängert. Damit nimmt einer der letzten noch verbliebenen Ewigtreuen der Liga seinen Hut. Von Daniel Cottäus

Dede

Über 32.000 Minuten für die Borussia: Dede
Foto Mareike Foecking


Nach nur 13 Minuten war das Debüt auch schon wieder vorbei. Vladimir But trippelte im Gottlieb-Daimler-Stadion schon unruhig an der Außenlinie, um gleich den Mann abzulösen, der ein gutes Jahrzehnt später Legendenstatus bei Borussia Dortmund genießen sollte. Der erste Arbeitstag in der Bundesliga fand für Dede allerdings ein jähes Ende: Früh verletzt raus, am Ende mit 1:2 beim VfB Stuttgart verloren.

Der Linksverteidiger war vor der Saison, im Sommer 1998, als 20-Jähriger von Atletico Mineiro in den Ruhrpott gewechselt – als einer der ersten Transfers des damals blutjungen Sportdirektors Michael Zorc. Knapp 13 Jahre später sitzen die beiden Männer nebeneinander auf dem Podium, ringen um Fassung, sprechen von Abschied: Dede geht. Als dienstältester Spieler. Nach der laufenden Saison. Aller Voraussicht nach nochmal als Meister. Es wäre nach 2002 die zweite Schale, die der Linksfuß mit dem BVB gewinnt. Anders anfühlen dürfte sich der Erfolg allerdings schon. Sportlich gesehen spielt Dede unter Trainer Jürgen Klopp nämlich keine Rolle mehr. Von schweren Verletzungen in den vergangenen Jahren (Kreuzbandriss, Kieferbruch, Knieprobleme) immer wieder zurückgeworfen, scheint der Sprung in die erste Elf, an Marcel Schmelzer vorbei auf die Position hinten links in der Viererkette, nicht mehr möglich. Fußballspielen will Dede weiter. Als Profi. Auf hohem Niveau. „Es fällt mir sehr, sehr schwer, den Verein zu verlassen. Eigentlich wollte ich meine Karriere in Dortmund beenden“, sagt der Brasilianer während er seinen Abschied verkündet – und mit den Tränen kämpft.

Dabei hatte Dede seinen Weggang aus Dortmund ursprünglich schon viel früher geplant, ließ damals, kurz nach seiner Verpflichtung, verlauten, nur seinen Dreijahresvertrag erfüllen zu wollen, um das „immer kalte Deutschland“ dann schnell wieder zu verlassen. Es kam anders. Durch sein nimmermüdes Spiel auf der linken Außenbahn wurde Dede schnell zum Liebling der schwarz-gelben Fans, bekam in Dortmund Vertrag um Vertrag. Inzwischen bringt er es nach 319 Bundesligaspielen auf zwölf Tore und 46 Vorlagen. Insgesamt stand der heute 32-Jährige wettbewerbsübergreifend 384 Mal für die Borussia auf dem Platz, lief, grätschte, passte und flankte während 32.403 Minuten Spielzeit.

Zu Beginn seiner Zeit in Deutschland hatte Dortmunds Nummer 17 jedoch mit einigen Anpassungsschwierigkeiten zu kämpfen. Dazu zählt sicherlich die Anekdote, dass sich der jugendliche Dede eines morgens – während seinen ersten Winters in Mitteleuropa – telefonisch auf der BVB-Geschäftsstelle meldet, um mitzuteilen, dass er nicht zum Training kommen könne – sein Auto sei Kaputt. Dass die Frontscheibe lediglich überfroren war – woher soll ein Mann, der noch nie Schnee gesehen hat, das wissen?

Im Laufe der Jahre hat sich der Linksverteidiger aber immer besser an die neuen Bedingungen angepasst. Mit Folgen: In der Heimat trägt Dede, der 2004 sein einziges Länderspiel für Brasilien absolviert hat, den Spitznamen „der Deutsche“. Die anfangs ungewohnte Mentalität ist dem Techniker in Fleisch und Blut übergegangen. „Später möchte ich wieder in Brasilien leben und viele Kinder haben. Diese sollen aber in Deutschland eine Lehre machen oder studieren, damit sie lernen, dass ein 9-Uhr-Termin um 9 Uhr stattfindet und nicht um 11 oder 12 Uhr“, unterstrich Dede einst gegenüber den Ruhrnachrichten völlig unsüdamerikanisch.

Nach eigenen Aussagen liegen Dede für die kommende Saison bereits drei Angebote aus der Bundesliga vor. Wohin es den „deutschen Brasilianer“ aber auch immer verschlagen mag, ewigtreu wird er seiner Borussia immer bleiben: „Im Herzen bleibe ich Borusse. Das schwarzgelbe Trikot ist meine zweite Haut geworden.“



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